Freie Universität Berlin


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Ich baue (m)eine Stadt

1300 Kinder aus 5. und 6. Klassen bei der Schüleruni zum Thema Klima- und Umweltschutz an der Freien Universität

25.09.2012

Die 6. Klasse der Bernhard-Grzimek-Grundschule plant ihre eigene Stadt
Die 6. Klasse der Bernhard-Grzimek-Grundschule plant ihre eigene Stadt Bildquelle: Susanne Rothmund
Die Schulkinder geben vollen Einsatz
Die Schulkinder geben vollen Einsatz Bildquelle: Susanne Rothmund
Anhand einer Stoppuhr messen die Kinder den Wattverbrauch der Küchengeräte nach
Anhand einer Stoppuhr messen die Kinder den Wattverbrauch der Küchengeräte nach Bildquelle: Susanne Rothmund
Die Klasse 6a der Emmy-Noether-Grundschule sagt der Stromverschwendung den Kampf an
Die Klasse 6a der Emmy-Noether-Grundschule sagt der Stromverschwendung den Kampf an Bildquelle: Susanne Rothmund
Heike Müller von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Brandenburg überreicht der Projektleiterin der SchülerUni, Karola Braun-Wanke, die Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt.
Heike Müller von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Brandenburg überreicht der Projektleiterin der SchülerUni, Karola Braun-Wanke, die Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Bildquelle: Gritt Ockert

Ein Mittwochmorgen im September, 10 Uhr, während der vorlesungsfreien Zeit. Dennoch sind die Hörsäle im Otto-Suhr-Institut voll besetzt. Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse der Spandauer Wald-Grundschule und der 6. Klasse der Ruppin-Grundschule aus Schöneberg füllen die Sitzreihen. Die Zehn- bis 13-Jährigen nahmen an der Schüleruni „Nachhaltigkeit + Klimaschutz“ teil, die gerade zum 8. Mal an der Freien Universität Berlin stattfand.

„Welche Biomassen gibt es?“, fragt Dörte Ohlhorst. Die promovierte Politikwissenschaftlerin vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) der Freien Universität Berlin veranstaltet mit den Kindern ein Quiz. Alle rätseln. Mais und Raps werden genannt. Auch die Lehrer diskutieren mit. An eines haben die Schüler nicht gedacht: „Kuhmist“, sagt Ohlhorst und sorgt für Gelächter. Warum Windräder immer weiß seien und nicht grün oder gar rosa, will Ohlhorst danach wissen. Schließlich kennt ein Schüler die richtige Antwort: „Weil weiße Farbe billiger ist!“

Kleine Stadtplaner am Werk

Im Hörsaal nebenan schwingen Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse der Bernhard-Grzimek-Grundschule die Pinsel. In der Werkstatt „Sei Berlin - Ich plane meine Stadt der Zukunft“ sollte eine umweltfreundliche Stadt auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof entwickelt werden. Gearbeitet wurde nach der „Design Thinking Methode“, die Heike Ernst, Dozentin von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) mit „Denke mit den Händen!“ beschreibt. Die Kinder sollten Ideen sammeln und sie auf großen Pappausschnitten umsetzen. Klassenlehrerin Waltraud Ull ist begeistert: „Die Methode fördert das kreative Potenzial der Kinder. Ich schaue mir auf jeden Fall etwas ab.“

Die Bastelmaterialen wurden von der HTW und dem FFU bereitgestellt. Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) sind Mitorganisatoren des Projekts. Jessica Klee absolviert zurzeit ein duales Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und arbeitet während der Praxisphasen in verschiedenen Abteilungen der BSR. Zur Zeit ist sie in der Abteilung Marketing und unterstützt die Werkstatt im Rahmen des Umweltbildungsprogrammes der BSR. Sie freut sich über das Engagement der Kinder: „Alle arbeiten toll mit!“ Bei kleinen Pannen wird improvisiert: „Wir wollten eigentlich eine Windkraftanlage bauen, aber die ist verunglückt. Jetzt wird es eben ein Haus mit Garten“, sagt Moritz Buckow, der als Praktikant im ökologischen Jahr bei der BSR arbeitet. Seine Mitschüler Leon, Daniel und Eric arbeiten nebenan an einer Windparkanlage.

Zur selben Zeit besucht die Klasse 6a der Emmy-Noether-Grundschule den szenischen Workshop „Saft & Kraft“. Geleitet wird er von der Schauspielerin Luzia Schilling und der Regisseurin Katja Fillmann. Mit einer Theaterszene, in der die Kinder in die Rolle ihrer Lieblingselektrogeräte schlüpften, führten die beiden in das Thema „Was ist Energie?“ ein.

Seilspringen für das Frühstücksei

Konkret wurde es im „Frühstückslabor“. Die Theaterfrauen Luzia Schilling und Katja Fillmann setzten Klassenlehrerin Christiane Belling an einen gedeckten Frühstückstisch. Aufgetischt wurden Toast, Tee und ein Frühstücksei. Ihre Schülerinnen und Schüler maßen mit Stoppuhren, wie viel Energie ihre Lehrerin beim Frühstücken verbraucht. Die Ergebnisse wurden anschließend in körperlichen Energieaufwand umgerechnet: Für eine Scheibe Toast mussten fünf Schüler Seilspringen und einer tanzen, für jeweils zwei Minuten. Das Tanzen übernahm Anneke, die dazu ein Lied über das Stromsparen sang. Zum Vergleich: Um den Wasserkocher zum Sprudeln zu bringen, müsste jeder Schüler der Klasse 16 Minuten Treppensteigen.

Luzia Schillung und Katja Fillmann möchten bei den Kindern Klimabewusstsein wecken, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Das sollten die Kinder selbst machen. Und es scheint zu funktionieren, wie Schülerin Malina Lienert erklärt: „Mir war gar nicht bewusst, wie viel Watt ich verbrauche.“ In Zukunft will sie ihren Frühstückstee durch ein kaltes Getränk ersetzen. Um Strom zu sparen.

Weitere Informationen

Die „Schüleruni Nachhaltigkeit + Klimaschutz“ fand vom 17. bis 21. September 2012 statt. 1300 Schüler im Alter zwischen 10 und 13 Jahren belegten 1400 Workshop-Plätze, beteiligt waren auch 110 Lehrkräfte. Angeboten wurden 50 Mitmachworkshops und -vorlesungen. Die „SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz“ wird noch bis 2015 jeweils in der vorlesungsfreien Zeit im Frühjahr und Herbst fortgeführt.

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Schüleruni