Interdisziplinäre Ringvorlesungen für die breite Öffentlichkeit

Seit über zwei Jahrzehnten bietet die Freie Universität mit ihren öffentlichen Vorlesungen einem breiten Publikum die Möglichkeit, teilzuhaben an wissenschaftlich fundierten Analysen aktueller Probleme, allgemein verständlich dargebotenen neuen Forschungsergebnissen aus allen Wissenschaftsgebieten und aus Dialogen, Diskussionen und Gesprächen über Wissenschaft, Gesellschaft, Natur und Technik.

Die Freie Universität Berlin präsentiert sich damit als Hochschule, die für alle offen ist, die an Wissenschaft interessiert sind. Wir möchten Ihnen zeigen, woran wir arbeiten, Ergebnisse öffentlich machen und Orientierungen zu den komplexen Fragen unserer Zeit bieten.

Seien Sie herzlich eingeladen, an diesen anregenden und vielfältigen Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von Rang ihre Ergebnisse und Analysen präsentieren.

Im Sommersemester 2017 werden im Rahmen des Offenen Hörsaals die folgenden vier öffentlichen Vortragsreihen angeboten:

Studentenbewegung - 50 Jahre danach

Eine Veranstaltung des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft

  • Konzeption: Dr. Knut Nevermann
  • Jeden Dienstag, 16.15 - 17.45 Uhr; Beginn: 11.04.2017
  • Veranstaltungsort: Gebäudekomplex Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 1a, 14195 Berlin
    (Dahlem-Dorf oder Thielplatz; 110, M 11, X 11)
  • Kontakt: Prof. Dr. Knut Nevermann, E-Mail: knut.nevermann@gmx.de
  • Zur Website des Otto-Suhr-Instituts

Die Studentenbewegung 1966 - 1968 war ein Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik. Demokratisierung und Politisierung waren ihre Parolen, wissenschaftliches Hinterfragen, theorieerfülltes Argumentieren und antiautoritäres  Agieren ihre Kennzeichen. Bei den Beteiligten herrschte das Gefühl, die Demokratie in Deutschland und das politische  Denken neu zu begründen, diesmal von unten. Welches waren die Themen und Motive, die damals eine Rolle spielten?  Was von dem, das damals kritisiert und gefordert wurde, ist auch heute noch plausibel? Was ist aus heutiger Sicht obsolet oder falsch? Welche Wirkungen lassen sich mittel- und längerfristig feststellen: auf die Beteiligten, auf die Hochschule, auf die wissenschaftlichen Fächer, auf die Öffentlichkeit, auf die Parteien und Verbände, auf Staat und Gesellschaft insgesamt? Welches waren und sind – mit dem Blick nach 50 Jahren – positive Effekte, welches negative? Vielfalt kennzeichnet nicht nur die Studentenbewegung, sondern auch ihre historische Interpretation.

Termine

Transforming Our World: Nachhaltigkeit an der Freien Universität Berlin

Eine Veranstaltung der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie sowie des Forschungszentrums für Umweltpolitik am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften

  • Konzeption: Andreas Wanke, Dr.-Ing. Julia Kaazke, Prof. Dr. Philipp Lepenies
  • Jeden Dienstag, 18.15 - 19.45 Uhr, Beginn: 18.04.2017
  • Veranstaltungsort: Seminarzentrum, Otto-von-Simson-Str. 26, 14195 Berlin, Raum L116 (auch erreichbar über: Gebäudekomplex Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin)
    U3 Dahlem-Dorf oder Freie Universität (Thielplatz); Bus 110, M11, X83
    Ausnahme: Am 27.06.2017 findet die Veranstaltung im Großen Hörsaal im Botanischen Museum, Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin, statt (Bus X83, 101)
  • Kontakt: Dr.- Ing. Julia Kaazke (Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie), E-Mail: julia.kaazke@fu-berlin.de, Telefon: +49 30 838 612 35
  • Zur Website der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Fokus wissenschaftlicher und institutioneller Praxis

Im Mittelpunkt der im September 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung stehen 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Diese sind nicht nur die Grundlage der künftigen  internationalen Nachhaltigkeitspolitik, sondern prägen zunehmend auch den wissenschaftlichen Diskurs um das Ob und Wie entsprechender Transformationsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Universitäten tragen als Kern des Wissenschafts- und Bildungssystems eine besondere Verantwortung bei der Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung. Zum einen leisten sie mit der Generierung neuen Wissens einen Beitrag zum besseren Verständnis und zur Lösung der globalen Probleme. Zum anderen ist es ihre Aufgabe, den künftigen Generationen nicht nur das Fachwissen über  Problemursachen und Lösungsmöglichkeiten, sondern auch die notwendigen sozialen und methodischen Fähigkeiten zur Lösung der Probleme zu vermitteln. Darüber hinaus können Universitäten Vorbild sein, wenn siein ihrem eigenen  institutionellen Verantwortungsbereich – beispielsweise mit ihren betrieblichen Aktivitäten auf dem Universitäts-Campus, hinsichtlich der Gestaltung des Wissenstransfers, ihrer Partizipationsstrategie oder ihres Gesundheitsmanagements – zeigen, dass die von ihnen entwickelten wissenschaftlichen Konzepte und Lösungsvorschläge auch praktikabel sind.

Wie spiegelt sich die wissenschaftliche und institutionelle Auseinandersetzung mit den SDGs an der Freien Universität  Berlin wider? Welche Beiträge leistet die Freie Universität Berlin in Forschung, Lehre und ihrem eigenen institutionellen Verantwortungsbereich? Wie sehen die unterschiedlichen disziplinären Antworten auf die drängendsten globalen Probleme aus? Lassen sich aus disziplinären Blickwinkeln auch Antworten darauf finden, welcher Veränderungsbedarf sich für das  Wissenschaftssystem und damit auch für Universitäten ergibt?

Diesen Fragen widmet sich die Ringvorlesung. Dabei wird es auch darum gehen, die Relevanz inter- und transdisziplinärer  Forschung und Lehre sowie deren Perspektiven an der Freien Universität Berlin auszuleuchten. Den Abschluss der Ringvorlesung bildet eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung des Präsidenten der Freien Universität Berlin Prof. Dr. Peter-André Alt. Die Podiumsdiskussion beschäftigt sich mit der Rolle von Universitäten im Nachhaltigkeitskontext sowie insbesondere den Chancen und Perspektiven einer stärkeren Verankerung nachhaltigkeitsorientierter Forschung und Lehre an der Freien Universität.

Termine

Funktionsweisen von Satire aus deutscher und französischer Perspektive

Eine Veranstaltung des Frankreichzentrums der Freien Universität Berlin

  • Konzeption: Prof. Dr. Ulrike Schneider, Prof. Dr. Uwe Puschner
  • Jeden Mittwoch, 18.15 - 19.45 Uhr; Beginn: 26.04.2017
  • Veranstaltungsort: Gebäude Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 2, 14195 Berlin
    Dahlem-Dorf oder Freie Universität (Thielplatz); Bus 110, M11, X83
  • Kontakt:
    Prof. Dr. Ulrike Schneider, E-Mail: ulrike.schneider@fu-berlin.de, Telefon: 030 - 838 557 60
    Prof. Dr. Uwe Puschner, E-Mail: uwe.puschner@fu-berlin.de, Telefon: 030 - 838 545 28
    Marie Jacquier, E-Mail: marie.jacquier@fu-berlin.de
  • Zur Website des Frankreich-Zentrums

Satire ist eine prekäre Gattung bzw. Schreib- und Darstellungsweise, die nicht nur dezidiert Realitätsbezüge aufweist, sondern auch ganz konkrete lebensweltliche Konsequenzen haben kann. Dies hat sich in jüngerer Zeit erst vielfach wieder erwiesen, in Frankreich wie auch in Deutschland. In diesem Zusammenhang wurde einmal mehr deutlich,dass das jeweilige Konzept der Satire stark kulturell geprägt und gerade auch als literarisches und künstlerisches Phänomen in je spezifischen Traditionslinien verankert ist. So hat die Satire in Frankreich eine eindeutig andere Tradition und einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft als etwa in Deutschland. Will man die jeweils spezifischen Funktionsweisen der Satire, aber auch ihre kulturell verankerte Brisanz und Wirkmacht adäquat einordnen, sind diese Traditionen zu berücksichtigen und transparent zu machen.

Die Ringvorlesung, die vom Frankreichzentrum an der Freien Universität durchgeführt wird, widmet sich dem Phänomen der Satire aus interdisziplinärer Sicht und nimmt aktuelle Ereignisse (nur) zum Anlass, grundlegend über Funktionsweisen von  Satire nachzudenken. Sie setzt dabei den Fokus auf eine vergleichende deutsch-französische Perspektive und historisch  auf die Entwicklungen seit dem 18. Jahrhundert, dem europäischen Zeitalter der Aufklärung. Dabei soll es um  systematische Fragen ebenso gehen wie um Fragen der Rezeption, der länderspezifischen Rechtslagen oder auch der  medialen bzw. gattungsbedingten Differenzen und Spezifika. Konkrete historische und aktuelle Fallbeispiele illustrieren zudem die Komplexität und Brisanz von Satire als kultureller Praxis, auch über Deutschland und Frankreich hinaus.

Termine

Destructing Gender? Ovid und die Frauen

Eine Veranstaltung des Instituts für Romanische Philologie und des Instituts für Griechische und Lateinische Philologie

  • Konzeption: Prof. Dr. Melanie Möller
  • Jeden Donnerstag, 16.15 - 17.45 Uhr; Beginn: 20.04.2017
  • Veranstaltungsort: Gebäudekomplex Habelschwerdter Allee 45, Raum J 32/102, 14195 Berlin
    Dahlem-Dorf oder Freie Universität (Thielplatz); Bus 110, M11, X83
  • Kontakt: Prof. Dr. Melanie Möller, E-Mail: mmoeller@zedat.fu-berlin.de, Telefon: +49 30 838 719 55 / +49 30 838 726 83
  • Zur Webseite der Klassischen Latinistik

Die Vorlesung soll einen integralen Bestandteil der für 2017 anberaumten Bimillenniums-Feierlichkeiten bilden. Es liegt nun gut 2000 Jahre zurück, dass Ovid von der Bildfläche verschwunden ist. Seit über 2000 Jahren zieht er uns in seinen unwiderstehlichen Bann, prägt das Geschehen in Literatur und Kunst – Anlass genug, sein Werk unter die Lupe zu nehmen und nach seiner konkreten Bedeutung für die Geistes- und Ästhetikgeschichte Europas zu fragen. Die  Ringvorlesung soll sich einem bisher wenig diskutierten Feld der Ovidischen Dichtung widmen: den Rollenbildern und -klischees, die insbesondere um die im Werk verhandelten weiblichen Gestalten kreisen. Die vielfältigen und facettenreichen Perspektiven auf Frauenfiguren und die Transformationen von Grenzen (nicht nur, aber vor allem generischer) sollen in der Ringvorlesung interdisziplinär ausgelotet und gelesen werden. Ein weiterer Fokus soll dabei auf die Rezeption gelegt werden: Wie hat Ovids „gender (de)construction“ prominente Frauen-Figuren geprägt und ihre  Rezeption – bis heute – gesteuert? Die Adaptionen der überkommenen mythischen Stoffe, wie er sie in seinem wohl  berühmtesten Werk, den Metamorphosen, präsentiert, spielen dabei die zentrale Rolle.

Aufschlussreich für die Frage von Geschlechterdifferenz und die Rolle von Frauen sind nicht zuletzt auch die dezidiert  erotischen Themen gewidmeten Werke Ovids: die Amores, die Remedia amoris und die Ars amatoria. Ein Blick auf die „Heroinenbriefe“ (Heroides), in denen von ihren Geliebten verlassene Heldinnen eine Stimme erhalten, sowie auf die Exildichtung soll die Vorlesungsreihe abrunden. Hier wird jeweils eine spezifische Beziehung zu Sprache und Wortmacht  entfaltet, und diese gilt es in Bezug auf Geschlechterfragen zu analysieren.

Die geplanten Veranstaltungen werden nicht nur nationale und internationale Ovid-Kenner, sondern auch interessierte Laien an der Freien Universität zusammenführen. Es wird sich also um eine Überblicksvorlesung über zentrale Motive der Ovidischen Poesie handeln, die für Studierende der beiden geisteswissenschaftlichen Fachbereiche ebenso geeignet ist wie für die interessierte Öffentlichkeit.

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