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Tierklinik behandelt vergiftete Seeadler

Tagung mit Experten aus Japan, den USA und Deutschland beschäftigt sich mit Bleivergiftung bei Seeadlern

24.03.2009

Der Seeadler: König der Lüfte
Der Seeadler: König der Lüfte Bildquelle: Dr. Oliver Krone / seeadlerforschung.de

Der Seeadler ist der größte Greifvogel Mitteleuropas. Die Flügelspannweite eines Weibchens kann bis zu 2,4 Meter betragen. Obwohl Seeadler als „Könige der Lüfte“ gelten und keine natürlichen Feinde haben, sind sie gefährdet – wie auch andere Greifvögel.

Die rund 500 in Deutschland lebenden Seeadlerpaare ernähren sich überwiegend von Fischen, Wasservögeln und Tierkadavern. Dabei sind sie der Gefahr ausgesetzt, Bleireste aufzunehmen. Diese stammen aus Bleimunition, die von Jägern verwendet wird. Das Blei wirkt als Nervengift. Einer solchen Vergiftung erlagen erst kürzlich ein Berliner Seeadlerweibchen und ein Brandenburger Männchen. Seit September 2008 wurden 11 Seeadler mit einer Bleivergiftung in die Tierklinik der Freien Universität eingeliefert, neun von ihnen konnten nicht mehr gerettet werden.

Dialog mit gesellschaftlichen Akteuren

Die Forschungsstelle für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin beschäftigt sich seit Anfang Juni 2006 in einem Projekt mit „Bleivergiftungen bei Seeadlern: Kommunikation von Forschungsergebnissen als Grundlage für gesellschaftliche Meinungsbildung“. Hierbei handelt es sich um ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziertes Kooperationsprojekt mit dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Nach fast dreijähriger Arbeit sollen am 16. April 2009 bei einer Tagung mit dem Titel „Bleivergiftungen bei Seeadlern – Ursachen und Lösungsansätze“ die wissenschaftlichen Ergebnisse präsentiert werden. Im Rahmen des auf einen Dialog mit gesellschaftlichen Akteuren abzielenden Projekts moderierten die Verantwortlichen beispielsweise Fachgespräche von Vertretern der Jägerschaft, Waldbesitzerverbänden, der Munitionsindustrie, von Verbänden des Umwelt- und Vogelschutzes sowie staatlicher Stellen auf Bundes- bzw. Landesebene. Das Hauptaugenmerk des Forschungsprojekts liegt auf der Vermittlung von Informationen über Bleivergiftungen bei Seeadlern und dem Versuch, Lösungen mit allen Beteiligten zu finden. Das Projekt bietet eine wissenschaftliche Plattform, mit deren Hilfe die verantwortlichen gesellschaftlichen Gruppen eigene Lösungsvorschläge jenseits gesetzlicher Regelungen entwickeln können, wie etwa freiwillige Vereinbarungen zum Verzicht von Bleimunition.

Lösungsansätze in Japan und den USA

Die Tagung „Bleivergiftungen bei Seeadlern – Ursachen und Lösungsansätze“ versammelt am 16. April 2009 im Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft (Ihnenstraße 16-20, 14195) von 9 bis 17 Uhr Experten aus Japan, den USA und Deutschland. Themen sind die Toxizität von Blei und alternativen Metallen, Ergebnisse einer Befragung der deutschen Jägerschaft zur Bleivergiftung bei Greifvögeln sowie mögliche Ansätze wie Verbote von Bleimunition in den USA und Japan. Die Teilnahmegebühr beträgt 35 Euro. Interessierte Besucher können sich unter http://www.bayceer.uni-bayreuth.de/bleitagung2009 anmelden.