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Giganten mit viel Geschmack

Melonen
Melonen, Kürbisse und Gurken gehören zur selben Pflanzenfamilie. Botanisch betrachtet sind die Giganten eigentlich Beeren. Sie bestehen zu einem Großteil aus Wasser.Foto: BGBM

Ausstellung im Botanischen Garten zum Kürbis und seinen Verwandten

Von Gesche Hohlstein

Auf dem ersten Zuckermelone und Spreewaldgurke nicht viel gemein. Doch das täuscht. Alle drei gehören zur  Familie der Kürbisgewächse, jener Pflanzenfamilie, die schon die alten Römer zu schätzen wussten. Eine neue Sonderausstellung im Museum des Botanischen Gartens zeigt Wissenswertesund Kurioses rund um diese Giganten unter den Gemüsepflanzen, von denen viele zu den echten Schwergewichten zählen.

So bringt der dickste Kürbis der Welt mit 681 Kilogramm das Gewicht von acht ausgewachsenen Männern auf die Waage. Aber auch die Verwandten sind für manche Überraschung gut. Ausgerechnet die saftige Wassermelone stammt aus den Trockengebieten Afrikas, wo ihre Früchte kaum größer als ein Straußenei wurden. Und die Heimat der Gurke ist nicht der Spreewald, wie mancher meint, sondern Nordindien, wo die Gurke bereits in früheren Zeiten zu Salat verarbeitet wurde.

Dabei besteht das gewichtige Gemüse hauptsächlich aus Wasser. Beim Kürbis sind es 88 Prozent Wasseranteil, bei der Wassermelone 93 und bei der Gurke sogar 95 Prozent. Die restlichen Prozente begründen den Geschmacksunterschied der Früchte, die botanisch betrachtet Beeren sind.

Schon die alten Römer verspeisten liebend gern die saftigen Melonen

Der Mensch nutzt die Kürbisgewächse auf vielfältige Weise: Während die Früchte und Samen von Kürbis, Gurke und Melone in die Nahrung eingehen, setzt die Phytotherapie den Kürbissamen zur Stärkung der Blasenfunktion ein. In der Hygiene bietet dagegen der Luffaschwamm, Gewebe aus dem Schwammkürbis, einen pflanzlichen Ersatz zum echten Schwamm aus dem Meer. Im Haushalt dienen hohle Früchte als Vorratsbehälter, Schüsseln und Flaschen. Außerdem sind Kalebassen und andere Kürbisrasseln aus der Weltmusik nicht mehr wegzudenken.

Kürbisgewächse haben aber auch als Vorbild für die Technik gedient. Imtropischen Regenwald des malaiischen Archipels wächst eine Liane aus der Familie der Kürbisgewächse bis hinauf in die Wipfel der Baumriesen zum Licht. Die Früchte von Alsomitra macrocarpa öffnen sich bei Reife und entlassen dann ihre bis zu zehn Zentimetergroßen Samen. Sie sind von einem dünnen pergamentartigen Hautflügel gesäumt und fantastische Segler, die bis zu zehn Kilometer dahingleiten können. Dieser Same hat als Vorbild die Luftfahrt nachhaltig beeinflusst.

Dabei ist der Kürbis früher oft unterschätzt worden. Von Amerika nach Europa mitgebracht, war das gewichtige Gemüse zu Zeiten des Barocks Viehfutter und das Essen einfacher Leute. Ganz anders dagegen erging es seiner Verwandten, der Melone. Siewarden Aristokraten vorbehalten. Man scheute keine Kosten und Mühen, die Melone auch unter widrigen europäischen Klimabedingungen erfolgreich zu kultivieren. So gehörte ein mit Duftmelonen bewachsener Laubengangim19. Jahrhundert in jeden besseren höfischen Garten. Diese Wertschätzung der Melone hatte Tradition: Schon die alten Römer verspeisten liebend gerne Melonen, wie die Unmengen von Melonenkernen bezeugen, die Archäologen unter der Zuschauertribüne des römischen Kolosseums gefunden haben.

Die Autorin ist Diplom-Biologin am Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem.


Kürbis, Melone, Gurke und Verwandte

Sonderausstellung zur Botanik und Kulturgeschichte der Kürbisgewächse im Botanischen Museum, Königin-Luise-Straße 6–8, Berlin-Dahlem. Die Schau ist geöffnet bis 24. August 2008, täglich von 10–18 Uhr. Mehr Infos zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm im Internet: www.botanischer-garten-berlin.de