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Wo bitte geht’s nach Kazan?

Studierende des Osteuropa-Instituts der Freien Universität auf Projektfahrt in Russland

05.07.2010

Die neue Kul-Sharif-Moschee im Kazaner Kreml
Die neue Kul-Sharif-Moschee im Kazaner Kreml Bildquelle: Osteuropa-Institut der Freien Universität
Die Exkursionsgruppe in Kazan
Die Exkursionsgruppe in Kazan Bildquelle: Osteuropa-Institut der Freien Universität

Kazan? Am Anfang des vergangenen Wintersemesters wusste wohl keiner der Studierenden so richtig, wo Kazan liegt. Auch der Hinweis, dass Kazan die Hauptstadt von Tatarstan ist, hätte nur bedingt weitergeholfen. Eine Studienfahrt in die Kapitale der autonomen erdölreichen Republik im europäischen Teil Russlands führte die Studierenden des Masterprogramms Osteuropastudien im Mai nach Kazan.

„Berlin – Kazan. Unity in Diversity?“ ist der Titel eines Projektkurses, der zurzeit am Osteuropa-Institut der Freien Universität stattfindet. Ein Projektkurs ist keine Vorlesung und kein Seminar – dementsprechend wird von den Studierenden einiges auch an praktischem Einsatz verlangt:

Die Kursteilnehmer sollen innerhalb des Rahmenthemas eigenständig Projekte entwickeln und bearbeiten. Und das Thema war diesmal Kazan. Kazan ist die Hauptstadt von Tatarstan. Und Tatarstan? Ist eine große und erdölreiche Republik im europäischen Teil Russlands, eine Republik, die sich in den 1990er Jahren um politische Eigenständigkeit bemüht und inzwischen Autonomiestatus innerhalb der Russländischen Föderation erlangt hat.

Knapp die Hälfte der Bevölkerung Tatarstans sind turksprachige Muslime. Um Osteuropa einmal jenseits des üblichen Forschungsfokus auf Moskau und St. Petersburg zu erfahren,  war Kazan als Thema des diesjährigen Projektkurses im Masterstudiengang Osteuropa festgelegt worden.

Das „Eigene“ und das „Fremde“

Die Studienfahrt gab den Studierenden die Möglichkeit, für ihre Projekte vor Ort zu recherchieren und eigenständig Feldforschungen zu betreiben. Unter dem Motto „Google Your Way Out of the Generation Gap“ führten Studierende aus Berlin und Kazan einen Internet-Workshop mit Kazaner Senioren in Tandems durch.

Die Gruppe „Futtern wie bei Muttern“ untersuchte den Zusammenhang von Esskultur und Identitätsbildung. Eine weitere Gruppe widmete sich der alternativen tatarischen Musikszene. Andere Studierende beschäftigten sich wiederum mit Identitätskonstruktionen in familiären Bezügen und durften sich zu sehr persönlichen und offenen Interviews an den  Küchentisch ihrer Gesprächspartner setzen. Schließlich fragten zwei Gruppen nach der Relevanz von Heterogenität in Wirtschaftsunternehmen beziehungsweise nach der Sichtbarkeit von Heterogenität im öffentlichen Raum.

Alle studentischen Projektgruppen beschäftigen sich mit sozialer und kultureller Vielfalt in der einen oder anderen Form. Die daraus entstehenden Mikrostudien ziehen einen expliziten oder impliziten Vergleich zwischen der jeweiligen Situation in Berlin und Kazan. So werden die Analysekategorien, mit denen das „Fremde“ untersucht wird, auch anhand des „Eigenen“ reflektiert.

Präsentation auf dem Sommerfest des Osteuropa-Instituts

Die Exkursion bot darüber hinaus einen landeskundlichen Einblick in das Leben der tatarischen Hauptstadt. Die enge Zusammenarbeit mit den Kazaner Studierenden, Lehrenden und Projektpartnern ermöglichte einen intensiven interkulturellen und wissenschaftlichen Austausch.

Ihre Projekte stellten die Berliner Studierenden vor kurzem auf der „Langen Nacht der Wissenschaften 2010“ als „work in progress“ vor; die endgültigen Ergebnisse werden auf dem Sommerfest des Osteuropa-Instituts am 9. Juli präsentiert, zu dem Interessierte herzlich eingeladen sind.