Freie Universität Berlin


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Eine Plattform für „Arbeiterkinder“

Studierende helfen Studierenden auf www.arbeiterkind.de

22.01.2010

Isabell Klingert kam im Frühjahr 2008 zu Arbeiterkind.de
Isabell Klingert kam im Frühjahr 2008 zu Arbeiterkind.de Bildquelle: Marina Kosmalla

Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien zum Studium zu ermutigen – mit dieser Idee fing alles an. Die Internet-Plattform www.arbeiterkind.de startete im Mai 2008, kurz darauf wurde die erste Mentoren-Gruppe gegründet, in der Schüler und Studierende ehrenamtlich als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Mittlerweile gibt es die lokalen Gruppen in über 70 Städten deutschlandweit. Eine Mentorin der Berliner Gruppe ist Isabell Klingert. Sie schloss vor kurzem mit einem Master of European Studies an der Freien Universität ab und unterstützt ehrenamtlich andere Studierende.

Ihre Augen strahlen vor Begeisterung, wenn Isabell Klingert über Arbeiterkind.de berichtet. Als ob sie endlich gefunden hätte, was ihr so lange fehlte. „Das größte Defizit, das wir Arbeiterkinder haben, ist meiner Ansicht nach ein Informationsdefizit. Dass wir nicht von Stipendien wissen, nicht, wo man was studieren kann, wie man sich einschreibt, wie man den Stundenplan zusammenstellt, was im ersten Semester wichtig ist und was erst im dritten. Diese Informationen, die mir damals gefehlt haben, möchte ich so weit wie möglich anderen Studierenden mitgeben, damit sie es ein bisschen einfacher haben“, erklärt die 25-Jährige, selbst Kind aus einer Arbeiterfamilie, ihren Einsatz neben dem Studium.

„Arbeiterkinder“ – dazu zählen alle, deren Eltern nicht studiert haben. Viele von ihnen haben die gleichen Probleme und Zweifel: Ein Informationsdefizit sowie Vorbehalte und Ängste. „Mit Arbeiterkind.de wollen wir informieren, Mut machen und begleiten“, erzählt Klingert, die diese Schwierigkeiten aus ihrer eigenen Geschichte kennt. Zu Arbeiterkind.de kam sie im Frühjahr 2008, als sie noch in Chemnitz studierte. Und auch nach ihrem Umzug nach Berlin ein halbes Jahr später wollte sie sich weiterhin engagieren. Sie wurde Mentorin in der Berliner Gruppe. „Ich habe gemerkt, dass das genau mein Ding ist. Bevor ich Arbeiterkind.de kennenlernte, wusste ich nicht, dass es anderen genauso geht wie mir und wunderte mich, von ihnen genau das zu hören, was ich dachte und fühlte. Man fühlt sich so klein und dumm, und es fehlen Informationen. Da musste ich einfach mithelfen“, erzählt die engagierte Mentorin.

Unterstützung in jeder Lebensphase

Klingert berät Studierende, Mentees genannt, bei verschiedenen Themen und auf unterschiedliche Weise: „Das ist eine sehr individuelle Beziehung zwischen einem Mentor und seinem Mentee. Einige mögen den persönlichen Kontakt, anderen genügt der Austausch per E-Mail. Manche brauchen einmalig Informationen, aber viele begleite ich auch über einen längeren Zeitraum.“ Mentoren gibt es in jeder Lebensphase: Unter Schülern, Studienanfängern und älteren Semestern, Graduierten, aber auch unter Berufstätigen, die beim Übergang in die Arbeitswelt hilfreiche Tipps geben. Die Mentoren-Gruppe trifft sich einmal im Monat zu einem Stammtisch, der für alle offen ist – für Helfer wie für Hilfesuchende.

Von der Idee zum überregionalen Erfolg

Was für eine gewaltige Resonanz die Initiative in knapp zwei Jahren finden würde, hat sogar Gründerin Katja Urbatsch, zurzeit Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture der Justus-Liebig-Universität Gießen, überrascht. Sie wurde unter anderem mit dem „Engagementpreis 2008“ des Vereins der ehemaligen Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung geehrt, im Wettbewerb „startsocial2008“ als eines der besten 25 Projekte ausgezeichnet und als „Ausgewählter Ort 2009“ im Rahmen des Wettbewerbs „Deutschland – Land der Ideen“ ausgewählt. Obwohl alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind, gibt es bereits in über 70 deutschen Städten und in 10 Städten außerhalb Deutschlands eine Mentoren-Gruppe. Damit Arbeiterkind.de bei der eigentlichen Zielgruppe, den Schülern, bekannter wird, gehen die Helfer auch direkt in die Schulen, um zu informieren. „Wenn sich die Schüler für ein Studium entschieden haben, haben sie den wichtigsten Schritt schon gemacht“, sagt Klingert.

Wer an der Freien Universität ist ehrenamtlich tätig?

Campus.leben will Studierende der Freien Universität vorstellen, die sich in besonderer Weise engagieren. Wer ehrenamtlich tätig ist oder jemanden kennt, der sich besonders engagiert, melde sich gerne unter campusleben@fu-berlin.de.