Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Kraftwerk im Klassenzimmer

Die Schüleruni der Freien Universität Berlin geht mit dem Thema „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ in die nächste Runde

02.04.2012

Ulrike Koch erklärt den Schülern den Versuchsaufbau: Zu den Materialien gehören: leere Plastikflaschen, Gemüseabfälle, kochendes Wasser, Hefe und Zucker. Die Schüler schneiden unter Anleitung von Ulrike Koch die Abfälle klein.
Ulrike Koch erklärt den Schülern den Versuchsaufbau: Zu den Materialien gehören: leere Plastikflaschen, Gemüseabfälle, kochendes Wasser, Hefe und Zucker. Die Schüler schneiden unter Anleitung von Ulrike Koch die Abfälle klein. Bildquelle: Juliane Bartsch
Anschließend werden alle Zutaten in die Plastikflasche gefüllt…
Anschließend werden alle Zutaten in die Plastikflasche gefüllt… Bildquelle: Juliane Barstch
… und gut geschüttelt. Über die Flaschenöffnung wird ein Luftballon gestülpt. Nach zwei bis drei Tagen wird durch die Gärung so viel Energie gewonnen sein, dass sich der Ballon aufbläht.
… und gut geschüttelt. Über die Flaschenöffnung wird ein Luftballon gestülpt. Nach zwei bis drei Tagen wird durch die Gärung so viel Energie gewonnen sein, dass sich der Ballon aufbläht. Bildquelle: Juliane Bartsch
In natürlichen und erneuerbaren Rohstoffen steckt viel Energiepotential.
In natürlichen und erneuerbaren Rohstoffen steckt viel Energiepotential. Bildquelle: Juliane Bartsch

Im Schulunterricht haben Fünft- und Sechstklässler normalerweise Lehrbücher, Arbeitsblätter und Stifte in der Hand. Bei der Schüleruni der Freien Universität ist das anders, zum Beispiel im Experimentierworkshop „Bioenergie selber machen“: Hier wird ein Minikraftwerk aus Biomasse hergestellt. Auch in vielen anderen Mitmachkursen erlebten 10- bis 13-jährige Schülerinnen und Schüler vom 26. bis 30. März in Gesprächen und mit ihren Händen, was hinter den Begriffen „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ steckt.

„Wir möchten den Schülern kindgerecht vermitteln, was Stichworte wie ‚Stromerzeugung‘ oder ‚erneuerbare Energie‘ eigentlich bedeuten“, sagt Ulrike Koch vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) e. V. Sie leitet den Kurs „Bioenergie selber machen“, in dem mit Gemüseabfällen, Erde und weiteren einfachen Zutaten der Begriff „Biomasse“ veranschaulicht wird. „Kinder hören solche Worte im Fernsehen oder von Erwachsenen, können sich aber oft nichts Konkretes darunter vorstellen.“ In ihrem Workshop zeigt Ulrike Koch, wie ein Gärprozess erfolgt und wie dadurch Energie freigesetzt wird. Außerdem bespricht sie mit den Kindern, warum umweltfreundliche Arten der Energiegewinnung überhaupt notwendig sind.

Berliner Schüler als Umweltforscher

Auf greifbare Weise Aspekte zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu vermitteln, das ist das Ziel der Schüleruni, die vom März 2012 bis Ende 2015 unter dem Motto „Lernen für eine zukunftsfähige Welt“ stattfindet. In der vorlesungsfreien Zeit im Frühjahr und Herbst werden jeweils eine Woche lang die Hörsäle, Seminarräume und Labore an der Freien Universität für Schulklassen der Stufen fünf und sechs geöffnet, um Schüler dort zu Workshops und Gesprächsrunden mit Umweltexperten einzuladen. Zudem erhalten Schulklassen Einblick in die effiziente Funktionsweise von Heizungsanlagen, Solardächern sowie Wetterstationen und können bei Besuchen im Botanischen Garten mehr über die Pflanzenwelt lernen.

Die aktuelle Schüleruni richtet sich am Jahresthema „Ernährung“ der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus. Viele Berliner Vereine und Einrichtungen wie der UfU e. V., „Slow Food Berlin“, das Freilandmuseum Domäne Dahlem oder die Agentur „eßkultur“ beteiligen sich an ihr. Sie bieten Veranstaltungen an, in denen die Schüler Solarzellen selbst bauen, den ökologischen Fußabdruck von Nahrungsmitteln, Kleidung und Elektrogeräten recherchieren oder den Weg von Lebensmitteln vom Acker bis in den Kochtopf auf einem Biobauernhof verfolgen.

„Großer Ideen- und Materialreichtum“

Die Lehrerin Bettina Tscheslog, die mit ihrer fünften Klasse den Kurs „Bioenergie selber machen“ besuchte, freute sich, bei der Schüleruni dabei zu sein: „Wir haben schon einmal die Kinderuni der Freien Universität besucht, und ich bin auch diesmal begeistert, was den Kindern geboten wird. Den Ideen- und Materialreichtum können wir im Schulunterricht nicht in diesem Umfang leisten.“ Das hier Gelernte möchte sie im Unterricht vertiefen. „Im Fach Naturwissenschaften können wir die Anregungen aus der Schüleruni sehr gut didaktisch umsetzen. Die Kinder haben nun konkrete Beispiele und damit einen stärkeren Bezug zu Themen wie ‚erneuerbare Energien‘, weil sie so viel Spaß in den Workshops hatten.“