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Große Ideen, neu sortiert

Konrad Zuses Nachlass wird von Wissenschaftlern der Freien Universität und des Deutschen Museums München digitalisiert

30.08.2012

Nachbau der "Z1", die im Deutschen Technikmuseum Berlin steht.
Nachbau der "Z1", die im Deutschen Technikmuseum Berlin steht. Bildquelle: Julian Röder
Das Konrad-Zuse-Zentrum an der Dahlemer Takustraße.
Das Konrad-Zuse-Zentrum an der Dahlemer Takustraße. Bildquelle: Konrad-Zuse-Zentrum

Das Zeugnis war nicht besonders gut. Einige Zensuren lauteten „genügend“, in Mathematik sogar  „mangelhaft“. Eine Note, die der Schüler Konrad Zuse etwas voreilig verpasst bekam: Denn Rechnen war bald eines der besten Fächer des späteren Ingenieurs und Erfinders. Konrad Zuse, 1910 in Berlin geboren, gilt als einer der großen Rechnerpioniere. Am heutigen Donnerstag wurde der digitalisierte Nachlass vorgestellt, an dem Wissenschaftler der Freien Universität Berlin und Mitarbeiter des Archivs des Deutschen Museums in München seit zwei Jahren arbeiten. 

Die mittelmäßige Zensur in Schönschrift erwies sich als berechtigt: „Besonders ordentlich geschrieben hat Zuse nie“, sagt Wilhelm Füßl, promovierter Historiker und Leiter des Archivs des Deutschen Museums in München. Die Aufarbeitung des Nachlasses war eine wissenschaftshistorische Detektivarbeit, nicht zuletzt wegen Zuses Schrift. Raúl Rojas, Professor am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin, lernte Konrad Zuse noch persönlich kennen. 1993, am Rande eines Vortrages im Berliner Zuse-Zentrum wollte er sich von ihm die Funktionsweise der dritten und berühmtesten Rechenmaschine Z3 erklären lassen. „Zuse meinte nur: Lesen sie die Patentanmeldung!“, sagt Rojas. Zuse schickte ihm eine Fotokopie. Rojas musste sich erst in die alte Relaistechnik einlesen. Doch dann war der Groschen gefallen, und gemeinsam mit einem seiner Studenten erstellte er ein simuliertes Modell des Rechenapparates. So entstand auch die Idee, die Dokumente, Bilder, Kommentare und Texte der Publikation im Internet zu veröffentlichen – der Grundstein für das heutige Konrad-Zuse-Internet-Archiv.

Vor der Digitalisierung: Zettel und Notizen entziffern

2010 starteten Freie Universität und Deutsches Museum das gemeinsame  Digitalisierungsprojekt. Dafür sichtete und katalogisierte das Team des Deutschen Museums die rund 90.000 Seiten für die anschließende Arbeit von Historikern. Einen weiteren Teil der Sichtung, Analyse und vor allem die technische Zuordnung übernahmen Informatiker der Freien Universität.

Ordnung in den Nachlass zu bringen war nicht einfach. Denn der Erfinder pflegte seine Gedanken in Kurzschrift festzuhalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellte rund 400.000 Euro zur Verfügung, um die Notizen zumindest teilweise in Langschrift übertragen zu lassen. Außerdem hatte Zuse die Eigenart, Zettel mehrfach zu beschriften. Zahlenfolgen, in denen man vielleicht Teile einer Formel vermutete, stellten sich nachträglich als Zugverbindungen heraus. Außerdem wimmelt es in den Notizen vor Durchstreichungen.

Unterlagen stehen kostenlos online zur Verfügung

Dass die digitalisierten Dokumente auch den Entstehungsprozess der Manuskripte wiedergeben, sieht der Archivar des Deutschen Museums als großen Fortschritt. „Die neue zeitliche Zuordnung und die zum Teil revidierten Überlegungen ermöglichen einen viel besseren Einblick in die Arbeit und das Denken Konrad Zuses.“ Schon jetzt stehen wichtige Teile der Nachlassunterlagen im neuen Konrad-Zuse-Internet-Archiv kostenlos online zur Verfügung. Raúl Rojas geht es auch darum, einen wichtigen Teil des technischen Weltkulturerbes zu bewahren. Und ihrem Erfinder ein Stück weit die Anerkennung zukommen zu lassen, die ihm lange versagt geblieben war.