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Ausgezeichnete Shakespeare-Forscher

Absolvent der Freien Universität erhält Martin-Lehnert-Preis 2010 der Deutschen Shakespeare-Stiftung

26.07.2010

Lukas Lammers, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Englische Philologie
Lukas Lammers, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Englische Philologie Bildquelle: privat
v.l.: Die Preisträger Lukas Lammers und Kareen Klein; Andreas Höfele, Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft e.V.
v.l.: Die Preisträger Lukas Lammers und Kareen Klein; Andreas Höfele, Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft e.V. Bildquelle: Christoph Seidler

Begeistert von der Qualität der eingereichten Arbeiten für den Martin-Lehnert-Preis 2010 vergab die Jury gleich zwei erste Plätze – „und das heißt wirklich zwei volle und vollwertige erste Preise und nicht etwa zwei halbe auf einem geteilten ersten Platz“, sagte Professor Andreas Höfele, Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft. Lukas Lammers, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Englische Philologie der Freien Universität, und Kareen Klein, Doktorandin an der Universität Genf, erhielten die Auszeichnung bei den diesjährigen Shakespeare-Tagen in Bochum.

In seiner Rede zur Preisverleihung hob Höfele die interessante Wahl der Themen hervor, mit denen die Preisträger in ihren Arbeiten ein großes Feld erschlossen hätten: „Beide Arbeiten haben damit – und das ist für Studienabschlussleistungen wirklich sehr bemerkenswert – echten Forschungscharakter.“

Was kann das Theater?

Lukas Lammers untersucht in seiner Magisterarbeit mit dem Titel „World and Stage: King Richard II and the Performance of History on the Elizabethan Public Stage“ die Bedeutung der Dualität theatraler Kommunikation für die Darstellung von Geschichte im elisabethanischen Volkstheater am Beispiel von Shakespeares King Richard II.

„Gereizt hat mich die unglaubliche poetische Dichte und Selbstreflexivität des Stücks und die Frage, welche spezifischen Möglichkeiten das Medium Theater hat oder hatte, Geschichte zu 'schreiben' bzw. darzustellen“, sagt Lammers. Mit der besonderen Auseinandersetzung mit Geschichte und Geschichtsschreibung verdeutlicht er zugleich, wie sich das Historiendrama von erzählenden Geschichtswerken unterscheidet.

Lukas Lammers studierte Anglistik an der Freien Universität und an der University of Essex sowie Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2008 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Englische Philologie der Freien Universität. An Shakespeare begeistert ihn besonders „der Sprachwitz, die Multiperspektivität und Selbstreflexivität zahlreicher Stücke“.

Ein unvergleichlicher Wortschmied

Kareen Klein widmet sich in ihrer Masterarbeit „’Die Liebe hats gethan’: Edited passages of the seventeenth-century German Shakespeare adaptation Romio und Julieta“ einem Projekt zur Herausgabe und Übersetzung einer deutschen Romeo und Julia-Version aus dem frühen 17. Jahrhundert. „Edieren macht mir sehr viel Spaß, man entdeckt immer neue Sachen – es ist wie ein großes Puzzle aus lauter verschiedenen Einzelteilen“, sagt Klein.

Sie studierte in Genf und Cambridge Englisch, Spanisch und Vergleichende Literaturwissenschaft. Zurzeit arbeitet sie an ihrer Dissertation, die aus einer vollständigen Edition von Romio und Julieta und von Der Bestrafte Brudermord – eine deutsche Hamlet-Fassung aus dem 17. Jahrhundert –, samt neuer Übersetzungen ins Englische und einer ausführlichen Einleitung bestehen wird.

Die Edition richtet sich an ein englischsprachiges Publikum. „Shakespeare ist ein unvergleichlicher Wortschmied. Die Musik seiner Sprache und die Bilder faszinieren mich immer aufs Neue. Außerdem finde ich es spannend, sich mit mehreren Fassungen des gleichen Textes zu befassen und zu erforschen, wie die Unterschiede entstanden sein könnten“ erzählt Kareen Klein.

Der Martin Lehnert-Preis der Deutschen Shakespeare-Stiftung wird seit 1997 zum Gedenken an den verstorbenen Anglisten, Mediävisten und Shakespeare-Forscher verliehen. Er soll junge Wissenschaftler fördern, die sich in herausragender Weise mit Shakespeares Werk und Wirkung oder mit der Kultur der Shakespeare-Zeit und ihrer Rezeption beschäftigt haben. Ausgezeichnet werden im jährlichen Wechsel Studienabschlussarbeiten , das heißt Master-, Magister- oder Staatsexamensarbeiten, und Dissertationen.