Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Kontinuität des Wandels

Doktoranden der Graduate School of North American Studies organisieren Nachwuchskonferenz

29.07.2009

v.l.n.r.: Prof. Winfried Fluck, Direktor der Graduate School of North American Studies, Prof. Paul S. Boyer von der University of Wisconsin-Madison und Prof. David Harvey von der City University of New York
v.l.n.r.: Prof. Winfried Fluck, Direktor der Graduate School of North American Studies, Prof. Paul S. Boyer von der University of Wisconsin-Madison und Prof. David Harvey von der City University of New York Bildquelle: Paul Benedikt Glatz

Ihre Ideen auf Konferenzen zu präsentieren, gehört für Wissenschaftler zum Beruf. Wie viel Arbeit in der Organisation einer solchen Konferenz steckt, lernen die Doktoranden der Graduate School of North American Studies der Freien Universität im Rahmen ihres Promotionsstudiengangs.

Ein halbes Jahr lang bereiteten die 14 Promovenden des zweiten Jahrgangs der Graduiertenschule eine wissenschaftliche Tagung vor. Wie sind die Graduierten das Großprojekt angegangen? „Zuallererst mussten wir uns natürlich auf ein Thema einigen“, berichtet Javad Asgharirad. Er ist aus Iran an die Freie Universität gekommen, um hier seine Dissertation zu schreiben. "Im Zusammenhang mit der Obama-Kampagne fanden wir es spannend, das Motiv der "Kontinuität des Wandels" in der amerikanischen Kultur genauer zu betrachten." Das Thema bot sich auch deshalb an, weil es aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen erforscht werden kann – schließlich haben die Mitglieder der Graduate School unterschiedliche fachliche Hintergründe. Sie untersuchen unter anderem die Geschichte, die Literatur, die Politik oder die Wirtschaft Nordamerikas.

Prinzip Arbeitsteilung

Weil sie schnell feststellten, dass sich die Organisation einer großen Konferenz nur mit guter Arbeitsteilung bewältigen lässt, teilten sich die Graduierten in Komitees auf: Eine Gruppe plante das Budget und warb Fördermittel ein, zum Beispiel von der US-Amerikanischen Botschaft und vom Alumni-Verein des John-F.-Kennedy-Instituts. Ein Team übernahm die Organisation, von den Hotelbuchungen bis hin zum Catering. Eine weitere Einheit war für inhaltliche Belange verantwortlich, erstellte also den Call for Papers und wählte unter den eingesandten Abstracts die Teilnehmer aus. Die vierte Gruppe kümmerte sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zwei Projektmanager koordinierten die Teams.

Frühmorgendliche Treffen und auch die eine oder andere Nachtschicht waren notwendig, um neben der eigenen Forschungsarbeit die gemeinsame Konferenz auf die Beine zu stellen. „Aber die Organisation dieser Tagung hat uns als Gruppe zusammengeschweißt“, sagen die Doktoranden übereinstimmend. Weil das Lernen von Projektmanagementfähigkeiten zu ihrem Promotionsstudium dazugehört, bekamen sie Credit Points für ihre Arbeit – so viele wie für ein wissenschaftliches Seminar.

Es geht los

Am 10. Juli war es soweit: Zwei Tage lang tauschten sich Nachwuchswissenschaftler über ihre Themen und Thesen aus. Professor Winfried Fluck, Direktor der Graduate School of North American Studies, eröffnete die Konferenz. Als Keynote Speaker waren der Humangeograph David Harvey und der Kulturhistoriker Paul S. Boyer zu Gast. In seinem Auftaktvortrag zeigte Boyer, dass historische Momente des Wandels – etwa der Kalte Krieg, die Terroranschläge des 11. September oder der Wahlsieg Obamas – immer in längere Perioden der Kontinuität eingebettet sind. Wandel zeichne sich also nicht notwendigerweise durch Neuheit und Innovation aus, sondern könne durchaus auf Traditionen beruhen und Altbekanntes wieder aufgreifen. Damit setzte er den Ton für die nachfolgenden Vorträge, die das Konzept des "Wandels" in den Medien, in politischer Rhetorik, in der Religion und der Literatur Nordamerikas untersuchten. Aktive und ehemalige Lehrende des John-F-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien, dem die Graduiertenschule angegliedert ist, stellten sich für verschiedene Panels als Vorsitzende zur Verfügung und brachten ihre Expertise in die abschließende Podiumsdiskussion ein.

Für den zweiten Jahrgang der Graduate School of North American Studies, die 2006 in der Exzellenzinitative des Bundes und der Länder ausgezeichnet wurde, war die Konferenz ein rundum gelungenes Projekt. "Es hat großen Spaß gemacht. Wir haben alle viel gelernt, uns ausgetauscht und Anregungen aufgenommen, die für die eigene Forschungsarbeit wichtig sind", resümiert die Doktorandin Maria Slowinska. Und fügt dann doch noch hinzu: "Die meisten von uns sind aber bestimmt froh, wenn wir das nächste Mal auf eine Konferenz fahren und einfach nur vortragen müssen."