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Mit Wilhelm von Humboldt Hieroglyphen entziffern

Markus Meßling hat für seine Promotion "Pariser Orientlektüren" den Tiburtius-Preis erhalten

15.12.2008

Prof. Dr. Kurt Kutzler, Präsident der Technischen Universität Berlin (links) und Dr. Markus Meßling von der Freien Universität, der für seine Promotion "Pariser Orientlektüren" den Tiburtius-Preis erhalten hat
Prof. Dr. Kurt Kutzler, Präsident der Technischen Universität Berlin (links) und Dr. Markus Meßling von der Freien Universität, der für seine Promotion "Pariser Orientlektüren" den Tiburtius-Preis erhalten hat Bildquelle: Ulrich Dahl

Es sind die Jahre zwischen 1824 und 1827, in die Markus Meßling seine Leser führt: Der Berliner Gelehrte Wilhelm von Humboldt steht im engen Briefwechsel mit dem französischen Ägyptologen Jean-François Champollion. Im schriftlichen Austausch entwickelt Humboldt seine Sprachtheorie und wird durch die Auseinandersetzung mit Champollion zum Begründer der deutschen Ägyptologie.

Die Erstedition des Briefwechsels zwischen Humboldt und Champollion durch Markus Meßling ist Teil seiner Doktorarbeit "Pariser Orientlektüren. Zur Rezeption französischer Orientphilologien in Wilhelm von Humboldts Theorie der Schrift", für die der Romanist und Germanist gerade mit dem Tiburtius-Preis ausgezeichnet worden ist.

Meßlings Arbeit sei eine Studie, "die sich in jeder Hinsicht spannend liest", urteilte Professorin Michèle Mattusch von der Humboldt-Universität zu Berlin in ihrer Laudatio: "So verortet Markus Meßling Humboldts Theorie der Schrift vor dem Hintergrund der Foucault'schen Episteme des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert und zeigt auf, wie sich Humboldts Sprachdenken als textbasiertes Schriftdenken von historisch-vergleichenden positivistischen Ansätzen zu lösen vermag. Gleichzeitig sucht er diesen Umbruch vor der Folie von Gegenwartstheorien zu sichten. Ihre Eckpfeiler bilden die Grammatologie Jacques Derridas und die kritische, von Edward W. Said in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts initiierte Orientalismus-Debatte. Dies verleiht der Arbeit ihre besondere Komplexität und ihre fachübergreifende Dimension, gibt ihr ihre enorme wissenschaftstheoretische Reichweite und hochaktuelle gesellschaftliche Brisanz."

Profunde Sachkenntnis, interpretatorische Finesse, hoher Grad theoretischer Reflexion

Jürgen Trabant, Professor für Romanistik und Erstbetreuer der Promotion, hob hervor: "Profunde Sachkenntnis, interpretatorische Finesse und ein hoher Grad theoretischer Reflexion verbinden sich in einem wunderbar komponierten und schön geschriebenen herausragenden Werk."

Markus Meßling hat an der Freien Universität Berlin und in Lyon studiert. Zurzeit hält sich der 33-Jährige mit einem Forschungsstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Fondation Maison des Sciences de l'Homme an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris auf. Der Tiburtius-Preis, der von der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Berliner Hochschulen verliehen wird, zeichnet hervorragende Dissertationen und Abschlussarbeiten aus. Insgesamt wurden drei Diplomarbeiten von Absolventen Berliner Fachhochschulen und drei Dissertationen von Absolventen der Berliner Universitäten ausgezeichnet, sowie drei Dissertationen mit einem Anerkennungspreis gewürdigt.