„Die Antike ist auch für die Zukunft wichtig“
Berliner Schülerinnen und Schüler stellten auf einem eigenständig organisierten Kongress im Rahmen des Projekts „Zukunftsportal Antike“ die Vielfalt altertumswissenschaftlicher Forschung vor
27.03.2012
Das „Zukunftsportal Antike“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und des Exzellenzclusters TOPOI ist ein ungewöhnliches Projekt: Über einen Zeitraum von sechs Wochen organisierten Berliner Oberstufenschülerinnen und -schüler einen Kongress zum Thema „Entdecke die Antike!“. Zuvor hatten sie Theorie- und Praxisworkshops an wissenschaftlichen Einrichtungen besucht, unter anderem an der Freien Universität. Zum Abschluss präsentierten die jungen Forscher im voll besetzten Leibniz-Saal und vor 250 Zuschauern, was sie über die Forschungs- und Berufsfelder in den Altertumswissenschaften gelernt haben.
In insgesamt sechs Präsentationen stellten die Vortragsteams der sieben beteiligten Schulen kompetent und selbstsicher die Ergebnisse der wissenschaftlichen Seminare vor. Die Vielfalt der Altertumswissenschaften spiegelte sich in Themen wider wie „Rhetorik von der Antike bis heute“ und „Rekonstruktion antiker Landschaften mittels Geoinformationssystemen“.
„Das Projekt hat mich bereichert“, sagt Nicola Wündsch, Schülerin des Hans-Carossa-Gymnasiums in Spandau: „Es war sehr interessant, etwas über den Werdegang von Menschen zu erfahren, die im Wissenschaftsbetrieb arbeiten – und es hat Spaß gemacht, das Studentenleben ein wenig auszuprobieren.“
Die Vielfalt der Altertumswissenschaften
Die Schüler erwarben nicht nur inhaltliche Kenntnisse, sondern auch praktische Fähigkeiten, die in wissenschaftlichen Berufen notwendig sind. Sie besuchten Praxis-Workshops etwa zu Grafikdesign, Kongressorganisation oder Pressearbeit und produzierten im Laufe des Projekts sogar einen Imagefilm. Birgit Nennstiel, TOPOI-Mitarbeiterin und Leiterin des Grafik-Workshops, betonte, es sei lohnenswert, den Schülern Inhalte und Praxis der Wissenschaft in Verbindung beizubringen: „Es ist wichtig zu zeigen, dass Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern mithilfe von Grafik und Layout bunt sein und gut aussehen kann.“
„Sogar wir Lehrer haben viel dazugelernt.“
Auch Gerhardt Köhler, promovierter Altphilologe und Lehrer am Gymnasium Steglitz, hat das Projekt überzeugt: „Zum ersten Mal hat man nicht nur einen Einblick in die Forschung, sondern auch in verschiedene Berufsfelder zum Thema Antike bekommen.“ Was während des Zukunftsportals gelernt wurde, soll im Klassenzimmer weiterentwickelt werden: „Meine Schüler sollen das, was sie hier mitbekommen haben, in einem Text argumentativ erörtern. Wir wollen der Frage nachgehen, wie das Wissen aus der Antike und über die Antike zu uns kommt“, erklärt Margret Iversen, Philosophie-Lehrerin an der Sophie-Scholl-Schule.
Sie selbst habe durch das „Zukunftsportal Antike“ auch dazugelernt: „Nofretetes Geschichte kannte ich vorher nicht. Außerdem habe ich einen ganz neuen Eindruck von meinen Schülern bekommen, weil ich gesehen habe, in welchem Maße sie hier Verantwortung übernommen haben und den Anforderungen mehr als gerecht geworden sind.“ Herausforderungen aus dem realen Arbeitsalltag im Wissenschaftsbetrieb zu meistern, war eines der Ziele des innovativen Projektes. Die Schüler haben es souverän erreicht.
Abiturienten auf die Zukunft vorbereiten
Das „Zukunftsportal Antike“ wurde von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie TOPOI initiiert und durchgeführt. Das Forschungsnetzwerk TOPOI ist der gemeinsame Exzellenzcluster von der Freien Universität und der Humboldt-Universität in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie mit weiteren Partnern.
Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft fördert das Projekt "Zukunftsportal Antike", das einen Beitrag dazu leisten soll, angehende Abiturienten auf ihre Studien- und Berufswahl vorzubereiten sowie den Schülern wissenschaftliche Arbeitstechniken zu vermitteln. Dass dies gelungen ist, wurde in der Freude der Schüler über das Erforschen und selbstorganisierte Präsentieren ihrer Themen deutlich. Isabella von Stockert vom Gymnasium Steglitz, ist überzeugt: „Die Antike ist auch für die Zukunft wichtig, das habe ich hier gelernt.“
Juliane Bartsch

