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Zum Tanz mit Kafka

Symposium am 3. Februar im Wedding / Studierende der Tanzwissenschaft der Freien Universität erörtern eine Inszenierung von Kafkas Erzählung „Der Bau“

30.01.2013

Tanz und Tuch: Die Performance "Der Bau"  wurde inszeniert von der Choreografin Isabelle Schad und dem bildenden Künstler Laurent Goldring.
Tanz und Tuch: Die Performance "Der Bau" wurde inszeniert von der Choreografin Isabelle Schad und dem bildenden Künstler Laurent Goldring. Bildquelle: L. Goldring
Susanne Foellmer ist Juniorprofessorin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität und Initiatorin des Symposiums in den Weddinger Uferstudios.
Susanne Foellmer ist Juniorprofessorin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität und Initiatorin des Symposiums in den Weddinger Uferstudios. Bildquelle: Fotostudio menarc

Kafkaeske Szenen spielen sich ab in den Weddinger Uferstudios für zeitgenössischen Tanz: Große Stoffbahnen bewegen sich auf der Bühne, zerknüllen sich oder breiten sich aus. Die Tänzerin ist in diese Tücher gehüllt und für den Zuschauer kaum zu sehen. Was es mit dieser Performance – inspiriert von Franz Kafkas unvollendeter Erzählung „Der Bau“ – auf sich hat, erfahren Besucher eines öffentlichen Kurz-Symposiums am 3. Februar: Studentinnen des Masterstudiengangs Tanzwissenschaft der Freien Universität präsentieren ihre Beobachtungen und Interpretationen zur Produktion von Isabelle Schad und Laurent Goldring. Campus.leben sprach mit der Initiatorin des Kurz-Symposiums, Juniorprofessorin Susanne Foellmer.

Frau Foellmer, wie ist die Idee entstanden, ein Kurz-Symposium mit Studierenden zu veranstalten?

Im Gegensatz zu anderen Projekten des Instituts ist die Veranstaltung nicht aus einem Seminar heraus entstanden. Die beteiligten Studentinnen belegen alle den Masterstudiengang Tanzwissenschaft und haben im Kontext meines Seminars zu ästhetischen Theorien des Körpers Hausarbeiten geschrieben. Jede von ihnen hat ein spezifisches, anspruchsvolles Forschungsinteresse. Durch den Kontakt zu Isabelle Schad, der Choreografin des Stücks „Der Bau“, kam der Gedanke auf, die Inszenierung aus bestimmten Blickwinkeln der Forschung zu betrachten und damit im Rahmen eines Symposiums an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich hatte auch schon bei Auslandsaufenthalten in Brasilien miterlebt, dass bei wissenschaftlichen Konferenzen immer auch Foren für Studierende stattfinden. Dabei können sie ihre Interessen zeigen und das Präsentieren üben.

Inwiefern werden sich die Vorträge von normalen Referaten unterscheiden?

Die Vorträge sind teils essayistisch angelegt und basieren auf der eigenen Seherfahrung der Studierenden. Das Symposium richtet sich damit auch an Laien und nicht ausschließlich an ein Fachpublikum – im Prinzip reicht eine gewisse Neugier für die Tanzwissenschaft aus, wenn man die Veranstaltung besuchen möchte. Die Studentinnen haben ihre Vorträge außerdem freiwillig erarbeitet, sie erhalten dafür keine Leistungspunkte. Meiner Meinung nach ist es eine wichtige Erfahrung, Anwendungsmöglichkeiten des Studiums kennenzulernen – auch um auszuprobieren, inwieweit eine wissenschaftliche Karriere reizvoll sein kann.

Kann man das Symposium auch besuchen, ohne die Inszenierung gesehen zu haben?

Aus meiner Sicht ergibt es Sinn, das Stück vorher zu besuchen. Die Studierenden waren bei einer Probe dabei und beziehen sich in ihren Vorträgen auf die spezielle Inszenierung von Isabelle Schad und Laurent Goldring. Schad ist Choreografin, Goldring bildender Künstler: Durch die Zusammenarbeit verschränken sich ihre Disziplinen gewissermaßen. Inwiefern sich diese Inszenierung aufgrund dieser besonderen Konstellation von anderen Performances unterscheidet, wird auch Teil der Vorträge sein.

Welche Themen behandeln die Studentinnen außerdem?

Schon allein durch die Kombination von Choreografie und bildender Kunst drängen sich bestimmte Ausgangsthemen auf – beispielsweise, wie Schad und Goldring mit dem Raum arbeiten und wie sie bildliche Aspekte umsetzen. Die Studentin Charlotte Riggert setzt sich unter dem Gesichtspunkt des Unheimlichen damit auseinander, wie die Körper der Tänzer durch die Stoffbahnen verformt werden, sodass die menschlichen Züge verschwimmen. Mit der Frage des Raumes beschäftigt sich Ronja Ruppert, sie wird auch auf inhaltliche Bezüge zu Kafkas unvollendeter Erzählung eingehen. Katharina Schmidt hat herausgearbeitet, welche Rolle das Material des Stoffes in der Inszenierung spielt und Christina Amrhein beleuchtet den Aspekt der Bildlichkeit.

Welche inhaltlichen Besonderheiten weist Kafkas Geschichte denn auf?

„Der Bau“ ist eine unvollendete Erzählung aus Sicht eines Tieres – wie so oft bei Kafka natürlich eine Metapher, die für die beiden Künstler einen Ausgangspunkt darstellt. Im Prinzip bringt jeder Text, jedes Stück bestimmte Bewegungsideen mit sich – in diesem Fall ist das die Idee des verschachtelten Tierbaus. Diese Ideen spinnen sie dann in der Inszenierung weiter.

Die Fragen stellte Gisela Gross.

Die Produktion „Der Bau“ von Isabelle Schad und Laurent Goldring ist vom 31. Januar bis zum 3. Februar 2013, jeweils um 19:30 Uhr, in den Uferstudios im Wedding zu sehen. Die Tickets kosten 13 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Der Eintritt zum studentischen Kurz-Symposium unter der Leitung von Juniorprofessorin Susanne Foellmer ist frei.

Zeit und Ort:

  • Sonntag, 3. Februar, 11 bis 14 Uhr
  • Uferstudios (Studio 14), Uferstr. 23, 13357 Berlin-Wedding (U8: Pankstraße)