Freie Universität Berlin


Service-Navigation

200 Jahre Unabhängigkeit Lateinamerikas

Argentinien, Chile, Mexiko und Kolumbien feiern in diesem Jahr „Bicentenario“

16.09.2010

Seit 2009 und noch bis 2011 feiern die Länder Lateinamerikas 200 Jahre Unabhängigkeit
Seit 2009 und noch bis 2011 feiern die Länder Lateinamerikas 200 Jahre Unabhängigkeit Bildquelle: morgueFILE

Lateinamerika erkämpfte sich vor rund 200 Jahren seine Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten Spanien, Portugal und Frankreich – ein Ereignis, das als Bicentenario ausgiebig gewürdigt und gefeiert wird.

Von der Sklavenrevolution von Haiti über die langwierigen Unabhängigkeitskriege im spanischen Amerika bis hin zur unblutigen Emanzipation Brasiliens spannte sich vor 200 Jahren ein Bogen der Ereignisse, der im Einzelnen große Unterschiede aufwies, aber doch auch in einem größeren Zusammenhang stand. Stärker noch als während der Kolonialzeit war die Geschichte Lateinamerikas mit den Entwicklungen im atlantischen Raum, mit der US-amerikanischen und der Französischen Revolution verflochten.

Die Staatsgründungen, die sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinzogen, wurden zwar durch den antikolonialen Widerstand geeint. Durch die Ausgrenzung breiter sozialer und ethnischer Gruppen, den Aufstieg des Caudillismus und die Ausbildung einer „Guerrilla“ zeichneten sich aber bereits Probleme ab, die Lateinamerika zum Teil bis heute prägen. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs neuer indigener Bewegungen, zum Beispiel in Bolivien, und der Wiederentdeckung des Bolivarismus im Venezuela des Hugo Chávez gewinnt diese dramatische Epoche neue Bedeutung und politische Aufmerksamkeit.

Themen der Gegenwart und Zukunft: Demokratie und soziale Gerechtigkeit

Als Simón Bolívar 1830 auf den Unabhängigkeitskampf zurückblickte, nannte er die Herstellung von Stabilität und Legitimität der politischen Ordnung in multikulturellen Gesellschaften als zentrale Probleme Lateinamerikas. Heute anlässlich der zweihundertjährigen Jubiläen der Unabhängigkeiten stehen Fragen nach der Ausgestaltung der Demokratie in Lateinamerika erneut im Mittelpunkt. In vielen Ländern gilt der Bicentenario als Bezugspunkt für die Neuausrichtung der Zukunftsprojekte der Nation und für die Schaffung von sozialer Gerechtigkeit. Auch dort, wo die offiziellen Jubiläen erst später begangen werden, haben die Diskussionen darüber längst begonnen. Beeinträchtigt durch das koloniale Erbe und eine problematische Ausgangslage zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben die lateinamerikanischen Staaten seit rund 200 Jahren in langen Kämpfen Antworten auf die Frage gesucht, wie das Versprechen der Revolution eingelöst werden kann.

Weitere Informationen

Der Autor ist seit 2005 Professor für die Geschichte Lateinamerikas an der Freien Universität. Sein Buch „Revolutionen in Lateinamerika - Wege in die Unabhängigkeit 1760 - 1830" ist gerade bei C. H. Beck erschienen.

Das Lateinamerika-Institut der Freien Universität wird gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum unter Beteiligung zahlreicher Experten aus Lateinamerika und Europa diese Fragen im Rahmen einer Tagung aufgreifen, die vom 9. bis 11. Dezember 2010 im Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, stattfinden wird.