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Open Access – Wie publiziert die Wissenschaft von morgen?

Professor Michael Bongardt, Vizepräsident der Freien Universität, eröffnete die „Zukunftsgespräche Open Access 2010“

18.10.2010

Zukunfsgespräche Open Access: Prof. Dr. Michael Bongardt (links) und Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos (rechts)
Zukunfsgespräche Open Access: Prof. Dr. Michael Bongardt (links) und Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos (rechts) Bildquelle: Rubina Vock

Am 18. und 19. Oktober diskutieren Expertinnen und Experten bei den „Zukunftsgesprächen Open Access 2010“ über den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und Materialien im Internet sowie über Herausforderungen und Perspektiven des elektronischen Publizierens in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

E-Book oder klassisches Hardcover? In Wissenschaft und Forschung ist das weit mehr als nur eine Frage des guten Geschmacks. Nicht nur die rechtlichen und ökonomischen Interessen von Verlagen, Wissenschaftlern und Bildungsinstitutionen spielen eine große Rolle. Zentral ist auch die Frage, ob und wie Ergebnisse der von der Öffentlichkeit geförderten Forschung dieser Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung gestellt werden können.

Die Diskussion um das Thema Open Access – also dem freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur, zu Informationen und Wissen im Internet – glich anfangs einem Kulturkampf: Verlage und Wissenschaftler fürchteten um Qualität, Sichtbarkeit und Urheberrecht ihrer Publikationen. An der Existenzberechtigung des Open-Access-Modells zweifelt heute jedoch niemand mehr.

Im Gegenteil: Immer mehr Wissenschaftsorganisationen, Fördereinrichtungen und Universitäten orientieren sich am „Open Access-Gedanken“. Sie fordern zunehmend, dass Ergebnisse aus öffentlich finanzierten Forschungsprojekten auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Auch der Akademische Senat der Freien Universität empfiehlt in der im Juli 2008 verabschiedeten „Open-Access-Policy“ allen Universitätsangehörigen, Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Arbeiten auf Open-Access-Dokumentenservern, den sogenannten Repositories, zu archivieren oder direkt – über den „goldenen Weg“ – in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen.

Vorteile des Open Access-Publizierens

Open Access erhöhe die Sichtbarkeit und Zitationsrate wissenschaftlicher Beiträge und „fördert und erleichtert besonders die internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen – auch über Fachgrenzen hinaus, sagte Professor Michael Bongardt, Vizepräsident der Freien Universität, in seinem Grußwort. Dabei erzeuge die Möglichkeit, global und entgeltfrei auf einen breiten Fundus an Wissen zuzugreifen, die bestmögliche Informationsinfrastruktur – die Voraussetzung für erfolgreiche Forschungsarbeit.“

Herausforderungen und Potenziale

Das Publikationsmodell Open Access entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit: Waren laut „Directory for Open Access Journals“ 2009 noch 3.800 Open-Access-Fachzeitschriften verzeichnet, sind es heute bereits 5.500. Auch die Möglichkeiten des Internets und der Neuen Medien haben das elektronische Publizieren stark beeinflusst und stellen die Betreiber von Repositorien und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften vor neue Herausforderungen.

Die erfolgreiche Umsetzung des Open-Access-Gedankens macht neue Produktionsmethoden für Zeitschriften erforderlich. Mit Hilfe digitaler Technologien und Open Source Software gelingt es heute Wissenschaftlern, ganze Zeitschriften fertig zu stellen – von der Einreichung der Beiträge über den Begutachtungsprozess bis zur Online Publikation.

„Neue webbasierte Verfahren unterstützen diese Wertschöpfungskette", erklärte Professor Nicolas Apostolopoulos, Leiter des Centers für Digitale Systeme (CeDiS), dem Kompetenzzentrum für E-Learning und Multimedia der Freien Universität. CeDiS beteiligt sich mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Erstellung von Open Source-Werkzeugen zur Unterstützung des digitalen Publikationsprozesses.

Die „Zukunftsgespräche Open Access 2010“ werden von CeDiS in Zusammenarbeit mit der Humboldt Universität zu Berlin organisiert. Die zentralen Ergebnisse der Veranstaltung werden zusammengefasst und öffentlich zugänglich gemacht.