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Berlin als Zentrum der antiken Welt

Ein Gespräch mit dem Archäologen Professor Michael Meyer über das kürzlich gegründete Antike-Kolleg

10.06.2011

Forscher des Berliner Antike-Kollegs, der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (Mitte oben) und der Präsident der Freien Universität Berlin Peter-André Alt (2. v. l. oben) eröffnen das Berliner Antike-Kolleg am 10. Mai 2011.
Forscher des Berliner Antike-Kollegs, der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (Mitte oben) und der Präsident der Freien Universität Berlin Peter-André Alt (2. v. l. oben) eröffnen das Berliner Antike-Kolleg am 10. Mai 2011.
Prof. Dr. Michael Meyer, Stellvertretender Sprecher von Topoi für die Freie Universität Berlin und hiesiger Professor für prähistorische Archäologie
Prof. Dr. Michael Meyer, Stellvertretender Sprecher von Topoi für die Freie Universität Berlin und hiesiger Professor für prähistorische Archäologie

Im Rahmen des Exzellenzclusters Topoi beschäftigen sich Wissenschaftler der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie vier außeruniversitärer Forschungseinrichtungen mit der Erforschung von  Raumordnungen und Wissen im Altertum. Das Erfolgsmodell der fächerübergreifenden Zusammenarbeit bei Topoi soll durch eine langfristige Kooperation von Forschung und Lehre etabliert werden. Zu diesem Zweck ist das Antike-Kolleg  gegründet und am 10. Mai feierlich eröffnet worden. Campus.leben sprach mit Michael Meyer, Professor für prähistorische Archäologie an der Freien Universität, und Sprecher des Exzellenzclusters Topoi.

Im Rahmen von Topoi untersuchen Wissenschaftler „den Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Raumordnungen und Wissen im Altertum“ – was genau ist damit gemeint?

Das Thema „Raum“ beschäftigt die Kulturwissenschaften verstärkt seit den Neunzigerjahren. „Raum“ soll nicht nur geografisch oder physisch verstanden werden, sondern beispielsweise auch sozial oder sakral.  Räume – und Zwischenräume – gibt es auf allen Ebenen. Wie sich Menschen in ihnen bewegen, sagt viel über eine bestimmte Kultur und Epoche aus. Ein konkretes und naheliegendes Beispiel ist die Vermessungstechnik, die erst im Vorderen Orient von den Babyloniern entwickelt und später von den Römern weiterentwickelt wurde, um Raum einzuordnen und zu kartografieren. So entwickelte sich ein hochspezialisiertes Wissen, das den Raum seinerseits geprägt hat.

Was bietet die Graduiertenschule des Antike-Kollegs dem wissenschaftlichen Nachwuchs?

Die „Berlin Graduate School for Ancient Studies“ (BerGSAS) ist eine Graduiertenschule von enormer Größe, die die verschiedenen Aspekte des Altertums behandelt. Wir wollen den Graduierten nicht nur detailliertes Wissen, sondern auch allgemeine Fertigkeiten vermitteln, die im Studium nicht unbedingt behandelt werden. Die Doktoranden lernen praxisbezogen, bekommen eine neue Sicht auf ihren jeweiligen Untersuchungsgegenstand und erhalten vielfältige Forschungsperspektiven.  Das gilt für den restauratorischen Umgang mit Fundobjekten genauso wie für neue Methoden bei der Rekonstruierung alter Landschaften – jeweils unterrichtet von Fachleuten der Universitäten, aber auch der Partnerinstitutionen etwa aus den Berliner Museen oder dem Deutschen Archäologischen Institut.

Im Rahmen eines Forschungsportals sollen neue Methoden zur Erfassung, Auswertung und Speicherung von Daten in Forschungsprojekten erprobt werden. Wie wird dort gearbeitet?

Wir haben durch die Digitalisierung der wissenschaftlichen Arbeit ganz neue Möglichkeiten, Forschungsgegenstände zu dokumentieren. Allein bei Grabungen entsteht ja ein gigantischer Berg an Vermessungsdaten, Fotos und Ähnlichem. Und das alles in unterschiedlichen Formaten, die oft untereinander nicht austauschbar sind. Es soll also eine langfristige Strategie vor allem für Formatvorgaben erarbeitet werden.

Welchen spezifischen Anteil kann die Freie Universität zum Antike-Kolleg beisteuern?

An der Freien Universität gibt es ein breites und qualitätvolles Spektrum von archäologischen und altertumswissenschaftlichen Fächern, die Ihr Know-How und ihre Vernetzung in die Arbeit des Antike-Kollegs einbringen und eine wichtige Säule bei der Graduiertenausbildung und der Entwicklung von Forschungsprojekten sind. Umgekehrt stärkt das Antike-Kolleg die Sichtbarkeit der Forschung auch an der Freien Universität.

Welche Perspektiven sehen Sie für die Rolle Berlins als Wissenschaftsstandort für die Antike-Forschung?

Die wunderbare Situation, die wir hier haben, durch die intensive Vernetzung und das Aufeinanderzugehen, soll erhalten und weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig werden die teilnehmenden Institutionen in sich gestärkt, weil sie im interdisziplinären Dialog ihre je eigene Perspektive einbringen. Darin liegt letztendlich unsere eigentliche Stärke: dass wir all die am Antike-Kolleg beteiligten Institutionen als grundständiges Fundament haben.

Die Fragen stellte Juliane Bartsch