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Auf Safari im Start-up-Dschungel

In einem Weiterbildungsprogramm lernten Fach- und Führungskräfte die Arbeitsweise von Gründern kennen

23.05.2016

Mag manchem wie ein Dschungel vorkommen: die Gründer-Szene. Wie man sich nicht in ihrem Dickicht verliert, lernten jetzt Führungskräfte der Deutschen Bahn während der sogenannten Start-up Safari bei erfolgreichen Gründerinnen und Gründern.
Mag manchem wie ein Dschungel vorkommen: die Gründer-Szene. Wie man sich nicht in ihrem Dickicht verliert, lernten jetzt Führungskräfte der Deutschen Bahn während der sogenannten Start-up Safari bei erfolgreichen Gründerinnen und Gründern. Bildquelle: Von Diliff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Zum Ausklang der Start-up Safari diskutierten Start-ups und DB-Mitarbeiter gemeinsam über das Ergebnis.
Zum Ausklang der Start-up Safari diskutierten Start-ups und DB-Mitarbeiter gemeinsam über das Ergebnis. Bildquelle: Deutsche Bahn AG
Annika Tüngerthal, Gründerin der „Erdforscher“, würde jederzeit wieder mitmachen.
Annika Tüngerthal, Gründerin der „Erdforscher“, würde jederzeit wieder mitmachen. Bildquelle: Max Threlfall
Für Marc Sperling, Gründer und Geschäftsführer von Traxas Media, hat die Start-up Safari „super gepasst“.
Für Marc Sperling, Gründer und Geschäftsführer von Traxas Media, hat die Start-up Safari „super gepasst“. Bildquelle: Bernhard Ludewig

Auch Menschen, die nicht mehr studieren, sondern schon länger berufstätig sind, können auf dem Campus der Freien Universität etwas lernen. Sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG haben sich dazu zwar nicht in den Hörsaal gesetzt, aber einige Tage bei Ausgründungen der Freien Universität hospitiert. „Start-up Safari“ heißt das Weiterbildungsprogramm, das die Deutsche Bahn AG zusammen mit Profund Innovation, der Service-Einrichtung für Wissens- und Technologietransfer der Abteilung Forschung der Freien Universität, kürzlich organisiert hat.

„Innovative Ideen sind die Quelle unternehmerischen Erfolgs“, sagt Heidi Wegner, Organisatorin der Safari auf Seiten der Bahn. „Da liegt es nahe, sich an den Methoden erfolgreicher Start-ups zu orientieren.“ Bevor es in die freie Wildbahn ging, machten sich die Fach- und Führungskräfte der Bahn zunächst theoretisch mit der Arbeitsweise von Gründern vertraut.

In einem Workshop lernten sie Methoden wie das „Business Model Canvas“ oder „Value Proposition Canvas“ kennen, mit denen im Start-up-Dschungel gern mal an einem Nachmittag ein neues Geschäftsmodell entwickelt wird. Bei der Zuordnung der DB-Teilnehmer zu den Start-ups wurde besonders auf die fachliche Expertise geachtet, um einen Wissenstransfer in beide Richtungen erzielen zu können.

Produktpräsentation auf den Kopf gestellt

Marc Sperling, Gründer und Geschäftsführer von Traxas Media, hatte sich einen Partner aus den Bereichen Marketing und Verkauf gewünscht - und bekommen. Gleich zwei DB-Mitarbeiter waren als Verstärkung gekommen – mit dem beruflichen Fokus Marketing- und Vertriebsberatung und viel Erfahrung. „Das hat super gepasst“, sagt Marc Sperling. „Wir programmieren Werbung, die auf großen Screens läuft und interaktiv auf Passanten reagiert“, erklärt der Gründer. Mit Bewegungen, etwa durch Winken, können die Zuschauer den Werbeinhalt in Echtzeit beeinflussen.

Bei einem Pilotprojekt in einem Elektronikmarkt war die Installation von Traxas so erfolgreich, dass die Geschäftsführung eines großen deutschen Elektronikhändlers das Team kurzfristig um eine Produktpräsentation gebeten hatte. Der Anruf kam am Tag vor der Start-up Safari. „Mit den Gästen haben wir dann unsere Präsentation auf den Kopf gestellt und neu zusammengesetzt.

Ihr professioneller Blick von außen hat uns ein großes Stück weiter gebracht“, sagt Marc Sperling. Wie offen und spontan es dabei zuging, habe die Bahn-Kollegen überrascht: „Unsere Entscheidungen muss kein Abteilungsleiter absegnen. Wir machen einfach, was wir wollen.“

„Da muss man sich einarbeiten“

Auch Anika Tüngerthal hat Nägel mit Köpfen gemacht. Die Gründerin der „Erdforscher UG“, eines Edutainment-Mitmachlabors für Kinder, wollte zusammen mit ihrem Gast die Organisationsentwicklung vorantreiben. Wie bei wachsenden Start-ups häufig der Fall, , kann die Geologin die Administration mittlerweile nicht mehr allein bewältigen: Sie hat einen zweiten Geschäftsführer eingestellt und eine gemeinnützige Tochterfirma gegründet.

Da kam Tina Brandt wie gerufen. Sie arbeitet in der Personalabteilung der Bahn und half den Erdforschern, Aufgaben neu zu verteilen und eine Bildungsreise für das gesamte Team zu organisieren. Für Controlling und Liquiditätsplanung – derzeit die zweite Baustelle der Ausgründung – war die Personalerin zwar keine Expertin, aber genau das sei ja typisch für den Gründeralltag, meint Anika Tüngerthal: „Da muss man sich einarbeiten – oder das richtige Netzwerk haben.“

Auch das hat gepasst: Der Ehemann von Tina Brandt hat selbst schon in einem Start-up gearbeitet und konnte Tipps geben. Tüngerthals Fazit: „Die Safari würde ich jederzeit wieder mitmachen.“ Und auch Heidi Wegner hat positives Feedback von ihren Kollegen bekommen: „Sie wurden sehr offen aufgenommen und haben neue Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel mit dem „Hast-du-nicht-Lust…?“-Prinzip: Jeder nimmt sich die Aufgabe, an der er Spaß hat. Bedingung ist aber, dass jede Arbeit auf den Kunden ausgerichtet ist, denn alles andere ist in einem Start-up überflüssig!“

Auch die Gründer haben neue Erkenntnisse mitgenommen, wie Heidi Wegner in der Abschlussbesprechung erfahren hat: „Zum Beispiel, dass Prozesskultur den Tagesablauf vereinfacht! Und sie waren erstaunt, dass auch in Großunternehmen Menschen arbeiten, die pragmatisch anpacken können.“