Unterwegs mit Humboldt

Johannes Görbert, 28, geht auf Weltreise mit Humboldt, Chamisso und James Cook

04.06.2010

Johannes Görbert, Weltreisender in Sachen Literatur
Johannes Görbert, Weltreisender in Sachen Literatur Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Seit Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“ kennen Millionen Leser Alexander von Humboldt als getriebenen Entdeckungsreisenden, der seinen spanischen Kapitän beim Navigieren korrigiert und Indianerleichen in Südamerika ausgräbt, um sich dann zu wundern, dass er keinen einheimischen Führer mehr findet. Es ist eine fiktive, höchst unterhaltsame Biografie. Johannes Görbert, 28, schmunzelt, wenn man ihn auf den Roman anspricht; er kann sich zwar durchaus vorstellen, dass Kehlmann Humboldt treffend parodiert. Aber Görbert interessiert sich viel weitergehend für die Reise.

In seiner Dissertation „Die Vertextung der Welt“ an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule untersucht er die Poetik und das Wissen in Reiseberichten um 1800. Dafür analysiert er Texte und Bilder zu drei Forschungsexpeditionen: Zum einen Humboldt in Südamerika, zum anderen die zweite Weltreise von James Cook, an welcher der Naturforscher Reinhold Forster und dessen Sohn Georg teilnahmen, und zum dritten die zweite russische Weltumsegelung, bei der Adelbert von Chamisso an Bord war. Görbert ist fasziniert von den verschiedenen Erzählformen, die von privaten Tagebüchern bis zu offiziellen Reiseberichten reichen, von aufwändig illustrierten Bildtafeln bis zu detailverliebten Briefen. „Das Spannende ist, dass in der Zeit von 1770 bis 1830 literarischer Anspruch und wissenschaftliches Erkenntnisinteresse zusammenkommen“, sagt Görbert, „zwei Aspekte, die sich später wieder sehr deutlich voneinander abgrenzen.“ Die Reisenden waren Forscher und Autoren zugleich: „Sie interessierten sich prinzipiell für alles, was ihnen begegnete.“ Görbert möchte unter anderem herausfinden, welche poetischen Mittel die Autoren einsetzen, um ihre Entdeckungen und Erfahrungen zu beschreiben – und wie die jeweilige Form beeinflusst wird vom Zweck des Textes. Wie etwa unterscheidet sich die Darstellung eines offiziellen Berichts, mit dem die Auftraggeber überzeugt werden müssen, von einem persönlichen Brief?

Görbert, der Germanistik, Geschichte und Anglistik in Jena, Oxford und Berkeley studiert hat, ist seit Oktober 2009 an der Schlegel- Schule. Wie alle Dissertationsvorhaben dort soll auch seine Arbeit eine Monografie werden. Danach würde es ihn reizen, selbst ein paar der Orte zu bereisen, die Humboldt vor 200 Jahren besuchte.