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Schutz vor der Miniermotte

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Hildegard Kühn aus Berlin-Dahlem möchte wissen, wie Rosskastanien vor Miniermotten geschützt werden können. Es antwortet Gesche Hohlstein, Diplom-Biologin am Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem.

Der einzig wirksame Schutz besteht bisher in der Sammlung der abgeworfenen Blätter und deren Entsorgung über die Komposthaufen der Stadtreinigung. Meist entwickelt die Rosskastanien-Miniermotte drei Generationen pro Jahr. Die erste schlüpft im Frühjahr aus den im Falllaub überwinternden Puppen. Nach der Paarung legen die Weibchen etwa 30 Eier einzeln in den Blättern der Rosskastanie ab. Zwei Wochen später schlüpfen dann die Minierer. Diese Larven fressen die zwischen den beiden Blattoberflächen liegenden Zellen, dadurch werden die befallenen Blattstellen braun und trocken. Nach der Verpuppung schlüpfen die Motten aus dem Blatt und der Zyklus startet von Neuem. Je weiter das Jahr fortgeschritten ist, desto deutlicher werden die Schäden an den befallenen Bäumen.

Ein wirksamer natürlicher Feind der Miniermotte ist noch nicht bekannt. Die Klärung der Ursache, warum die Rosskastanie von der Miniermotte befallen wird, könnte Hinweise zu deren Schutz liefern. Spannend ist ein aufmerksamer Gang durch Berlin und insbesondere den Botanischen Garten, denn hier wird die Präferenz der Miniermotte bei der Wahl des Wirtsbaumes deutlich: Interessanterweise befällt sie vor allem die Weißblühende Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Die rotblühende Sorte A. x carnea ,Briotii‘ und einige andere Arten (beispielsweise A. glabra aus Nordamerika) sind dagegen weitestgehend resistent.

Ein bemerkenswertes Phänomen ist, dass zwar die Weißblühende Rosskastanie in den Berliner Straßen, Höfen und Parks von der Miniermotte befallen wird, einige Exemplare im Botanischen Garten jedoch verschont bleiben. Diese Bäume stammen direkt ab von einer Population am Wildstandort der Art im Balkangebiet. Somit scheinen innerhalb der Art unterschiedliche Widerstandskräfte gegen einen Befall der Miniermotte zu existieren: ein Beispiel dafür, dass der Erhalt der genetischen Vielfalt einer Art eine wichtige Aufgabe im Naturschutz ist, um die Anpassungsfähigkeit der Art zu erhalten.

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