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FU-BEST 31: Deutsch, Deutscher, Deutschland: Identität(en), Geschichte, Politik

InstructorDr. Marcus Funck
Credit Points5 ECTS / 3 U.S. credits
Note

in German; language prerequisites: at least upper-intermediate level (B3) or above

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Please note the language prerequisites for participation carefully (Intermediate 3 and above)!

Was ist „deutsch“, wer ist „deutsch“? Wer definiert das, und wer entscheidet darüber – Politiker, Wissenschaftler, Gruppen, jeder Einzelne für sich? Wie fühlt sich „deutsch sein“ an? Was macht einen zum/zur „Deutschen“, und wer findet vielleicht, er/sie sei deutscher als andere (und warum)? Was ist „Deutschland“, wo ist „Deutschland“? Seit wann gibt es überhaupt ein „Deutschland“, und ist es inzwischen noch ein „Deutschland“ oder nicht vielmehr mehrere „Deutschland“s? Und was denken eigentlich andere über „die Deutschen“?

Der Kurs wird diese Fragen (und noch weitere) aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten – denen der Geschichte, der Soziologie, der Politik- und der Kulturwissenschaft. Auf dem Weg zur Erkenntnis darüber, was und wer „typisch deutsch“ ist, beschäftigen wir uns zunächst mit Theorien zum Ursprung und zur Funktion von Fremd- und Selbstbildern (Hetero- und Autostereotypen). Anschließend verfolgen wir die historische Entwicklung eines nationalen deutschen Selbstverständnisses anhand ausgewählter Topoi in der deutschen Kulturgeschichte. Wir fragen, welche Rollen diese Selbstbilder für die Schaffung einer kulturellen und/oder politischen nationalen Identität in Deutschland gespielt haben (und immer noch spielen), wie einvernehmlich sie innergesellschaftlich akzeptiert (oder aber umstritten) waren/sind, welchem Wandel sie bis heute unterliegen und wie sie sich zu den Bildern verhalten, die andere Nationen sich von Deutschland und seiner Rolle in der Welt machen.

Schließlich diskutieren wir im Rückgriff auf unsere Ausgangsfragen, ob solche nationalen Selbstbilder im 21. Jahrhundert noch eine Rolle für die Identitätsbildung des postmodernen Individuums spielen, das sich aus unterschiedlichen Gruppenzugehörigkeiten heraus und aufgrund seiner individuellen Biographie die Freiheit nehmen kann, multiple Identitäten zu entwickeln, sie miteinander zu kombinieren oder sie in ein mitunter widersprüchliches Spannungsfeld zu bringen. Viele in Deutschland lebende Menschen definieren sich heutzutage über ihre regionale Verbundenheit, ihre Sprache, ihre familiäre Herkunft oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten (sub)kulturellen Gruppe. Ist also „typisch deutsch“ nur noch ein Klischee, oder sagen tatsächlich noch Menschen ernsthaft von sich (oder anderen), dass sie „typisch“ oder „echt deutsch“ sind und handeln?

Am Ende des Semesters werden die Kursteilnehmer in der Lage sein, nationale Fremd- und Selbstbilder allgemein kritisch zu hinterfragen. Sie kennen theoretische Grundlagen der Stereotypenforschung und können Erkenntnisse daraus in Beziehung zu Mechanismen und Topoi individueller wie auch (teil)gesellschaftlicher Identitätsbildung setzen. Sie haben Wissen über die Entwicklung Deutschlands und dominante gesellschaftliche Themen seit dem späten 19. Jahrhundert erworben. Mit Hilfe dieses Wissens und der im Kurs vermittelten Analysemethoden werden sie in der Lage sein, Stereotypen und Klischees über „die Deutschen“ historisch und politisch einzuordnen sowie existierende Identitäten in Deutschland differenziert zu betrachten und zu bewerten.