Dreisprung mit Vollgas

Chinesische Manager studieren an der DUW.

16.10.2012

„Die Amerikaner sind kreativ, die Deutschen haben Selbstdisziplin, die Chinesen sind Nonstop-Lerner“, sagt Angela Gong schmunzelnd, „natürlich unter vielem anderen.“ Die Managerin eines Netzwerkes von Mercedes-Benz-Autohändlern in der Nähe von Schanghai muss es wissen: Sie ist eine von 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines berufsbegleitenden Masterprogramms der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW), deren Gesellschafter die Klett-Gruppe und die Freie Universität sind. Vor einem Jahr lief das Programm an. Im September war Angela Gong im Rahmen eines Präsenzmoduls des Programms an der DUW in Berlin – das dritte nach Seminaren an der Guanghua School of Management der Peking-Universität und der School of Business der Woodbury University in Los Angeles.

In diesen drei Ländern werden die Studierenden – Führungskräfte von Mercedes Benz (China) Limited und kooperierender Autohandelsorganisationen – nicht zufällig ausgebildet. Jeweils drei Mal reisen sie an jede der drei kooperierenden Universitäten: „Deutschland, die USA und China sind die wichtigsten Automärkte für Mercedes“, sagt Professorin Ada Pellert, Präsidentin der DUW. „Je mehr Manager international agieren, desto besser müssen sie mit interkulturellen Unterschieden umgehen können.“ Ziel des Programms sei es, die Managementkompetenzen zu entwickeln, die nötig sind, um erfolgreich auf internationalen Automärkten agieren zu können.

„Das Wissen über die Managementkultur und das Marketing in den USA und in Deutschland sind für mich beruflich sehr wichtig", sagt Kegang Zhu, 29-jähriger Kundendienstleister eines MercedesBenz-Vertragshändlers aus Zhengzhou, der Hauptstadt der Provinz Henan. „Die Automärkte dort haben schon eine Entwicklung durchlaufen, die uns in China in fünf bis zehn Jahren bevorsteht. Diesen Herausforderungen werden wir durch das Studium sehr viel besser gewachsen sein.“

Das Programm greift die Bedürfnisse des Automobilmarktes auf: „Die Studierenden lernen zu ihren Fragen Lösungsansätze aus der Wissenschaft kennen“, erklärt Professor Arne Petermann, Programm-Direktor der DUW. Ziel sei es, für Mercedes Benz eine Generation von Managern und Managerinnen auszubilden, die die besten Konzepte aus drei Kontinenten vergleichen, bewerten und an ihre Arbeitssituationen anpassen können.

Finanziert wird das MBA-Programm von Mercedes Benz China; die drei Partneruniversitäten arbeiten unter dem virtuellen Verbund „Carl Benz Academy“ zusammen. In allen Ländern werden Händlerorganisationen besucht, bewährte Methoden untersucht und Fallstudien erarbeitet. Für die Teilnehmer ist das Studium kostenlos, dafür aber auch eine zeitintensive Herausforderung neben Privatleben und Beruf. „Am Anfang war es schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt Kegang Zhu. Mittlerweile laufe es gut. Die Belastung durch Reisen in drei Kontinenten sei den Initiatoren des Programms bewusst gewesen, erläutert DUW-Präsidentin Pellert. So würden Online-Einheiten von einem E-Tutor und einem Fachtutor begleitet. „Sollte ein Teilnehmer einmal Schwierigkeiten haben, eine Frist einzuhalten, können wir reagieren.“ Selbst eine versäumte Präsenzphase – etwa bei plötzlichen Marktumbrüchen oder Personalausfällen im Unternehmen – könnten die Teilnehmer nachholen, denn in zwei Monaten starten 40 neue Studierende mit dem Programm.

Ganz identisch werden die Seminare der „Neuen“ indes nicht sein: Das Konzept wird weiterentwickelt durch das Feedback der Studenten des ersten Durchgangs. Zudem bringen die Teilnehmer stets neue Herausforderungen ein. „Auf diese Weise kommt das Programm der Arbeitsrealität sehr nahe“, betont Ada Pellert. Für Managerin Angela Gong hat das Programm allein deshalb schon nach einem Jahr ihre Erwartungen übertroffen – lange, bevor sie 2014 den MBA-Grad erwerben wird: „In allen drei Ländern habe ich neue Einblicke und Erfahrungen gewonnen. Die kann ich in nun in mein Unternehmen einbringen und mich beruflich weiterentwickeln.“