Freie Universität Berlin


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Vom Fahrrad in den Hörsaal

Neuer weiterbildender Master-Studiengang „Gender- und Diversity-Kompetenz“ an der Freien Universität

22.01.2009

Katrin Dreier (vorne links) ist eine der neuen Studierenden des Masters "Gender und Diversity".
Katrin Dreier (vorne links) ist eine der neuen Studierenden des Masters "Gender und Diversity". Bildquelle: Sabrina Wendling

Acht Stunden am Tag strampelte sie auf ihrem Fahrrad durch Jena – ein ganzes Jahr lang. Katrin Dreier ist keine Profi-Sportlerin, sondern arbeitete als Fahrradkurierin, bevor sie sich für den weiterbildenden Master-Studiengang „Gender- und Diversity-Kompetenz“ an der Freien Universität beworben hat.

Von 1998 bis 2006 hatte sie Spanisch, Englisch und Deutsch mit Schwerpunkt Literatur in Jena studiert und mit einem Magister abgeschlossen. Anschließend ging sie für fünf Monate ins Ausland: Sie unterrichtete Kinder in einer bilingualen Schule in Mexiko auf Spanisch und Englisch, danach bereiste sie Neuseeland und Australien.

„Zurück in Deutschland, wusste ich erst mal nicht genau, wo ich mich bewerben sollte“, sagt Katrin Dreier. Schon während ihres Studiums hatte sie nebenbei als Fahrradkurierin gejobbt; das Unternehmen bot ihr an, nun Vollzeit dort zu arbeiten.

„Der Master klang total spannend“

Wenn Katrin Dreier Stellenanzeigen durchforstete, merkte sie immer, dass ihr bestimmte Qualifikationen fehlten: „Gerade in der Entwicklungszusammenarbeit, die mich sehr interessiert, braucht man Diversity-Kompetenzen“, sagt sie. Dann kam der Anruf einer Freundin, die bei einer Internetrecherche über den Master-Studiengang „Gender- und Diversity-Kompetenz“ an der Freien Universität gestolpert war. „Das habe ich mir durchgelesen und fand, das klang total spannend.“ 

Nun studiert die Philologin in einem kleinen Kreis von 25- bis 55-Jährigen, unter anderen mit Juristen und Medizinern. „Wir sind eine richtig nette Gruppe und fleißig am Netzwerken untereinander“, sagt Katrin Dreier. Eine Kommilitonin beispielsweise arbeitet bei einem Unternehmen für Entwicklungszusammenarbeit. Dort wird Katrin Dreier auch ihr Praktikum machen, das sie für den Studienabschluss benötigt.

Der Master-Studiengang wird seit dem Wintersemester 2008/09 an der Freien Universität Berlin angeboten. Daran beteiligt sind die Fachbereiche Politik- und Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft sowie die Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung.  Ziel des weiterbildenden Studiengangs ist es, Gleichstellungs-, Integrations- und Demografiebeauftragte auszubilden. Auch zu einer Beschäftigung im Personalbereich von Unternehmen oder in internationalen Organisationen will der Studiengang befähigen.

Gender, Umwelt und Entwicklung

Mittwochabends steht eine Vorlesung zu „Umwelt und Entwicklung“ auf dem Programm. Dagmar Vinz, Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt „Gender and Diversity“, hat Diplom-Politologin Katharina Schiederig eingeladen, über „Women in Development – Gender in Development“ zu referieren. Katharina Schiederig zeigt wichtige Einschnitte auf in der Entwicklungspolitik seit der Truman-Rede im Jahr 1947 bis heute. Die Studierenden diskutieren mögliche Probleme bei der Verwendung des Begriffs „Entwicklung“. Sie wollen außerdem wissen, ob und wie sich Frauen in der Entwicklung „institutionalisieren“ lassen, zum Beispiel in Weltfrauenkonferenzen oder Konventionen.

Im zweiten Teil der Vorlesung zeigt Professorin Dagmar Vinz am Beispiel der Nobelpreisträgerin aus dem Jahr 2004 Wangari Maathai und ihrem „Green Belt Movement“ wie eng ökonomische, ökologische und soziale Ziele zusammenhängen. Für Heiterkeit sorgt eine deutsche Studie, die aufzeigt, dass Männer und Frauen unterschiedlich von Umweltproblemen betroffen sind. Der Studie zufolge waschen Frauen ihre Wäsche häufiger als Männer; und Frauen nutzen häufiger öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad.

Mit letzterem zumindest kann sich Katrin Dreier identifizieren. Auch wenn sie jetzt wieder Studentin und nicht mehr Fahrradkurierin ist.

Weitere Informationen

Am Freitag, 23. Januar 2009, findet von 9 bis 18 Uhr ein öffentlicher Vortrag im Rahmen des Master-Studiengangs statt. Titel ist: „Mit Gender- und Diversity-Kompetenz in den Beruf“. Die Referenten sind unter anderem Mitarbeitende der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sowie Wissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin. Weitere Informationen unter: http://blogs.fu-berlin.de/gender_diversity/files/2009/01/flyer04_web.pdf