Gemeinsam gegen den Krebs

Forscher und Kliniker arbeiten zusammen.

25.06.2012

Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 500.000 Menschen an Krebs – mehr als 200.000 sterben jährlich an der Erkrankung. Und obwohl sich die Chancen auf Heilung in den vergangenen 30 Jahren erheblich verbessert haben, ist Krebs in Deutschland noch immer die zweithäufigste Todesursache.

An der „Berlin School of Integrative Oncology“ (BSIO) arbeiten Wissenschaftler und Kliniker im Kampf gegen Krebs an neuen Strategien. Die Förderung im Rahmen der Exzellenzinitiative ermöglicht die enge Kooperation von Forscherinnen und Forschern der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität und Humboldt-Universität, weiteren Wissenschaftlern dieser beiden Universitäten sowie der fünf außeruniversitären Partnerinstitutionen Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie, Leibniz-Institut für molekulare Pharmakologie und Hertie School of Governance.

Ihr gemeinsames Ziel: die Grundlagen dieser Krankheit zu erforschen und neue Therapieansätze zu erarbeiten. Die Ausbildung der Krebsforscher im Graduiertenkolleg soll dabei interdisziplinär erfolgen.

Noch vor 15 Jahren wurde Krebs im fortgeschrittenen Stadium praktisch ausschließlich mit sogenannten ungerichtet angreifenden Zellgiften behandelt. Inzwischen wird ein Ansatz verfolgt, der erst vor einigen Jahren entwickelt wurde: „Wir versuchen, den individuellen molekularen Bauplan eines Tumors zu verstehen und ein maßgeschneidertes Therapiekonzept für den Patienten zu entwickeln“, sagt Professor Clemens Schmitt, Direktor des Molekularen Krebsforschungszentrums und leitender Oberarzt an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité.

„Im Labor sind bereits zahlreiche molekulare Prozesse charakterisiert und Wirkstoffe entwickelt worden, die der Krebserkrankung entgegenwirken“, sagt Schmitt, der auch Sprecher der BSIO ist. Doch was den Experten an isolierten Zellen gelungen ist – etwa ein „Todesgen“ innerhalb einer Tumorzelle zu aktivieren und so den kontinuierlichen Teilungsprozess der Tumorzelle zu stoppen – funktioniert beim Patienten häufig noch nicht. „Wir müssen verstehen, wie kranke Tumorzellen und gesundes Gewebe interagieren und welche Rolle die Wechselwirkungen mit dem Immunsystem des Patienten spielen.“

Dabei verfolgen die Mitglieder der BSIO einen ganzheitlichen Ansatz: Ärzte aus Klinik und Forschung, Radiologen, Chirurgen, Onkologen und Hämatologen, Naturwissenschaftler, Biochemiker, Informatiker und Genetiker bringen ihr Expertenwissen ein und arbeiten auch mit Sozial- und Geisteswissenschaftlern zusammen. „Wir müssen Naturwissenschaftler und praktizierende Ärzte näher zusammenbringen“, sagt Schmitt. Das beginnt schon bei der Ausbildung.

Die Doktorandinnen und Doktoranden der Graduiertenschule werden gemeinsam mit jungen an Krebsforschung interessierten Nachwuchsärzten fachübergreifend mit dem notwendigen Wissen und Handwerkszeug ausgestattet: Biowissenschaftliche Forschung in enger Verzahnung mit klinischer Anwendung soll eine neue Generation von Forschern und Ärzten hervorbringen, die effektive Strategien gegen Krebserkrankungen entwickeln. Für die Patienten der Zukunft bedeutet das vor allem eines: neue Hoffnung.