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Warum nadelt eine Blautanne nicht so schnell

Leser fragen, Experten antworten

Rita Schulz aus Steglitz hat folgende Frage zu einem ganz aktuellen Thema: Warum nadelt eine Blautanne als Weihnachtsbaum im Zimmer nicht so schnell wie eine Fichte? Es antwortet Gesche Hohlstein, Diplom-Biologin am Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem.

Um diese Frage zu beantworten, muss ersteinmal geklärt werden, welche Nadelbäume hier verglichen werden. Fällt der Name Blautanne im Weihnachtsbaum-Verkauf, so handelt es sich meistens nicht um eine Tanne, sondern um die falsche deutsche Benennung für eine Fichte. Diese im Südwesten der USA heimische Stechfichte oder Blaufichte Picea pungens ähnelt in ihrer Erscheinung nur einer echten Blautanne. Die echte Blautanne ist eine bläulich benadelte Zuchtform der aus Nordamerika stammenden Edeltanne Abies procera, die allerdings selten in den Weihnachtsbaum-Handel kommt.

Dort dominiert die ursprünglich im Kaukasus heimische Nordmanntanne, Abies nordmanniana. Aufgrund des moderateren Preises wird anstelle einer Tanne gern eine Fichte als Weihnachtsbaumgekauft, allerdings erfolgt der Abwurf der Nadeln bei einer Fichte im Allgemeinen schneller. Der Nadelabwurf ist primär eine Antwort auf Trockenstress, dem die Bäume in der warmen trockenen Luft der Wohnung ausgesetzt sind.Sie verdunsten über die Nadeln sehr viel Wasser und leiden unter Wassermangel.

Zurück zu der gestellten Frage, bei der es sich also tatsächlich um den Vergleich zweier Fichtenarten handelt.Die in Nord- und Mitteleuropa heimische Gewöhnliche Fichte (Picea abies) nadelt im warmen Wohnzimmer sehr schnell, dagegen hält die aus den Rocky Mountains stammende Blaufichte (Picea pungens) etwas länger und ist daher als Tannenbaumersatz geeigneter. Über die Ursache des späteren Nadelabwurfes lässt sich nur mutmaßen: Die Blaufichte weist eine dickere Wachsschicht auf der Nadeloberfläche auf, die einen höheren Verdunstungsschutz darstellt.

Hier einige Tipps,um den unvermeidlichen Nadelabwurf hinauszuzögern: Bewahren Sie Ihren Baum bis zum Weihnachtsfest kühl auf und schneiden Sie das Stammende frisch an. Verwenden Sie einen mit Wasser gefüllten Baumständer. Der schönste Weihnachtsbaum bleibt jedoch der, der an seinem natürlichen Standort weiterwachsen darf.

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