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Leidenschaftliche Leser und Brückenbauer

Zweiter Institutstag am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität

12.07.2012

Goethe und Schiller in Weimar: Über Berufsperspektiven mussten die beiden Dichter vermutlich weniger nachdenken als die derzeit bundesweit rund 80.000 Germanistik-Studierenden, die sich mit Goethes und Schillers Werken beschäftigen.
Goethe und Schiller in Weimar: Über Berufsperspektiven mussten die beiden Dichter vermutlich weniger nachdenken als die derzeit bundesweit rund 80.000 Germanistik-Studierenden, die sich mit Goethes und Schillers Werken beschäftigen. Bildquelle: Wikipedia / MjFe
Die Tagesspiegel-Redakteurin Anja Kühne (4. von rechts) moderierte die Podiumsdiskussion „Neu! Gebraucht?“ zu (Berufs-)Perspektiven der deutschen und niederländischen Philologie.
Die Tagesspiegel-Redakteurin Anja Kühne (4. von rechts) moderierte die Podiumsdiskussion „Neu! Gebraucht?“ zu (Berufs-)Perspektiven der deutschen und niederländischen Philologie. Bildquelle: Denis Henschel
Philologen am Ball: Ein sommerlicher Fußball-Cup beendete den Institutstag.
Philologen am Ball: Ein sommerlicher Fußball-Cup beendete den Institutstag. Bildquelle: Denise Henschel

„Wer von Ihnen wacht nachts schweißgebadet auf, aus Angst, das falsche Fach zu studieren?“ Die erste Frage am Morgen des Institutstags rief bei den Besucherinnen und Besuchern im gut besetzten Hörsaal 1b Gelächter hervor – und traf doch eine Sorge, die vermutlich viele umtreibt: 80.000 Germanistik-Studierende sind derzeit an deutschen Universitäten immatrikuliert. Aber gibt es für so viele Philologinnen und Philologen überhaupt ausreichend Jobs? Unter dem Motto „Neu! Gebraucht?“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Medien, Wirtschaft Wissenschaft über (Berufs-)Perspektiven der deutschen und niederländischen Philologie.

Für Akademiker sehe die Arbeitslage generell gut aus, sagte Ingrid Arbeitlang von der Arbeitsagentur Berlin. Wichtig sei es allerdings, praktische Kompetenzen zu erwerben: „Ich empfehle, lieber etwas länger zu studieren und dafür Arbeitserfahrung vorzuweisen.“ Joachim Scholl, Redakteur und Moderator beim Hörfunksender Deutschlandradio Kultur, hielt ein flammendes Plädoyer für ein Leidenschaftsstudium. Mit seinem Aufruf, „auf dem Sofa den ganzen Dostojewski“ zu lesen, erntete der Hörfunkjournalist Zwischenapplaus. Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin und selbst Germanist, mahnte zu einem realistischen Blick auf die unterschiedlichen Berufswege. Die Stellensituation in der Wissenschaft, teilweise schon im Masterstudiengang, sei mitunter prekär: „Nicht jeder von Ihnen kann Professor werden“, sagte Alt. Aber das wolle ja auch nicht jeder. Optimismus verbreitete abschließend der niederländische Botschafter Marnix Krop: „Sie als Geisteswissenschaftler sind Brückenbauer“, rief er den Studierenden zu.

Die andere Seite der Germanistik

Organisiert hatten den Institutstag Studierende und Lehrende der niederländischen und deutschen Philologie. „Es gefällt mir, dass man das Institut auf diese Weise mal von einer anderen Seite kennenlernt“, sagte eine Studentin, die nach der Podiumsdiskussion an einem der 15 Workshops zu unterschiedlichen Themen teilnahm. Unter dem Titel „graphic_bible“ wurden etwa Bibeltexte mit Ralf Königs Comics über die Arche Noah oder Adam und Eva verglichen. Beim Workshop „Alphamädchen & Co. – Feminismus reloaded?“ debattierte eine engagierte Runde über die Frage, weshalb vergleichsweise wenige Autorinnen auf den Seminarplänen vertreten seien.

Von Alumni lernen

Bei der sogenannten Berufsbörse konnten die Studierenden des Instituts die vom Organisationsteam eingeladenen Journalisten und Schriftsteller, Hörbuchautoren, Lehrer, Vertreter aus der Wirtschaft, dem Verlagswesen und dem Kulturbetrieb befragen – fast alle Alumni der Freien Universität. In lockerer Runde erzählten diese von ihrem Berufsalltag, gaben Auskunft über Praktikumsmöglichkeiten und Tipps zum Berufseinstieg. „Es war uns wichtig, dass die Studierenden in entspannter Atmosphäre die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen und Kontakte zu knüpfen“, erläuterten Marcus Schotte und Florian Urschel-Sochaczewski, Hauptorganisatoren des Institutstages, die Idee der Berufsbörse.

„Es war ein Tag zum Ausprobieren und Kennenlernen“, bilanzierte Anne Fleig, Professorin für Neuere deutsche Literatur. Durch ihre Funktion als Studiendekanin weiß sie, wie wichtig gute Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden ist. Ausprobiert wurde – bei der Vorbereitung und am Tag selbst – auch die Verkehrung der Hierarchien: So wurde während des sich an die feierliche Absolventenfeier anschließenden Fußball-Cups und des Sommerfestes aus dem formalen „Sie“ hier und da schon mal ein „Du“ – oder eben: ein „Wir“.