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Kristina Jenett-Siems erforscht am Institut für Pharmazie der Freien Universität die Wirksamkeit exotischer Arzneipflanzen

04.06.2009

Pharmazeutin Kristina Jenett-Siems untersucht die chinesische Heilpflanze „Cynomorium songaricum“ auf ihre Struktur und Wirksamkeit.
Pharmazeutin Kristina Jenett-Siems untersucht die chinesische Heilpflanze „Cynomorium songaricum“ auf ihre Struktur und Wirksamkeit. Bildquelle: Sabrina Wendling
Forschungsobjekt: Der Malteserschwamm, lat. Cynomorium coccineum (rechts)
Forschungsobjekt: Der Malteserschwamm, lat. Cynomorium coccineum (rechts) Bildquelle: Wikipedia

Mit einem Teelöffel schöpft Kristina Jenett-Siems rotbraunes Pulver aus einer Plastiktüte und gibt es in einen gläsernen Messbecher. Was zunächst wie eine Zimt-Zucker-Mischung für ein Backrezept aussieht, ist die chinesische Heilpflanze „Cynomorium songaricum“ – ein ursprünglich pflanzlicher Parasit, in Scheiben geschnitten und in einer Mühle zerkleinert. Die 42-jährige Pharmazeutin und Privatdozentin untersucht Arzneipflanzen zur Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und erforscht außerdem natürliche Arznei gegen Malaria.

„In Deutschland haben traditionelle Heilmittel einen ausgesprochen hohen Stellenwert“, sagt die Pharmazeutin. Einige Arzneipflanzen, wie etwa Johanniskraut, wachsen direkt auf der Wiese, aber auch chemischen Arzneipräparaten liegen häufig natürliche Inhaltsstoffe zugrunde – zu etwa einem Drittel sind moderne Arzneimittel pflanzlicher Herkunft oder werden nach dem Vorbild pflanzlicher Inhaltsstoffe hergestellt. Heimische Arzneipflanzen sind in Deutschland weitestgehend erforscht. Die Pharmazeutische Biologie am Institut für Pharmazie der Freien Universität widmet sich deshalb besonders exotischen Heilmitteln aus aller Welt.

Aus der Erde in die Tüte

Die Pflanzen in ihrem natürlichen Zustand bekommt Kristina Jenett-Siems nur selten zu Gesicht: Die chinesische Pflanze „Cynomorium songaricum“ in Pulverform brachte beispielsweise eine Gastwissenschaftlerin mit an die Freie Universität. Die Arzneigewächse werden nicht blühend im Tontopf untersucht, sondern nur in Form von Samen oder Pulver. In Plastiktüten verpackt werden die nunmehr unkenntlichen Pflanzen von weit entfernten Forschungsorten schon einmal einige tausend Meilen per Luftpost an den heimischen Schreibtisch geschickt. Dort bearbeiten sie die Wissenschaftler mit Lösemitteln, so dass am Ende nur noch ein Pflanzenextrakt übrig bleibt.

Für ihre Habilitation an der Freien Universität reiste Kristina Jenett-Siems nach Panama und Zimbabwe, um die Wirksamkeit pflanzlicher Stoffe gegen Malaria zu testen. Dazu brachte sie rund 50 Pflanzen aus Afrika und Zentralamerika mit, von denen sie zehn in die engere Auswahl nahm: „Ich habe vor allem solche Pflanzen untersucht, die in der traditionellen Medizin von Indios zur Behandlung von Malaria eingesetzt werden“, sagt sie. Das Ergebnis ihrer Untersuchung war zunächst etwas enttäuschend, denn die rein pflanzlichen Substanzen schienen  nur eingeschränkt wirksam.

Pflanzen-Puzzle in graphischer Form

Aus einer Pflanze wie etwa dem „Cynomorium songaricum“ kann die Wissenschaftlerin bis zu 20 Inhaltsstoffe herausfiltern und differenzieren. Die einzelnen Bestandteile der Moleküle trägt sie in einem Graphen auf und interpretiert dann Strukturen und Wirksamkeiten. „Wenn die Forschungsergebnisse positiv ausfallen,  ist es zumindest theoretisch denkbar, dass die pflanzlichen Inhaltsstoffe in ein Medikament aufgenommen werden.“

Mit Pflanzen und Stoffen zu hantieren, die bislang den meisten Menschen unbekannt sind, macht für Kristina Jenett-Siems den größten Reiz ihrer Arbeit aus. „Es ist richtig spannend sich zusammen zu puzzlen, welche Inhaltsstoffe eine Pflanze hat, ihre Wirksamkeiten herauszufinden und dann diese Erkenntnisse zurückzumelden an andere Wissenschaftler und die Arzneimittelindustrie.“