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Lehrveranstaltung

Institut für Theaterwissenschaft (WE 7)

Kernfach Theaterwissenschaft (StO und PO gültig ab WS 11/12)

0051d_k90
  • Basismodul Gegenwartstheater

    0051dA1.1
    • 17515 Seminar
      Einführung in die Aufführungsanalyse (Torsten Jost)
      Zeit: Mi 14:00-18:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Wahrnehmung, Erinnerung, Versprachlichung und theoretisch fundierte Reflexion von Aufführungen sind Kernaufgaben theaterwissenschaftlicher Arbeit. Das Seminar bietet eine Einführung in all diese Praktiken, indem es Studierende dazu einlädt, sie im geschützten Rahmen gemeinsam zu üben und dabei über ihre je besonderen Herausforderungen und Potenziale kritisch nachzudenken. Prinzipiell wird dabei von der Annahme ausgegangen, dass diese Praktiken einer andauernden Übung bedürfen. Dementsprechend ist das Seminar als ein kollaborativer „Übungsraum“ konzipiert, dessen Aufgabe und Ziel es ist, gemeinsam ausbaufähiges Erfahrungswissen darüber hervorzubringen, wie wahrnehmend, diskutierend, lesend und schreibend theaterwissenschaftliche Erkenntnisse über ästhetische, kulturelle und, nicht zuletzt, politische Dimensionen von Aufführungen in Kunst und Alltag generiert werden können. Unverzichtbarer Teil unseres Übungsprogramms sind: gemeinsame Aufführungsbesuche; das Verfassen von Erinnerungsprotokollen; Diskussionen über Aufführungen, Fachliteratur sowie studentische Texte; Gespräche mit Theaterschaffenden sowie schließlich die Konzeption, Vorstellung und Anfertigung einer eigenständigen Hausarbeit.

      Organisatorischer Hinweis: Da sofort nach Seminarbeginn Aufführungsbesuche geplant sind, müssen Eintrittsgelder schon in der ersten Seminarsitzung (am Mittwoch, den 20.04.2022) eingesammelt werden: Bitte bringen Sie also zur ersten Sitzung gleich 20€ mit.

    • 17530 Praxisseminar
      Einführung in die Videoarbeit (Thomas Martius)
      Zeit: Fr 10:00-14:00 (Erster Termin: 22.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Q & A

      „Question and answer“, Frage und Antwort. 

      Q: 
      Wir erarbeiten einen Katalog von für uns relevanten Fragen. Wir zeichnen diese Fragen auf: mit Akteur*innen, Licht, Mikrofon, Kamera, vielleicht auch mit Greenbox – jedenfalls mit den für uns richtigen Einstellungen.

      A:
      Die daraufhin zu verfertigenden dreiminütigen Videos versuchen die Beantwortung der vorgefertigten Fragen, auf ihre jeweilige Weise.

      Der praktische Videokurs durchläuft den gesamten Produktionsprozess von Entwicklung der „Idee“ bis zum Abspann bei der Post-Produktion.

      Voraussetzungen für die Teilnahme ist Pünktlichkeit (!) schon am ersten Veranstaltungstag. Zudem braucht es den Eintrag im Campus Management. Obligatorische Arbeitsleistung: regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit. 

      Thomas Martius, contact@thomasmartius.de

    • 17531 Praxisseminar
      Einführung in die Dramaturgie (Inka M. Paul)
      Zeit: Do 14:00-18:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Was verstehen wir unter Dramaturgie? Die einen sehen in der Dramaturgin den „Nachfahren des Hausdichters“, andere betrachten die intellektuelle Beratung der Regisseurin als ihre Hauptaufgabe. Für Intendanten bedeutet die Dramaturgie wesentlich eine Zentrale, die Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, Disposition und Probenbetreuung gleichermaßen erledigt; im Zeitalter der „Entgrenzung der Künste“ sehen jüngere Dramaturgen dagegen ihre Aufgabe eher im Kuratieren der performativen Künste.

      Wie sich das Selbstverständnis der Dramaturgie verändert, so entwickelt sich das der Dramaturgin, des Dramaturgen. Als literaturwissenschaftliche „Fachfrau“ einerseits und organisierender „Junge für alles“ andererseits erfüllen sie nur eine Facette dieses Berufs. Für ein Theater, das die Grenzen zu Oper, Tanz und/oder Installation überschreitet, gar seinen angestammten Bau verlässt, muss die Dramaturgin mit der Unsicherheit projektbezogenen Arbeitens umgehen, Anträge schreiben, Drittmittel einwerben und ist Beraterin in intellektueller, künstlerischer, (gesellschafts-)politischer und philosophischer Hinsicht.

      In unserem Praxisseminar stellen wir die Fragen: Welche Aufgabe(n) weisen wir heute dem Theater zu? Was bedeutet Dramaturgie in unterschiedlichen Theaterformen? Interessiert mich das Stadttheater oder die Freie Szene? Wie spreche ich über ein Theater, bei dem der Text nicht mehr die Basis ist? Was zeichnet Kuratieren als dramaturgische Tätigkeit aus?

      Wir verbinden theoretische Überlegungen mit eigenen dramaturgischen (und szenischen) Konzeptionen, die wir in kleineren Gruppen entwickeln. Text- und Konzeptionsarbeit greifen ineinander. Wir werden Aufführungen diskutieren, Texte lesen und zu verstehen suchen; wenn möglich, wird ein Gast aus dem Theater aus seiner/ihrer Praxis berichten.

      Voraussetzungen für die Teilnahme am Praxisseminar sind die aktive und regelmäßige Anwesenheit, das Verfassen eines Referats bzw. Mitarbeit in einer Gruppe und die Bereitschaft zu Theaterbesuchen, die im Seminar diskutiert werden können.

      Trotz konventioneller Schreibweise: eingeschlossen sind alle Geschlechter.

    • 17532 Praxisseminar
      Hybride Beziehungen. Eine szenische Untersuchung des Verhältnisses von performenden Körpern zu digitalen Technologien (Marina Dessau)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 25.07.2022)
      Ort: Mo Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35), Di Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35), Mi DanceLab (Grunewaldstr. 35), Mi Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35), Do DanceLab (Grunewaldstr. 35), Do Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35), Fr...

      Kommentar

      Auch wenn wir uns nach wie vor offline begegnen, hat sich unsere Realität wie selbstverständlich um den Online-Modus erweitert. Alles-dokumentierende Handycams fangen unsere Selbstdarstellungen ein fürs Netz, Online-Seminare geben Einblick in die Wohnzimmer der anderen und verwandeln sie in halböffentliche Bühnenbilder und ab und zu vergessen wir uns selbst vor dem Bildschirm und landen eine private Körpergeste mitten auf einer gut besuchten Videokonferenz. Die Orientierung zwischen den verschiedenen Kommunikationsräumen verwischt, während wir damit beschäftigt sind, die Übergänge zwischen physischer und digitaler Umgebung, zwischen privater und öffentlicher Situation auszuloten.

      Auch im Bühnenraum wird zunehmend hybrid interagiert. Performt wird vor Publikum, das zeitgleich sowohl physisch im Theaterraum als auch digital im Livestream präsent ist. Für Theatermachende stellt das eine besondere Herausforderung dar. Gerade bei interaktiven Formaten oder Spielweisen mit direkter Anspielhaltung müssen dann mindestens zwei gleichzeitig vorhandene, sehr unterschiedliche Qualitäten von Publikumsbeziehung bedacht, szenisch integriert und bespielt werden. Digitale Aufzeichnungs-, Wiedergabegeräte und Schnittstellen spielen dabei eine wesentliche Rolle und bilden die Knotenpunkte zwischen dem Publikum, dem Bühnengeschehen und den Performer:innen, welche wiederum den physischen Bühnenraum und den digitalen Raum jonglieren müssen.

      Im szenischen Projekt untersuchen wir das Verhältnis von performenden Körpern zu unterschiedlichen Arten von Publikum. Was lässt sich beobachten, wenn Performer:innen mit einer Livestream-Kamera umgehen, sprich mit einem Avatar-Publikum, das maximal über die Chat-Funktion interagieren kann? Welche Unterschiede lassen sich feststellen im Umgang mit einem physisch anwesenden Publikum? Zeichnen sich (Kamera-)spezifische Verhaltensweisen, wiederkehrende Gesten und Haltungen ab?

      Wir streifen weiterhin den privaten, unbeabsichtigten Moment der Selbstvergessenheit vor der öffentlichen Webcam: Bringen die digitalen Technologien neue Kommunikationsverhältnisse mit sich, wodurch sich möglicherweise auch unsere Wahrnehmung für die Grenze zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum verschiebt?

      Für die Untersuchung dieser Fragen verwenden wir die Improvisationstechnik und Spielweise „Viewpoints“ (nach Bogart/Landau), die häufig in nicht-psychologischen Inszenierungs- oder Arbeitszusammenhängen angewandt wird. Dabei werden Bühnenvorgänge in klar definierte zeitliche und räumliche Elemente unterteilt, wodurch wiederum körperliche Vorgänge messbar und wiederholbar gemacht werden können. Der nicht-psychologische Ansatz der Trainingsmethode ermöglicht es außerdem, „aus dem Kopf herauszukommen“ und körperlich spontan und entschieden zu reagieren. Auf diese Weise können innere Haltungen und situative Beziehungen in ihrer Unmittelbarkeit freigelegt und sichtbar gemacht werden.

      Während einer anfänglichen Einführung in die Methode „Viewpoints“ erkunden wir in einem fortlaufenden, körperlichen Training durch verschiedene Übungen zuerst die 4 zeitlichen und 5 räumlichen Viewpoints. Anschließend wenden wir sie frei an und kombinieren die einzelnen Viewpoints in Improvisations-Einheiten miteinander, wobei wir auch das Spielweisen- und Inszenierungspotential der Methode kennenlernen. Schließlich arbeiten wir mit szenisch integrierten, fixierten und beweglichen Kameras und befragen spielerisch das Verhältnis von performenden Körpern zu digitalen Schnittstellen und Online-/Offline-Publikum.

      Marina Dessau studierte Schauspiel am Mozarteum Salzburg. Seit 2005 arbeitet sie an der Entwicklung und Realisierung von Performancetheaterformaten, meist mit dem Label internil. Sie beobachtet stark oszillierendes Verhalten von Menschen im Netz, sucht nach Übersetzungen fürs Theater und beschäftigt sich mit Hochtechnologie für den performativen Körper. https://marinadessau.com

    • 17533 Praxisseminar
      Togethering (transmission and appropriation) (Alice Chauchat)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 30.04.2022)
      Ort: DanceLab (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Since 2014, Alice Chauchat has been developing, under the umbrella title “Togethering”, a choreographic research on an ethics of togetherness. This work, based in the creation and practice of dance scores, is centered on the sense of alterity and aims at activating movement towards rather than the act of grasping (the other, the dance, the environment...).

      Over 8 sessions, Alice will transmit to the students some of the dance scores that feed her work. All together they will work towards the appropriation of these scores by the students and observe in this process how individual language and imagination need to adapt the score in order to pass on what seems relevant to the person carrying it.

      We will use the last session to produce a mini publication from the adapted scores. At some point we might organise a little open-air party and invite friends and colleagues to dance these dances with us.

      The attendance of all sessions is obligatory.

  • Basismodul Theatergeschichte

    0051dA1.2
    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17510 Seminar
      Sein, Nichtsein, Anderssein. Einführung in die Theaterhistoriographie mit 150 Jahren Shakespeare auf deutschsprachigen Bühnen (Peter Jammerthal)
      Zeit: Mi 10:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR I Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Kaum ein anderer Autor hat auf deutschsprachigen Theaterbühnen anhaltend so viel Beachtung und Auseinandersetzung erfahren wie William Shakespeare. Liegt es an dem Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum, das in diesen Stücken oft verhandelt und unter je aktuellen Perspektiven neu interpretiert und diskutiert wird? Liegt es an den „Außenseiterfiguren“, wie den „Intellektuellen“ Hamlet, den nur auf den ersten Blick integrierten schwarzen Heerführer Othello, den jüdischen „Wucherer“ Shylock, die zu Stellungnahmen provozieren? Die Auseinandersetzung mit Shakespeare-Inszenierungen der letzten 150 Jahre zeigt im Gegenzug, wie sich bei Akteur*innen und Publikum ästhetische Positionen wie Funktionsbestimmungen des Theaters wandeln: Wer macht wann für wen Theater, wie und wozu? An prominenten Inszenierungs-Beispielen soll dabei auch die wissenschaftliche Recherche nach und der Umgang mit theaterhistorischen Quellen geübt werden.

      Kaum ein anderer Autor hat auf deutschsprachigen Theaterbühnen anhaltend so viel Beachtung und Auseinandersetzung erfahren wie William Shakespeare. Liegt es an dem Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum, das in diesen Stücken oft verhandelt und unter je aktuellen Perspektiven neu interpretiert und diskutiert wird? Liegt es an den „Außenseiterfiguren“, wie den „Intellektuellen“ Hamlet, den nur auf den ersten Blick integrierten schwarzen Heerführer Othello, den jüdischen „Wucherer“ Shylock, die zu Stellungnahmen provozieren? Die Auseinandersetzung mit Shakespeare-Inszenierungen der letzten 150 Jahre zeigt im Gegenzug, wie sich bei Akteur*innen und Publikum ästhetische Positionen wie Funktionsbestimmungen des Theaters wandeln: Wer macht wann für wen Theater, wie und wozu? An prominenten Inszenierungs-Beispielen soll dabei auch die wissenschaftliche Recherche nach und der Umgang mit theaterhistorischen Quellen geübt werden.

    • 17511 Seminar
      Antike Tragödie. Einführung in die Theaterhistoriographie (Friederike Oberkrome)
      Zeit: Di 10:00-14:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Einer traditionellen (und nicht unproblematischen) Auffassung nach beginnt die Geschichte des europäischen Theaters mit den Tragödien der griechischen Antike. Bestehend aus einem Wechsel aus Chorgesängen, Maskentänzen und Sprechpartien, wurden diese jährlich im Rahmen der sogenannten Dionysien, einem mehrtägigen Fest zu Ehren des Gottes Dionysos, vor tausenden Zuschauenden in Athen aufgeführt. Überliefert ist uns diese historisch im Kult verortete Theaterform nur spärlich, hauptsächlich durch die wenigen erhaltenen Tragödien der griechischen Dichter Aischylos, Sophokles und Euripides und durch die Poetik des Aristoteles. Trotz dieser prekären Quellenlage bleibt die antike Tragödie auch für die zeitgenössische Theaterpraxis ein bedeutsamer Referenz- und Reibungspunkt.

      Im Seminar beschäftigen wir uns mit der antiken Tragödie, indem wir ausgewählte Tragödientexte lesen, grundlegende (ästhetik-)theoretische Perspektiven auf die antike Tragödie kennenlernen und uns den damaligen Aufführungsbedingungen annähern, die sich radikal von den heutigen unterscheiden. Anhand einschlägiger Tragödien-Inszenierungen der letzten Jahrzehnte soll es schließlich auch um die Frage der Rezeption antiker Tragödien im Gegenwartstheater gehen.

      Das Seminar wird mit einer theaterhistoriographisch verfahrenden, zehnseitigen Hausarbeit zu einem im Rahmen des Kurses behandelten Thema abgeschlossen. Um diese Arbeit vorzubereiten, wird der Umgang mit unterschiedlichen theaterhistorischen Quellen im Verlauf des Semesters ebenso erlernt wie grundlegende Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens.

    • 17512 Seminar
      Einführung in die Theaterhistoriographie (Jan Lazardzig)
      Zeit: Mo 10:00-14:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das Seminar dient der Einführung in Fragestellungen und Methoden theaterhistoriographischen Arbeitens. Auf dem Programm steht die Lektüre theoretischer Grundlagentexten (in englischer und deutscher Sprache) zu historiographischen Diskussionen um Zeit, Raum, Ereignis, Flüchtigkeit (u.a.). Außerdem werden wir uns mit zentralen Berliner Theaterarchiven und theatersammelnden Institutionen vertraut machen. Ziel ist es, im Rahmen des Seminars Grundkenntnisse in der Arbeit mit historischen Quellen zu erwerben. Ein zentraler Bestandteil wird ferner die Einübung von Techniken wissenschaftlichen Arbeitens sein (Literaturrecherche, Bibliographieren, Lektüre und Exzerpt, Abfassen einer Hausarbeit). Vorausgesetzt wird eine aktive und regelmäßige Mitarbeit in den Seminarsitzungen. Jede*r Teilnehmer*in übernimmt die Präsentation eines Seminartextes (max. 15 Minuten) zu einem thematischen oder methodologischen Aspekt. Ferner ist ein Kommentar zu einer theaterhistorischen Überblicksdarstellung abzufassen (ca. 1000 Wörter). Teil des Seminars sind eigenständige Archiv-, Bibliotheks- und Datenbankrecherchen.

    • 17516 Seminar
      Sound and Media. Introduction to Theatre Historiography | Klang und Medien. Einführung in die Theaterhistoriographie (Joao Romao)
      Zeit: Di 16:00-20:00 (Erster Termin: 03.05.2022)
      Ort: K 031 Seminarraum (Anbau Cinepoetics) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Aus organisatorischen Gründen startet das Seminar erst am 3. Mai 2022. Die für April geplanten Sitzungstermine entfallen und werden am 11. Juni 2022 nachgeholt.

      Kommentar

      Dieser Kurs führt die Studierenden in die Methoden, Theorien und Quellen der Historiographie der performativen Künste Theater und Musik ein. Klang in seinen materiellen, symbolischen und praktischen Formen wird während des gesamten Seminars als Kompass dienen; Ausgangsfrage ist dabei, wie eine klanggesteuerte Theaterhistoriographie aussieht. Ausgehend von den Medienkonstellationen der Moderne liegt der Fokus auf der Materialität des Musiktheaters und der Oper aus der Perspektive der Produktion, auf dem Einsatz von Kulissen in verschiedenen Settings, auf den technologischen Visionen von der Massenverbreitung der Künste, die durch die Einführung der Telegrafie, der Phonografie und des Rundfunks gefördert wurden, sowie auf den Herausforderungen, denen sich die performativen Künste durch die Einführung neuer Medien wie Bildschirme und Streaming-Dienste gegenübersehen. Das Seminar beinhaltet praktische Übungen wie das „Reverse Engineering“ der Historiographie von Mozarts berühmtester Oper Die Zauberflöte. D.h. die Beweggründe, politischen Zugehörigkeiten und Grenzen, die zu einer solchen Historiographie geführt haben, werden analysiert und reflektiert. Darüber hinaus werden im Seminar gemeinsam mehrere Inszenierungen von Die Zauberflöte analysiert, die derzeit im Repertoire verschiedener Berliner Opernhäuser (Staatsoper, Komische Oper und Deutsche Oper) zu finden sind, sowie einige der Radio- und Filmadaptionen von Mozarts Oper.

      Das Seminar findet sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch statt. Referate und Hausarbeiten in beiden Sprachen sind möglich.

       

      This course will introduce you to the methods, theories, and sources of historiography applied to the performative arts, i.e., theatre and music. In its material, symbolic, and practical forms, sound will serve as our compass throughout the seminar; how does a sonic driven theatre historiography look like? Drawing on the media constellations of modernity, we will focus on the materiality of music theatre and opera from the perspective of the production and uses of sound effects in different settings, the technological dreams of mass circulation of the arts fostered by introduction of telegraphy, phonography, and radio broadcasting, as well as the challenges that performative arts face with the introduction of new media such screens and streaming services. This seminar features hands-on assignments such as the “reverse engineering” of the historiography of Mozart’s most celebrated opera Die Zauberflöte, reflecting on the motivations that led to such historiographies, its political affiliations, and limitations. Moreover, we will collectively analyse several productions of Die Zauberflöte that are currently in the repertoire of several opera houses in Berlin (Staatsoper, Komische Oper, and Deutsche Oper), as well as some of the adaptations for radio and film of Mozart’s opera. 

      The seminar will be held both in English and in German; presentations and seminar papers in both languages are possible.

  • Basismodul Theorie und Ästhetik

    0051dA1.3
    • 17513 Seminar
      Aufführung und Performance. Einführung in die Theorie und Ästhetik (Matthias Warstat)
      Zeit: Do 10:00-14:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Begriffe Aufführung und Performance eignen sich, um grundlegende theoretische und ästhetische Fragen der Theaterwissenschaft zu besprechen: Was bedeutet es, sich in Aufführungen vor anderen zu zeigen, und wie unterscheiden sich Theateraufführungen von anderen Arten von Aufführungen? Wie werden bestimmte Erfahrungen eines Publikums performativ (etwa mit Körper und Stimme) hervorgebracht? Welche Besonderheiten ergeben sich daraus, wenn eine Aufführung oder Performance in einem künstlerischen Rahmen bzw. im Feld der Künste stattfindet? Die Begriffe Aufführung und Performance werden häufig auch herangezogen um den Gegenstandsbereich, d.h. die Themen und Fragen der Theaterwissenschaft und der Performance Studies einzugrenzen: ‚Aufführung‘ verweist auf spezifische Konstellationen des Agierens und Wahrnehmens in- und außerhalb des Theaters. ‚Performance‘ ist nicht bedeutungsgleich, sondern eröffnet weitere Bedeutungsrichtungen wie Hervorbringung, Leistung, Wiederholung und Zitation. Zugleich bringt der Begriff aber auch die Performance-Kunst und sog. Cultural Performances wie Rituale, Feste und politische Versammlungen ins Spiel. Das Seminar wird sich auf elementare Texte konzentrieren, die intensiv gelesen und besprochen werden sollen. Dabei sollen auch Methoden und Vorgehensweisen des theoretischen Arbeitens geübt werden, darunter etwa das Verfassen von Essays und Hausarbeiten oder die Erstellung und Diskussion von Thesenpapieren. Zu Beginn wird auch darüber zu sprechen sein, wie man einen theoretischen Text für Seminardiskussionen sinnvoll vorbereitet und befragt.

    • 17514 Seminar
      Theater, Identität, Differenz. Einführung in die Theorie und Ästhetik (Stefan Hölscher)
      Zeit: Mo 14:00-18:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das Seminar versteht sich als Einführung in das Feld aktueller Debatten über Identitätspolitik im Kontext des deutschen Theaters der Gegenwart. Neben Grundlagentexten zum Thema vor allem aus dem Umfeld des Schwarzen Feminismus der 1970er und 80er Jahre werden wir gemeinsam jüngere Pro- und Contrapositionen diskutieren sowie Mitschnitte von künstlerischen Arbeiten bspw. von Simone Dede Ayivi, Pepe Dayaw, Tümay Kilinçel, Magda Korsinsky, Miedya Mahmod, Anta Helena Recke und Joana Tischkau sichten und besprechen. Außerdem werden wir anhand von Zeugnissen rassistischer Vorfälle im deutschen Theater und in deutschen Medien der letzten Jahre und weiteren Schlüsseltexten untersuchen, inwiefern vonseiten innerhalb einer weißen Dominanzkultur (Birgit Rommelspacher) marginalisierter Gruppen formulierte Identitätspolitiken in Reaktion auf konkrete Machtverhältnisse Differenzen markieren, die sich intersektional auf den Ebenen von Race, Gender und Class verorten lassen. So werden wir die Frage vertiefen, wie komplex heute gerade im Theater jede Politik ist, in der Identitäten, immer spezifische gesellschaftliche Positionen sowie damit jeweils zusammenhängende Sprecher*innenpositionen auf dem Spiel stehen, die spezifische Theorien und Ästhetiken hervorbringen. Diesbzgl. wird es in dieser Veranstaltung u.a. auch um die Schärfung eines Methoden-Bewusstseins hinsichtlich der mit Identitätspolitik einhergehenden Theorien und Ästhetiken gehen.

      Zur Erlangung eines Teilnahmescheins ist neben der regelmäßigen Teilnahme die Übernahme eines Impulsreferats erforderlich. Leistungsscheine können über Hausarbeiten erworben werden.

  • Aufbaumodul Gegenwartstheater

    0051dB1.1
    • 17520 Proseminar
      Queer Stages: Gender und Sex/ualität in Theorie und Aufführung (Thore Martin Walch)
      Zeit: Mi 12:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das Wort „queer“ ist äußerst facettenreich: Ursprünglich „strange, odd“ bedeutend, entwickelte es sich erst zu einer homophoben Beleidigung und dann, in Wiederaneignung dieser Verwendung, zu einem umbrella term für Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Praktiken, die sich der heterosexuellen Norm entziehen. Zudem entwickelte sich in den 1980er und 90er Jahren mit den Queer Studies eine akademische Disziplin, die ein Nachdenken nicht nur über Geschlecht, sondern auch über Sexualität und Sex zum Anliegen hatte und immer noch hat. Fragestellungen und Perspektivierungen der so entstandenen Queer Theory lassen sich dabei auch mit anderen Fächern verknüpfen. In diesem Sinne versteht sich dieses Seminar als Einführung in das wissenschaftliche Nachdenken über Queerness mit besonderem Hinblick auf den Theater- und Performancebereich.

      Das Seminar verfolgt zwei Ziele, die durch die Doppelbedeutung des Wortes „Stages“ im Seminartitel angedeutet werden. Einmal im Sinne von „Stadien, Abschnitte“: Wir werden zu Beginn des Seminars einige einflussreiche Texte der Queer Studies lesen und diskutieren (u.a. von Eve Kosofsky Sedgwick, Jack Halberstam, Judith Butler). Zum anderen im Sinn von „Bühnen“: Wir werden uns mit der Darstellung von/Auseinandersetzung mit queeren Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Praxen in (v.a. künstlerischen) Aufführungen beschäftigen. Dabei sind – abhängig vom Angebot und der pandemischen Lage – auch Aufführungsbesuche in Berlin vorgesehen. Außerdem werden wir uns theaterwissenschaftliche Zugänge zu Queerness anschauen und auch danach fragen, was es bedeuten könnte, aus einer spezifisch queeren Perspektive auf Theater zu blicken.

      Das Seminar ist – unter Vorbehalt – als Präsenzveranstaltung geplant. Mitgebracht werden sollte die Bereitschaft zur Lektüre theoretischer Texte auf Englisch sowie zu Aufführungsbesuchen außerhalb der Seminarzeiten.

    • 17521 Proseminar
      Exkursion zu den "Wiener Festwochen" (Thekla Neuß, Lisa-Frederike Seidler)
      Zeit: Fr 18:00-20:00, zusätzliche Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 08.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Bitte beachten Sie, dass aus organisatorischen Gründen die verbindliche Anmeldung bis 19. April 2022 erfolgt. Ein späterer Einstieg in das Seminar ist deshalb nicht möglich.

      Wir bitten Sie außerdem bei Interesse an der Exkursion am Informationstreffen am 8. April zwischen 18-20 Uhr online via Webex teilzunehmen.

      Kommentar

      Die Wiener Festwochen sind eines der renommiertesten Festivals im deutschsprachigen Raum und präsentieren jedes Jahr ein vielseitiges Programm mit wegweisenden Produktionen internationaler Künstler:innen. Hier werden Tendenzen, Praktiken und Diskurse zeitgenössischer Theater-, Tanz- und Opernproduktion exemplarisch erkenn- und diskutierbar. Zusammen mit dem Institut für Theater, Film und Medien der Universität Wien (TFM) nehmen wir an einer Campus-Intensivwoche vom 18.-24. Mai 2022 teil. In diesem Rahmen besuchen wir jeden Abend Aufführungen (Drameninszenierungen, Projektarbeiten, Performances, Tanz, Installationen etc.) und lernen Wien als Festivalstandort aus einer praxisbezogenen Perspektive kennen. In täglichen Seminarsitzungen (13-18 Uhr) wird es Raum geben, um über Gesehenes zu diskutieren und mit Künstler:innen und Kurator:innen ins Gespräch zu kommen. Dadurch sollen neben der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, Formen und Ästhetiken Einblicke in Arbeitszusammenhänge und die Organisation eines internationalen Festivals gegeben werden. Darüber hinaus dient die Exkursion dazu, den Theater- und Forschungsstandort Wien kennenzulernen, deshalb sind Besuche im Theatermuseum und dem TFM-Institut geplant.

      Für die Exkursion wird eine Selbstbeteiligung von voraussichtlich 200,-€ p.P. zum 19.04.22 fällig.

      Anmeldung zum Informationsabend (08.04.22, 18-20 Uhr):

      Bei Interesse an der Exkursion bitten wir Sie, sich für die Informationsveranstaltung per Email anzumelden (thekla.neuss@fu-berlin.de). Sie erhalten daraufhin die Einladung zum Webex-Raum. Der Informationsabend dient der Vorstellung des Exkursionsprogramms und weiteren Anmeldemodalitäten. Bitte beachten Sie, dass eine reguläre Anmeldung via Campus Management nicht möglich ist.

      Zeitplan:

      08.04.22, 18-20 Uhr online via Webex nach Anmeldung per E-Mail

      19.04.22, Anmelde- & Zahlungsfrist

      29.04.22, 18-20 Uhr Institut für Theaterwissenschaft

      13.05.22, 18-20 Uhr Institut für Theaterwissenschaft

      18.-24.05.22, Exkursion nach Wien

      03.06.22, 18-20 Uhr Institut für Theaterwissenschaft

      Der erfolgreiche Abschluss des Seminars setzt die regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit an den Sitzungen vor, während und nach der Exkursion voraus; dazu gehört die Recherche und Präsentation von beim Festival vertretenen Künstler:innen sowie die Beschäftigung mit der Geschichte des Festivals. Das Seminar wird mit einem Leistungsnachweis entsprechend den Vorgaben der Prüfungsordnung abgeschlossen.

    • 17523a Proseminar
      Musical Theater Studies, Film Musical Studies und Gegenwartsmusical post-1995: Forschungstrends zu Bühne und Film (Frédéric Osbert Döhl)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Einführungsveranstaltungi (Online), Hörsaal, KL 32/202 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45) - siehe Termine

      Hinweise für Studierende

      Die Einführungsveranstaltung am 19. April 2022 findet von 18-20 Uhr online statt! Der Seminarraum III steht für die Einführungsveranstaltung am 19. April 2022 in der Zeit von 18-20 Uhr zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende, die ev. vorher eine andere LV vor Ort besuchen, die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Einführung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Das Seminar ist eine Mischung aus Lektürekurs und Übung. Es wird ausgewählte aktuelle Forschungsliteratur der Musical Theater Studies und der Film Musical Studies zum Gegenwartsmusical (post-1995) aufgearbeitet. Inhaltliche Ziele sind die Einführung in zentrale Entwicklungen des Gegenwartsmusicals, die Einführung in aktuelle Forschungstrends dazu und die Einführung in Etablierung und jüngere Entwicklung dieses Forschungsfeldes generell, das in diesem Zeitraum im angloamerikanischen Raum von großer Dynamik geprägt war. Pädagogisch soll erreicht werden, Intensität und Niveau der wissenschaftlichen Sekundärliteraturarbeit anzuheben. Beides erweist sich in Abschlussarbeiten zum Musical leider oft als ausbaufähig. In Zentrum steht daher die Fertigkeit, systematisch Exzerpte von wissenschaftlichen Beiträgen zu erarbeiten und diese als Basis für eigene, darauf aufbauende wissenschaftliche Texte zu nutzen.

    • 17524 Proseminar
      Musikalische Virtuosität (Camilla Bork)
      Zeit: Mo 14:00-16:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das Seminar wendet sich dem performativen Phänomen der Virtuosität zu. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Erscheinungsformen musikalischer bzw. klangbezogener Virtuosität vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgehend von einer gerade in den letzten zehn Jahren verstärkt interdisziplinären Theoriebildung zum Virtuosen bzw. zu Virtuosität sollen diese anhand verschiedener Fallbeispiele auf ihre Brauchbarkeit hin untersucht werden. Ziel ist es, einerseits verschiedene ästhetische Strategien virtuoser Performances wie etwa Überbieten oder Scheitern herauszuarbeiten und diese andererseits im Blick auf Fragen der Notation, der Technik bzw. Technologie und sozialer Identitätskonstruktionen zu diskutieren. Vergleichend werden hierzu Beispiele aus der Theater- und Tanzwissenschaft herangezogen. Kenntnisse im Notenlesen sind nicht erforderlich.

    • 17534 Übung
      Theaterkritik (Georg Kasch)
      Zeit: Sa 10:00-17:00 (Erster Termin: 23.04.2022)
      Ort: KL 32/202 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45)

      Kommentar

      Was ist Theaterkritik? Wie verortet sie sich zwischen Journalismus, Aufführungsanalyse und künstlerischer Praxis? Welche anderen journalistischen Darstellungsformen gibt es? Die medienpraktische Übung zur Theaterkritik mit nachtkritik.de-Redakteur Georg Kasch will vor allem Praxis vermitteln. Mit Schreib- und stilistischen Übungen, mit Exkursen zu Formaten wie Interview, Reportage und Porträt. Geplant ist auch ein Blog, der das Performing Arts Festival Berlin (PAF) 2021 (24. bis 29. Mai) begleiten soll.

      Während der vier Termine des Blockseminars werden wir Grundlagen der journalistischen Praxis diskutieren und einen Blick auf Theaterkritik in Geschichte und Gegenwart werfen. Außerdem besprechen wir erste Schreibergebnisse. Bitte planen Sie zwischen den Terminen und in der Woche des PAF Zeit für das Schreiben eigener Texte ein.

      Die Termine des Blockseminars: 23. April, 30. April, 7. Mai, 14. Mai je 10-13 und 14-17 Uhr

      Performing Arts Festival Berlin: 24. bis 29. Mai 2022

      Zum Blog des Vorjahrs: https://performingarts-festival.de/de/entdecken/paf-blog

      Zur Festivalhomepage: https://performingarts-festival.de/de

    • 17535 Übung
      Heart of the City? Stadttheater, Spielplan, Politik (Johannes Nölting)
      Zeit: Di 10:00-14:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: SR I Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das 19. Jahrhundert brachte viele öffentliche Institutionen zutage, die auch heute noch zum Selbstverständnis einer bürgerlichen Stadtgesellschaft gehören: u.a. Zeitungen, Schwimmbäder und eben auch Stadttheater. Ein weithin bröckelndes Selbstverständnis allerdings. 

      Welche Bedeutung und welche Aufgabe haben die deutschen Stadttheater heute überhaupt noch? Welchen Auftrag erfüllen sie und welchen geben sie sich selbst?

      Die Übung nimmt das deutsche Stadttheatersystem in den Fokus und stellt sich (selbst)kritisch die Frage: Wozu die ganzen Theater? Wie sieht das Stadttheater des 21. Jahrhunderts aus? Ziel sind Analyse und Kritik des Systems Stadttheater sowie ein Über- und Einblick in die Programmierung eines Theaters zwischen künstlerischem Anspruch, politischen Auftrag und Publikum.

    • 17536 Übung
      Denken, Testen, Spielen (Alice Escher, Jeanne Louët)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 29.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Die Lehveranstaltung beginnt pünktlich s.t.

      Kommentar

      Und plötzlich steht mensch vor einer ganzen Landschaft aus auf dem Boden ausgebreiteter Textfetzen, gekritzelter Mindmaps, Bücher, Bildmaterial und was alles noch so Teil einer Recherche sein kann. Wie geht das jetzt weiter?

      In diesem Praxis-Seminar wollen wir mit euch den Prozess zwischen Recherche und Inspiration bis zur Inszenierung erforschen - Inszenierung verstehen wir hier im weitesten Sinne des „in Szene setzen“, welche Form auch immer diese annimmt.

      Wir als Dozentinnen mit Hintergründen in bildender Kunst, Bühnenbild, Medienkunst und Performance bieten mit diesem Seminar eine Methoden-Werkstatt an, in der der Sprung vom Konzept zur Praxis erforscht und ausprobiert wird. Wie kommt man vom Text zur Installation, von der Bildersammlung zur Performance, von den geführten Interviews zum Bu¨hnenvorgang? Was braucht mensch dafür, um ins Spielen zu kommen?

      Mit verschiedenen künstlerischen Methoden, Herangehensweisen, Arbeitsabla¨ufen wagen wir an von uns gesetzten sowie von euch mitgebrachten Themen und Inhalten den Sprung vom Denken ins Testen ins Spielen.

      Und finden im besten Fall: Wir sind das Gegenteil von verkopft!

  • Aufbaumodul Theatergeschichte

    0051dB1.2
    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17522 Proseminar
      (Nicht)Arbeit in den Künsten (Thekla Neuß, Lisa-Frederike Seidler)
      Zeit: Mi 14:00-16:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Fragen nach der Bedeutung und dem Verständnis von Arbeit haben in den Künsten seit einigen Jahren Konjunktur. In den Debatten um Arbeitsbedingungen von Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen werden aktuell (wieder) Produktionsweisen hinsichtlich ihrer Prekarität und der ihnen inhärenten Hierarchien problematisiert. Dabei ist die Beschreibung und Anerkennung von künstlerischer Tätigkeit als ‚Arbeit‘ nicht selbstverständlich, sondern verweist auf eine historisch wie theoretisch komplexe Gemengelage.

      Mit der Lektüre einiger grundlegender Texte zum Verständnis von Arbeit (u. a. Karl Marx, Hannah Arendt) und deren wechselvollen Verhältnis zu den Künsten, verschaffen wir uns einen Überblick über dieses Feld. Wir beschäftigen uns mit historischen Positionen, die seit etwa 1800 den Bereich des Ästhetischen geradewegs als einen Gegenpol zur Sphäre der Arbeit entwerfen. Darüber hinaus lesen wir jüngere kontrovers diskutierte Vorschläge, künstlerische Arbeitsweisen als Vorbild einer grundlegend gewandelten Arbeitskultur zu verstehen, deren Entwicklung nicht zuletzt mit neuen (prekären) Subjektivierungsweisen einhergeht (Luc Boltanski/Ève Chiapello, Andreas Reckwitz). Wir besprechen dazu ausgewählte Beispiele aus den darstellenden Künsten und fragen, welches Verständnis von Arbeit hier zum Tragen kommt beziehungsweise auf welche Weise Arbeit hier reflektiert oder gar suspendiert wird.

      Das Seminar basiert auf der Lektüre anspruchsvoller, theoretischer Texte. In Kleingruppen wird nach Methoden gesucht, um sich diesen Texten zu nähern und die forschende Tätigkeit des Lesens zu strukturieren. Gemeinsam soll reflektiert werden, welche Rolle die Lektüre und deren Diskussion für das theaterwissenschaftliche Studium und die Forschung spielen. Deshalb wird die Bereitschaft, sich auf selbstständige sowie kooperative Arbeitsformate einzulassen, vorausgesetzt, ihre Funktionsweise aber auch kritisch befragt.

    • 17525 Proseminar
      Bauen für die Demokratie. Theaterbau in der Nachkriegszeit (Halvard Schommatz, Marie-Charlott Schube)
      Zeit: Di 16:00-18:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Theaterbau avanciert im bundesrepublikanischen Wiederaufbau nach 1945 zu einer zentralen öffentlichen Bauaufgabe mit identitätspolitischer Bedeutung. Im begleitenden Theaterbaudiskurs verknüpfen sich die Wiederauf- und Neubauten der 1950er- und 1960er-Jahre mit Fragen des ‚zeitgemäßen‘ resp. ‚modernen‘ Theaters und seiner Bauform für eine demokratische Gesellschaft nach dem NS-Regime. Der Aufbau der neuen Theater vollzieht sich jedoch nicht im theaterbaulich leeren Raum: Vielmehr werden historische Wissensbestände von Theater, z. B. bzgl. Bühnenformen, Repräsentations- und Festvorstellungen, Technik oder Publikumskonzepten, neu bewertet, geordnet und aktualisiert. Das Seminar geht daher der Frage nach: Welche Konzepte von Theater und Öffentlichkeit, Kunst und Kultur sind dem Theaterbauwissen der Nachkriegsmoderne implizit eingeschrieben und baulich realisiert?

      Am Beispiel einschlägiger Theater- und Versammlungsbauten erschließen wir uns über historische Quellen (wie Fotos, Planmaterial, Schriftdokumente), Exkursionen (exemplarische Bauten im Berliner Raum, theaterhistorische Sammlungen) und Grundlagentexte der Architekturtheorie ihre Kontexte, spüren ihren Wissensressourcen nach und befragen die Bauten im Spannungsfeld von Kunst und Politik, Ästhetik und Technik, Moderne und Tradition.

      Vorgesehen sind Besuche der Theaterbausammlung des Architekturmuseums der TU Berlin und Einblicke in den Nachlass der Bühnentechniker-Familie Brandt in den theaterhist. Sammlungen der FU Berlin.

  • Aufbaumodul Theorie und Ästhetik

    0051dB1.3
    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17520 Proseminar
      Queer Stages: Gender und Sex/ualität in Theorie und Aufführung (Thore Martin Walch)
      Zeit: Mi 12:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das Wort „queer“ ist äußerst facettenreich: Ursprünglich „strange, odd“ bedeutend, entwickelte es sich erst zu einer homophoben Beleidigung und dann, in Wiederaneignung dieser Verwendung, zu einem umbrella term für Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Praktiken, die sich der heterosexuellen Norm entziehen. Zudem entwickelte sich in den 1980er und 90er Jahren mit den Queer Studies eine akademische Disziplin, die ein Nachdenken nicht nur über Geschlecht, sondern auch über Sexualität und Sex zum Anliegen hatte und immer noch hat. Fragestellungen und Perspektivierungen der so entstandenen Queer Theory lassen sich dabei auch mit anderen Fächern verknüpfen. In diesem Sinne versteht sich dieses Seminar als Einführung in das wissenschaftliche Nachdenken über Queerness mit besonderem Hinblick auf den Theater- und Performancebereich.

      Das Seminar verfolgt zwei Ziele, die durch die Doppelbedeutung des Wortes „Stages“ im Seminartitel angedeutet werden. Einmal im Sinne von „Stadien, Abschnitte“: Wir werden zu Beginn des Seminars einige einflussreiche Texte der Queer Studies lesen und diskutieren (u.a. von Eve Kosofsky Sedgwick, Jack Halberstam, Judith Butler). Zum anderen im Sinn von „Bühnen“: Wir werden uns mit der Darstellung von/Auseinandersetzung mit queeren Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Praxen in (v.a. künstlerischen) Aufführungen beschäftigen. Dabei sind – abhängig vom Angebot und der pandemischen Lage – auch Aufführungsbesuche in Berlin vorgesehen. Außerdem werden wir uns theaterwissenschaftliche Zugänge zu Queerness anschauen und auch danach fragen, was es bedeuten könnte, aus einer spezifisch queeren Perspektive auf Theater zu blicken.

      Das Seminar ist – unter Vorbehalt – als Präsenzveranstaltung geplant. Mitgebracht werden sollte die Bereitschaft zur Lektüre theoretischer Texte auf Englisch sowie zu Aufführungsbesuchen außerhalb der Seminarzeiten.

    • 17521 Proseminar
      Exkursion zu den "Wiener Festwochen" (Thekla Neuß, Lisa-Frederike Seidler)
      Zeit: Fr 18:00-20:00, zusätzliche Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 08.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Bitte beachten Sie, dass aus organisatorischen Gründen die verbindliche Anmeldung bis 19. April 2022 erfolgt. Ein späterer Einstieg in das Seminar ist deshalb nicht möglich.

      Wir bitten Sie außerdem bei Interesse an der Exkursion am Informationstreffen am 8. April zwischen 18-20 Uhr online via Webex teilzunehmen.

      Kommentar

      Die Wiener Festwochen sind eines der renommiertesten Festivals im deutschsprachigen Raum und präsentieren jedes Jahr ein vielseitiges Programm mit wegweisenden Produktionen internationaler Künstler:innen. Hier werden Tendenzen, Praktiken und Diskurse zeitgenössischer Theater-, Tanz- und Opernproduktion exemplarisch erkenn- und diskutierbar. Zusammen mit dem Institut für Theater, Film und Medien der Universität Wien (TFM) nehmen wir an einer Campus-Intensivwoche vom 18.-24. Mai 2022 teil. In diesem Rahmen besuchen wir jeden Abend Aufführungen (Drameninszenierungen, Projektarbeiten, Performances, Tanz, Installationen etc.) und lernen Wien als Festivalstandort aus einer praxisbezogenen Perspektive kennen. In täglichen Seminarsitzungen (13-18 Uhr) wird es Raum geben, um über Gesehenes zu diskutieren und mit Künstler:innen und Kurator:innen ins Gespräch zu kommen. Dadurch sollen neben der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, Formen und Ästhetiken Einblicke in Arbeitszusammenhänge und die Organisation eines internationalen Festivals gegeben werden. Darüber hinaus dient die Exkursion dazu, den Theater- und Forschungsstandort Wien kennenzulernen, deshalb sind Besuche im Theatermuseum und dem TFM-Institut geplant.

      Für die Exkursion wird eine Selbstbeteiligung von voraussichtlich 200,-€ p.P. zum 19.04.22 fällig.

      Anmeldung zum Informationsabend (08.04.22, 18-20 Uhr):

      Bei Interesse an der Exkursion bitten wir Sie, sich für die Informationsveranstaltung per Email anzumelden (thekla.neuss@fu-berlin.de). Sie erhalten daraufhin die Einladung zum Webex-Raum. Der Informationsabend dient der Vorstellung des Exkursionsprogramms und weiteren Anmeldemodalitäten. Bitte beachten Sie, dass eine reguläre Anmeldung via Campus Management nicht möglich ist.

      Zeitplan:

      08.04.22, 18-20 Uhr online via Webex nach Anmeldung per E-Mail

      19.04.22, Anmelde- & Zahlungsfrist

      29.04.22, 18-20 Uhr Institut für Theaterwissenschaft

      13.05.22, 18-20 Uhr Institut für Theaterwissenschaft

      18.-24.05.22, Exkursion nach Wien

      03.06.22, 18-20 Uhr Institut für Theaterwissenschaft

      Der erfolgreiche Abschluss des Seminars setzt die regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit an den Sitzungen vor, während und nach der Exkursion voraus; dazu gehört die Recherche und Präsentation von beim Festival vertretenen Künstler:innen sowie die Beschäftigung mit der Geschichte des Festivals. Das Seminar wird mit einem Leistungsnachweis entsprechend den Vorgaben der Prüfungsordnung abgeschlossen.

    • 17522 Proseminar
      (Nicht)Arbeit in den Künsten (Thekla Neuß, Lisa-Frederike Seidler)
      Zeit: Mi 14:00-16:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Fragen nach der Bedeutung und dem Verständnis von Arbeit haben in den Künsten seit einigen Jahren Konjunktur. In den Debatten um Arbeitsbedingungen von Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen werden aktuell (wieder) Produktionsweisen hinsichtlich ihrer Prekarität und der ihnen inhärenten Hierarchien problematisiert. Dabei ist die Beschreibung und Anerkennung von künstlerischer Tätigkeit als ‚Arbeit‘ nicht selbstverständlich, sondern verweist auf eine historisch wie theoretisch komplexe Gemengelage.

      Mit der Lektüre einiger grundlegender Texte zum Verständnis von Arbeit (u. a. Karl Marx, Hannah Arendt) und deren wechselvollen Verhältnis zu den Künsten, verschaffen wir uns einen Überblick über dieses Feld. Wir beschäftigen uns mit historischen Positionen, die seit etwa 1800 den Bereich des Ästhetischen geradewegs als einen Gegenpol zur Sphäre der Arbeit entwerfen. Darüber hinaus lesen wir jüngere kontrovers diskutierte Vorschläge, künstlerische Arbeitsweisen als Vorbild einer grundlegend gewandelten Arbeitskultur zu verstehen, deren Entwicklung nicht zuletzt mit neuen (prekären) Subjektivierungsweisen einhergeht (Luc Boltanski/Ève Chiapello, Andreas Reckwitz). Wir besprechen dazu ausgewählte Beispiele aus den darstellenden Künsten und fragen, welches Verständnis von Arbeit hier zum Tragen kommt beziehungsweise auf welche Weise Arbeit hier reflektiert oder gar suspendiert wird.

      Das Seminar basiert auf der Lektüre anspruchsvoller, theoretischer Texte. In Kleingruppen wird nach Methoden gesucht, um sich diesen Texten zu nähern und die forschende Tätigkeit des Lesens zu strukturieren. Gemeinsam soll reflektiert werden, welche Rolle die Lektüre und deren Diskussion für das theaterwissenschaftliche Studium und die Forschung spielen. Deshalb wird die Bereitschaft, sich auf selbstständige sowie kooperative Arbeitsformate einzulassen, vorausgesetzt, ihre Funktionsweise aber auch kritisch befragt.

    • 17523a Proseminar
      Musical Theater Studies, Film Musical Studies und Gegenwartsmusical post-1995: Forschungstrends zu Bühne und Film (Frédéric Osbert Döhl)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Einführungsveranstaltungi (Online), Hörsaal, KL 32/202 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45) - siehe Termine

      Hinweise für Studierende

      Die Einführungsveranstaltung am 19. April 2022 findet von 18-20 Uhr online statt! Der Seminarraum III steht für die Einführungsveranstaltung am 19. April 2022 in der Zeit von 18-20 Uhr zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende, die ev. vorher eine andere LV vor Ort besuchen, die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Einführung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Das Seminar ist eine Mischung aus Lektürekurs und Übung. Es wird ausgewählte aktuelle Forschungsliteratur der Musical Theater Studies und der Film Musical Studies zum Gegenwartsmusical (post-1995) aufgearbeitet. Inhaltliche Ziele sind die Einführung in zentrale Entwicklungen des Gegenwartsmusicals, die Einführung in aktuelle Forschungstrends dazu und die Einführung in Etablierung und jüngere Entwicklung dieses Forschungsfeldes generell, das in diesem Zeitraum im angloamerikanischen Raum von großer Dynamik geprägt war. Pädagogisch soll erreicht werden, Intensität und Niveau der wissenschaftlichen Sekundärliteraturarbeit anzuheben. Beides erweist sich in Abschlussarbeiten zum Musical leider oft als ausbaufähig. In Zentrum steht daher die Fertigkeit, systematisch Exzerpte von wissenschaftlichen Beiträgen zu erarbeiten und diese als Basis für eigene, darauf aufbauende wissenschaftliche Texte zu nutzen.

    • 17524 Proseminar
      Musikalische Virtuosität (Camilla Bork)
      Zeit: Mo 14:00-16:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Das Seminar wendet sich dem performativen Phänomen der Virtuosität zu. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Erscheinungsformen musikalischer bzw. klangbezogener Virtuosität vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgehend von einer gerade in den letzten zehn Jahren verstärkt interdisziplinären Theoriebildung zum Virtuosen bzw. zu Virtuosität sollen diese anhand verschiedener Fallbeispiele auf ihre Brauchbarkeit hin untersucht werden. Ziel ist es, einerseits verschiedene ästhetische Strategien virtuoser Performances wie etwa Überbieten oder Scheitern herauszuarbeiten und diese andererseits im Blick auf Fragen der Notation, der Technik bzw. Technologie und sozialer Identitätskonstruktionen zu diskutieren. Vergleichend werden hierzu Beispiele aus der Theater- und Tanzwissenschaft herangezogen. Kenntnisse im Notenlesen sind nicht erforderlich.

    • 17525 Proseminar
      Bauen für die Demokratie. Theaterbau in der Nachkriegszeit (Halvard Schommatz, Marie-Charlott Schube)
      Zeit: Di 16:00-18:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Theaterbau avanciert im bundesrepublikanischen Wiederaufbau nach 1945 zu einer zentralen öffentlichen Bauaufgabe mit identitätspolitischer Bedeutung. Im begleitenden Theaterbaudiskurs verknüpfen sich die Wiederauf- und Neubauten der 1950er- und 1960er-Jahre mit Fragen des ‚zeitgemäßen‘ resp. ‚modernen‘ Theaters und seiner Bauform für eine demokratische Gesellschaft nach dem NS-Regime. Der Aufbau der neuen Theater vollzieht sich jedoch nicht im theaterbaulich leeren Raum: Vielmehr werden historische Wissensbestände von Theater, z. B. bzgl. Bühnenformen, Repräsentations- und Festvorstellungen, Technik oder Publikumskonzepten, neu bewertet, geordnet und aktualisiert. Das Seminar geht daher der Frage nach: Welche Konzepte von Theater und Öffentlichkeit, Kunst und Kultur sind dem Theaterbauwissen der Nachkriegsmoderne implizit eingeschrieben und baulich realisiert?

      Am Beispiel einschlägiger Theater- und Versammlungsbauten erschließen wir uns über historische Quellen (wie Fotos, Planmaterial, Schriftdokumente), Exkursionen (exemplarische Bauten im Berliner Raum, theaterhistorische Sammlungen) und Grundlagentexte der Architekturtheorie ihre Kontexte, spüren ihren Wissensressourcen nach und befragen die Bauten im Spannungsfeld von Kunst und Politik, Ästhetik und Technik, Moderne und Tradition.

      Vorgesehen sind Besuche der Theaterbausammlung des Architekturmuseums der TU Berlin und Einblicke in den Nachlass der Bühnentechniker-Familie Brandt in den theaterhist. Sammlungen der FU Berlin.

  • Vertiefungsmodul Gegenwartstheater

    0051dC1.1
    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17540 Hauptseminar
      Aufführung im Kontext (Matthias Warstat)
      Zeit: Mi 16:00-18:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR IV Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Theaterwissenschaft hat in den zurückliegenden Jahren ein verstärktes Interesse an den gesellschaftlichen, kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen von Aufführungen entwickelt. Aufführungen entstehen nicht aus dem Nichts und operieren nicht allein auf weiter Flur. Ihnen gehen oft lange, aufwendige Produktions- und Probenprozesse voraus. Die einstudierten Darbietungen treffen auf ein Publikum, dessen Mitglieder in bestimmten sozialen Milieus verankert oder in konkrete politische Konflikte verstrickt sind und die je eigene Erwartungen an das Theater herantragen. Auch gibt es öffentliche Theaterdiskurse, die sich unabhängig von einzelnen Inszenierungen entwickeln, aber dennoch nicht ohne Auswirkung auf ein Aufführungsgeschehen bleiben. Viele Theaterwissenschaftler*innen spüren deshalb eine Notwendigkeit, Aufführungen „im Kontext“ zu betrachten, sie also zu ihrer soziokulturellen und politischen Umgebung in Beziehung zu setzen: An wen ist eine Theaterinszenierung adressiert und wen spricht sie tatsächlich an? Welches sind die materiellen und institutionellen Voraussetzungen, die bestimmte Performances möglich machen und andere verhindern? Welche sozialen Ein- und Ausschlussmechanismen wirken in der Theaterpraxis? Für die Theaterwissenschaft stellt sich das Problem, wie – mit welchen Methoden und Ansätzen – solche Fragen untersucht werden können: Aufführungsanalysen alleine reichen dafür womöglich nicht aus, sondern müssten mit weiteren Verfahren kombiniert werden. Solche Erweiterungen der Aufführungsanalyse sollen im Seminar diskutiert und erprobt werden. Das Seminar eignet sich auch zur Vorbereitung auf Bachelorarbeiten im Bereich Gegenwartstheater, weil viele praktische Probleme des aufführungsanalytischen Arbeitens besprochen werden sollen. Auch gemeinsame Aufführungsbesuche und -diskussionen sind vorgesehen.

    • 17542 Hauptseminar
      Positionen des zeitgenössischen Musiktheaters. Seminar mit Exkursion zur Münchner Biennale für Musiktheater 10.-15.5 2022 (Camilla Bork)
      Zeit: Di 16:00-18:00, zusätzliche Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 26.04.2022)
      Ort: SR I Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Aufgrund der geplanten Exkursion vom 10.-15. Mai 2022 müssen verbindliche Anmeldungen bereits zur ersten Seminarsitzung am 26.04.2022 erfolgen. Bitte senden Sie Ihren Anmeldewunsch zur Lehrveranstaltung an Frau Aubram (Sekretariat Prof. Bork, simone.aubram@fu-berlin.de). Eine Anmeldung via CampusManagement oder eine spätere Anmeldung sind aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

      Kommentar

      Das Seminar führt in Positionen des zeitgenössischen Musiktheaters ein. Anhand von Fallbeispielen wollen wir uns einen Überblick verschaffen über ästhetische Strategien in Komposition und Inszenierung, verschiedene Formen der Zusammenarbeit beteiligter KünstlerInnen sowie über aktuelle Debatten zu möglichen gesellschaftlichen Funktionen und Bedeutungen des Musiktheaters. Im Zentrum steht dabei eine Exkursion zur Münchener Biennale für zeitgenössisches Musiktheater. Die Biennale ist eines der weltweit führenden Uraufführungsfestivals. Sie bietet einen idealen Ort, um sich einen Überblick über gegenwärtige Tendenzen im Musiktheater zu verschaffen und zugleich Theorien und Analysemethoden zu erproben. Gemeinsam mit Studierenden der Kompositionsklassen der UdK Berlin und der Musikhochschule Dresden sowie Studierenden der Theaterwissenschaft der LMU München nehmen die Studierenden dieses Seminars an einem fünftägigen Campusprogramm teil, das von den Dozierenden aller beteiligten Hochschulen gemeinsam entwickelt wurde. Täglich finden mehrstündige Seminarveranstaltungen und Impulsvorträge statt zu aktuellen Themen des Musiktheaters sowie vor- und nachbereitende Sitzungen zu den Aufführungsbesuchen. Darüber hinaus stehen Diskussionen mit beteiligten KünstlerInnen, KuratorInnen und DramaturgInnen auf dem Programm sowie mit den beiden Intendanten. Die Exkursion wird flankiert durch vor- und nachbereitende Seminarsitzungen. Diese führen ein in Methoden der Musiktheateranalyse sowie in unterschiedliche theoretische Auffassungen von Musiktheater. Kenntnisse im Notenlesen sind nicht erforderlich.

    • 17544 Hauptseminar
      Zum 'non-human turn': Objekte und Apparaturen im Zirkus (Franziska Trapp)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Di Online, Fr SR IV Seminarraum (Grunewaldstr. 35), Sa KL 32/102 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45)

      Kommentar

      The force of art is precisely that it is more than human. (Manning 2015, S. 65)

      In den letzten Jahrzehnten hat der non-human turn Einzug in die Geisteswissenschaften gehalten. Er wird „als neue[s] Paradigma abendländischen Denkens“ (Folkers 2013, S. 17) verhandelt und umfasst eine Vielzahl an Strömungen. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Zirkusszene, wird deutlich, dass dieses Umdenken keineswegs auf die akademische Welt beschränkt ist, sondern auch in (Interaktion mit) der künstlerischen Welt stattfindet – so auch in (Interaktion mit) der Welt des Zirkus.

      Was aber unterscheidet ein nicht-anthropozentrisches Stück von anthropozentrischen Aufführungen? Obwohl im Zirkus die Interaktion von menschlichen und nicht-menschlichen Handlungsträgern grundlegend ist, kann der Traditionelle Zirkus, der u.a. mithilfe einer babylonischen Programmstruktur, die die Elemente nach Schwierigkeitsgrad staffelt, und der Unterstreichung der Ästhetik des Risikos durch Trommelwirbel und das dreimalige Misslingen von Tricks die außergewöhnlichen, heroischen Fähigkeiten des Menschen propagiert, als Sinnbild für den Anthropozentrismus gesehen werden. Er stellt also geradezu den Gegenpol zum beschriebenen non-human turn dar. Im Zeitgenössischen Zirkus, der seit Ende der neunziger Jahre Einzug in die internationale Kunst- und Theaterlandschaft hält, sind wir in diesem Zusammenhang mit dem Paradox konfrontiert, dass die Beherrschung der Apparaturen die Voraussetzung ist, um eben jene Beherrschung zu problematisieren. Wenn wir also davon ausgehen, dass ein zeitgenössisches Zirkusstück als Stück des non-human turn klassifiziert werden kann, steht nicht die tatsächliche Veränderung der Relation von menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten im Vergleich zum Traditionellen Zirkus im Fokus, sondern vielmehr die Veränderung der Inszenierung dieser Relation, die die Rezipient*innen zu einem Perspektivwechsel einlädt.

      In Kooperation mit Partner*innen aus der Praxis wagen wir im Seminar ein heuristisches Experiment: Wie verändert sich unser Blick und zu welchen neuen Resultaten gelangen wir bei der Analyse von Aufführungen, wenn wir von einer agency der Objekte und Apparaturen ausgehen?

      Am 05.05.2022 findet ein gemeinsamer Besuch der Aufführung „The Elephant in the Room“ im Chamäleon Theater statt. Für die Seminargruppe wurden bereits Karten reserviert. 

      Lektüreliste (Auswahl):

      Folkers, Andreas: „Was ist neu am neuen Materialismus? Von der Praxis zum Ereignis“. in: Goll, Tobias/ Keil, Daniel/ Telios, Thomas (Hg.): Critical Matter. Diskussionen eines neuen Materialismus. Münster 2013. S. 17-35.

      Grusin, Richard A. (Hg.): The nonhuman turn. Minneapolis 2015.

      Lavers, Katie/ Leroux, Louis Patrick/ Burtt John (Hg.): Contemporary circus. Abingdon 2019.

      Manning, Erin: „Artfulness“, in: Grusin, Richard A. (Hg): The nonhuman turn. Minneapolis 2015, S. 65.

      Tait, Peta: „Risk, Danger and Other Paradoxes in Circus and Circus Oz Parody“. in: Tait, Peta/ Lavers, Katie (Hg.): The Routledge Circus Studies Reader. New York, London 2016. S. 528-545.

      Trapp, Franziska: Lektüren des Zeitgenössischen Zirkus. Berlin/Boston, 2020.

    • 17545 Hauptseminar
      Freie Szene: Geschichte(n), Institutionen, Strukturen und Ästhetiken (Theresa Schütz)
      Zeit: Mi 12:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Bezeichnung „Freie Szene“ verweist auf die Gesamtheit „frei produzierender Künstler*innen, Ensembles, Einrichtungen und Strukturen in freier Trägerschaft aus allen Bereichen, einschließlich Bildende Kunst, Tanz, Schauspiel, Performance, Neue Medien [...] bis zur Neuen Musik, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater, Literatur sowie spartenübergreifender und transdisziplinärer Formate.“ (Koalition der Freien Szene Berlin). Neben der Finanzierung ist es vor allem auch die Struktur der Kunstproduktion, die die Freie Szene (z. B. im Bereich der darstellenden Künste) von den Stadt- und Staatstheatern sowie Privattheatern unterscheidet. Schließlich verweist die Freiheit im Sammelbegriff auf die Möglichkeit machtkritischer, hierarchieärmerer, kollektiver Arbeitsweisen. Nicht selten erwachsen daraus ästhetische Innovationen, werden neue Formen und Formate entwickelt oder gesellschaftspolitische Diskurse angestoßen. Die Schattenseite jener Freiheit im Sinne einer potentiellen institutionellen Unabhängigkeit ist die Verstrickung von Akteur*innen der Freien Szene in neoliberale Projekt-Logiken und toxische Selbstausbeutungsmechanismen, die ihrerseits Gegenstand kritischer Reflexion sind. 

      Das Seminar setzt historisch bei der Herausbildung der Freien Szene im deutschsprachigen Raum seit den sechziger Jahren in der BRD wie auch DDR an und zeichnet entlang ausgewählter Institutionen, Künstler*innen-Gruppen und Kollektive wesentliche Ziele alternativer Arbeitsweisen und Lebensformen im Feld ‚freier‘ ästhetischer Kunstproduktion nach. Es macht Halt in den achtziger und neunziger Jahren, um einen Blick auf den Zusammenhang der Institutionalisierung angewandter Theaterwissenschaft und einer neuen Generation von Performancekollektiven wie z. B. She She Pop, Gob Squad oder Rimini Protokoll zu werfen, die mit ihren Produktionen bis heute das Gegenwartstheater prägen. Der Schwerpunkt des Seminars liegt dann auf dem Kennen- und Verstehen-Lernen der aktuellen „Freie Szene“ Berlins, ihrer Förderstrukturen, Netzwerke und Bündnisse, Institutionen, Künstler*innen, prägnantesten Ästhetiken und Diskursstränge sowie kulturpolitischen Ziele – und damit zum einen auf dem gemeinsamen Besuch zahlreicher Häuser und Aufführungen und zum anderen auf dem Austausch mit Akteuren aus der Szene, die ins Seminar eingeladen werden.

      Zur Vorbereitung empfiehlt sich ein Blick in: Henning Fülle: Freies Theater. Die Modernisierung der deutschen Theaterlandschaft. Berlin 2016 sowie Openings. Sophiensæle 2011-2021. Berlin 2021.

  • Vertiefungsmodul Theatergeschichte

    0051dC2.1
    • 16480 Hauptseminar/Projektseminar
      Digitale Dramenanalyse (Frank Fischer)
      Zeit: Mi 16:00-18:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: KL 29/135 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45)

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorbemerkung: Die Digital-Humanities-Lehrveranstaltungen setzen auch in diesem Semester keine Kenntnisse in diesem Bereich voraus und sind als breite Einführung sowohl für M.A.-Studierende als auch B.A.-Studierende in der Vertiefungsphase gedacht.

      Kommentar

      Dieses Seminar setzt keine Vorkenntnisse im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften voraus. Vielmehr dient die umfassende digitale Analyse dramatischer Texte zu einer breit angelegten Beschäftigung mit neuartigen Methoden in den Literaturwissenschaften. Damit zielt die Veranstaltung auch auf die Vermittlung grundlegender digitaler Fertigkeiten, die für das gesamte Studium und darüber hinaus vonnutzen sein können. Der Fokus liegt dabei auf dem deutschsprachigen Drama von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, bezieht aber die Dramenproduktion anderer europäischer Literaturen seit der Antike mit ein. Untersucht werden nicht nur Volltexte, sondern auch die Vernetzung dramatischer Werke mit der digitalen Umgebung (Enzyklopädien, Faktendatenbanken, digitalisierte Aufführungszeugnisse). Dabei wird auch das Verhältnis zwischen den Ergebnissen digitaler Ansätze und denen traditionellerer Interpretationsmodelle kritisch diskutiert.

    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17541 Hauptseminar
      Der Zauber der Maske. Zur Rezeption der Commedia dell’arte im europäischen Theater der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts (Swetlana Lukanitschewa)
      Zeit: Fr 14:00-18:00 (Erster Termin: 29.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Die LV findet 14-tägig statt.

      Kommentar

      Vsevolod Meyerhold und Aleksandr Tairov, Nikolai Evreinov und Jacques Copeau, Gordon Craig und Evgenij Vachtangov – erwa¨hnt sind nur einige und bedeutendste aus der ganzen Reihe der Theatermacher, die sich in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach einer neuen Theatersprache einiger Elemente, Motive und Figuren der italienischen Stegreifkomödie bedient haben. Die Grundzüge der Commedia dell’arte schienen den Programmen der Theaterreformer, die trotz inhaltlicher Differenzen alle auf die Entliterarisierung der szenischen Handlung und die Entwicklung der Strategien der Überwindung der Rampe zielten, entgegenzukommen: Wichtiger Bestandteil der Aufführungen der Commedia war die Pantomime, die den Blick auf die performative Dynamik sowie auf die enorm hohe gestische und mimische Ausdruckskraft des Körpers der Schauspieler öffnete. Den Aufführungen lagen keine geschriebenen Stücke zugrunde. Zu dem besonderen Reiz, den die Commedia dell’arte in der Zeit um die Jahrhundertwende ausübte, trug auch die Tatsache bei, dass die Maskenkomo¨die mit ihren endlosen Verwechselungen und Verkleidungen dem Lebensgefühl der Menschen der Jahrhundertwende entgegenkam. Das Seminar ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil soll ein detaillierter Blick in die Entstehungszeit der Commedia dell’arte – Mitte des 16. Jahrhunderts – geworfen werden. Im Fokus der Diskussion stehen Charakteristiken der Maskenfiguren und die bis zu einer Vollkommenheit gebrachten Kunstfertigkeiten, die für Mitglieder der wandernden Commedia dell’arte-Truppen obligatorisch waren. In den Fokus des zweiten Teils rückt das Phänomen der Wiederentdeckung der Commedia dell’arte im europäischen Theater der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts, das anhand theoretischer Schriften von Gordon Craig, Vsevolod Meyerhold, Nikolai Evreinov, Aleksandr Tairov, Evgenij Vachtangov sowie Theaterstücke von Arthur Schnitzler, Rudolf Lothar, Aleksandr Blok u. a. diskutiert werden soll.

    • 17543 Hauptseminar
      Institutionalisierung und (Ent-)Kollektivierung: Die Theaterlandschaft im geteilten Berlin (Hans Roth)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      +++ Bitte beachten: Das Seminar findet als Blockseminar statt +++

      Kommentar

      Die jüngere Berliner Theatergeschichte ist in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Anschauungsbeispiel für Dynamiken des institutionellen Wandels: In den Jahren um 1961 und 1989 erlebte die Berliner Theaterlandschaft zweimal binnen kurzer Zeit eine tiefgreifende, durch den Bau und den Fall der Berliner Mauer enorm beschleunigte Umgestaltung. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar den Wechselwirkungen zwischen (Ent-)Kollektivierungs- und Institutionalisierungsprozessen im Theater des geteilten und wiedervereinigten Berlin. An ausgewählten Fallbeispielen, die inszenierungs- und diskursanalytisch in den Blick genommen werden sollen, untersuchen wir Veränderungen und Wechselverhältnisse zwischen gesellschaftlichen Formen der (Ent-)Kollektivierung und den kollektiven Produktions- und Rezeptionsformen der Institution Theater.
      Das Seminar wird, neben einer Einführungs- und einer Abschlusssitzung, hauptsächlich als Blockveranstaltung an drei aufeinanderfolgenden Samstagen im Juli stattfinden, wobei jeder der drei Blöcke einen unterschiedlichen Zeitraum fokussiert. Am 02.07. wird es zunächst um kulturpolitische und ästhetisch-theoretische Konfliktlinien im Ostberliner Theater der 1950er und der frühen 1960er Jahre gehen. Ein einschlägiges Beispiel wäre in diesem Zusammenhang der Skandal um Die Umsiedlerin von Heiner Müller, die zum Ausschluss Müllers aus dem Schriftstellerverband der DDR führte. Der zweite Block am 09.07. widmet sich der geteilten Berliner Theaterlandschaft im engeren Sinn und nimmt die Situation nach dem Bau der Berliner Mauer und in den 1970er Jahren in den Blick, bspw. anhand der Ost- und Westberliner Volksbühne. Der letzte Block, der am 16.07. stattfinden wird, thematisiert schließlich das institutionelle Gefüge um und nach 1989. 

      Voraussetzung für die erfolgreiche Seminarteilnahme ist die Anwesenheit und aktive Mitwirkung an allen drei Blockterminen sowie die Übernahme eines Referats oder einer vergleichbaren Arbeitsaufgabe. Die Referatsthemen werden in der Einführungssitzung am 20.04. verteilt. Das Seminar wird mit einer etwa 20-seitigen Hausarbeit abgeschlossen. 

  • Vertiefungsmodul Theorie und Ästhetik

    0051dC3.1
    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17540 Hauptseminar
      Aufführung im Kontext (Matthias Warstat)
      Zeit: Mi 16:00-18:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR IV Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Theaterwissenschaft hat in den zurückliegenden Jahren ein verstärktes Interesse an den gesellschaftlichen, kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen von Aufführungen entwickelt. Aufführungen entstehen nicht aus dem Nichts und operieren nicht allein auf weiter Flur. Ihnen gehen oft lange, aufwendige Produktions- und Probenprozesse voraus. Die einstudierten Darbietungen treffen auf ein Publikum, dessen Mitglieder in bestimmten sozialen Milieus verankert oder in konkrete politische Konflikte verstrickt sind und die je eigene Erwartungen an das Theater herantragen. Auch gibt es öffentliche Theaterdiskurse, die sich unabhängig von einzelnen Inszenierungen entwickeln, aber dennoch nicht ohne Auswirkung auf ein Aufführungsgeschehen bleiben. Viele Theaterwissenschaftler*innen spüren deshalb eine Notwendigkeit, Aufführungen „im Kontext“ zu betrachten, sie also zu ihrer soziokulturellen und politischen Umgebung in Beziehung zu setzen: An wen ist eine Theaterinszenierung adressiert und wen spricht sie tatsächlich an? Welches sind die materiellen und institutionellen Voraussetzungen, die bestimmte Performances möglich machen und andere verhindern? Welche sozialen Ein- und Ausschlussmechanismen wirken in der Theaterpraxis? Für die Theaterwissenschaft stellt sich das Problem, wie – mit welchen Methoden und Ansätzen – solche Fragen untersucht werden können: Aufführungsanalysen alleine reichen dafür womöglich nicht aus, sondern müssten mit weiteren Verfahren kombiniert werden. Solche Erweiterungen der Aufführungsanalyse sollen im Seminar diskutiert und erprobt werden. Das Seminar eignet sich auch zur Vorbereitung auf Bachelorarbeiten im Bereich Gegenwartstheater, weil viele praktische Probleme des aufführungsanalytischen Arbeitens besprochen werden sollen. Auch gemeinsame Aufführungsbesuche und -diskussionen sind vorgesehen.

    • 17543 Hauptseminar
      Institutionalisierung und (Ent-)Kollektivierung: Die Theaterlandschaft im geteilten Berlin (Hans Roth)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR II Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      +++ Bitte beachten: Das Seminar findet als Blockseminar statt +++

      Kommentar

      Die jüngere Berliner Theatergeschichte ist in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Anschauungsbeispiel für Dynamiken des institutionellen Wandels: In den Jahren um 1961 und 1989 erlebte die Berliner Theaterlandschaft zweimal binnen kurzer Zeit eine tiefgreifende, durch den Bau und den Fall der Berliner Mauer enorm beschleunigte Umgestaltung. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar den Wechselwirkungen zwischen (Ent-)Kollektivierungs- und Institutionalisierungsprozessen im Theater des geteilten und wiedervereinigten Berlin. An ausgewählten Fallbeispielen, die inszenierungs- und diskursanalytisch in den Blick genommen werden sollen, untersuchen wir Veränderungen und Wechselverhältnisse zwischen gesellschaftlichen Formen der (Ent-)Kollektivierung und den kollektiven Produktions- und Rezeptionsformen der Institution Theater.
      Das Seminar wird, neben einer Einführungs- und einer Abschlusssitzung, hauptsächlich als Blockveranstaltung an drei aufeinanderfolgenden Samstagen im Juli stattfinden, wobei jeder der drei Blöcke einen unterschiedlichen Zeitraum fokussiert. Am 02.07. wird es zunächst um kulturpolitische und ästhetisch-theoretische Konfliktlinien im Ostberliner Theater der 1950er und der frühen 1960er Jahre gehen. Ein einschlägiges Beispiel wäre in diesem Zusammenhang der Skandal um Die Umsiedlerin von Heiner Müller, die zum Ausschluss Müllers aus dem Schriftstellerverband der DDR führte. Der zweite Block am 09.07. widmet sich der geteilten Berliner Theaterlandschaft im engeren Sinn und nimmt die Situation nach dem Bau der Berliner Mauer und in den 1970er Jahren in den Blick, bspw. anhand der Ost- und Westberliner Volksbühne. Der letzte Block, der am 16.07. stattfinden wird, thematisiert schließlich das institutionelle Gefüge um und nach 1989. 

      Voraussetzung für die erfolgreiche Seminarteilnahme ist die Anwesenheit und aktive Mitwirkung an allen drei Blockterminen sowie die Übernahme eines Referats oder einer vergleichbaren Arbeitsaufgabe. Die Referatsthemen werden in der Einführungssitzung am 20.04. verteilt. Das Seminar wird mit einer etwa 20-seitigen Hausarbeit abgeschlossen. 

    • 17544 Hauptseminar
      Zum 'non-human turn': Objekte und Apparaturen im Zirkus (Franziska Trapp)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Di Online, Fr SR IV Seminarraum (Grunewaldstr. 35), Sa KL 32/102 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45)

      Kommentar

      The force of art is precisely that it is more than human. (Manning 2015, S. 65)

      In den letzten Jahrzehnten hat der non-human turn Einzug in die Geisteswissenschaften gehalten. Er wird „als neue[s] Paradigma abendländischen Denkens“ (Folkers 2013, S. 17) verhandelt und umfasst eine Vielzahl an Strömungen. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Zirkusszene, wird deutlich, dass dieses Umdenken keineswegs auf die akademische Welt beschränkt ist, sondern auch in (Interaktion mit) der künstlerischen Welt stattfindet – so auch in (Interaktion mit) der Welt des Zirkus.

      Was aber unterscheidet ein nicht-anthropozentrisches Stück von anthropozentrischen Aufführungen? Obwohl im Zirkus die Interaktion von menschlichen und nicht-menschlichen Handlungsträgern grundlegend ist, kann der Traditionelle Zirkus, der u.a. mithilfe einer babylonischen Programmstruktur, die die Elemente nach Schwierigkeitsgrad staffelt, und der Unterstreichung der Ästhetik des Risikos durch Trommelwirbel und das dreimalige Misslingen von Tricks die außergewöhnlichen, heroischen Fähigkeiten des Menschen propagiert, als Sinnbild für den Anthropozentrismus gesehen werden. Er stellt also geradezu den Gegenpol zum beschriebenen non-human turn dar. Im Zeitgenössischen Zirkus, der seit Ende der neunziger Jahre Einzug in die internationale Kunst- und Theaterlandschaft hält, sind wir in diesem Zusammenhang mit dem Paradox konfrontiert, dass die Beherrschung der Apparaturen die Voraussetzung ist, um eben jene Beherrschung zu problematisieren. Wenn wir also davon ausgehen, dass ein zeitgenössisches Zirkusstück als Stück des non-human turn klassifiziert werden kann, steht nicht die tatsächliche Veränderung der Relation von menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten im Vergleich zum Traditionellen Zirkus im Fokus, sondern vielmehr die Veränderung der Inszenierung dieser Relation, die die Rezipient*innen zu einem Perspektivwechsel einlädt.

      In Kooperation mit Partner*innen aus der Praxis wagen wir im Seminar ein heuristisches Experiment: Wie verändert sich unser Blick und zu welchen neuen Resultaten gelangen wir bei der Analyse von Aufführungen, wenn wir von einer agency der Objekte und Apparaturen ausgehen?

      Am 05.05.2022 findet ein gemeinsamer Besuch der Aufführung „The Elephant in the Room“ im Chamäleon Theater statt. Für die Seminargruppe wurden bereits Karten reserviert. 

      Lektüreliste (Auswahl):

      Folkers, Andreas: „Was ist neu am neuen Materialismus? Von der Praxis zum Ereignis“. in: Goll, Tobias/ Keil, Daniel/ Telios, Thomas (Hg.): Critical Matter. Diskussionen eines neuen Materialismus. Münster 2013. S. 17-35.

      Grusin, Richard A. (Hg.): The nonhuman turn. Minneapolis 2015.

      Lavers, Katie/ Leroux, Louis Patrick/ Burtt John (Hg.): Contemporary circus. Abingdon 2019.

      Manning, Erin: „Artfulness“, in: Grusin, Richard A. (Hg): The nonhuman turn. Minneapolis 2015, S. 65.

      Tait, Peta: „Risk, Danger and Other Paradoxes in Circus and Circus Oz Parody“. in: Tait, Peta/ Lavers, Katie (Hg.): The Routledge Circus Studies Reader. New York, London 2016. S. 528-545.

      Trapp, Franziska: Lektüren des Zeitgenössischen Zirkus. Berlin/Boston, 2020.

    • 17545 Hauptseminar
      Freie Szene: Geschichte(n), Institutionen, Strukturen und Ästhetiken (Theresa Schütz)
      Zeit: Mi 12:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Bezeichnung „Freie Szene“ verweist auf die Gesamtheit „frei produzierender Künstler*innen, Ensembles, Einrichtungen und Strukturen in freier Trägerschaft aus allen Bereichen, einschließlich Bildende Kunst, Tanz, Schauspiel, Performance, Neue Medien [...] bis zur Neuen Musik, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater, Literatur sowie spartenübergreifender und transdisziplinärer Formate.“ (Koalition der Freien Szene Berlin). Neben der Finanzierung ist es vor allem auch die Struktur der Kunstproduktion, die die Freie Szene (z. B. im Bereich der darstellenden Künste) von den Stadt- und Staatstheatern sowie Privattheatern unterscheidet. Schließlich verweist die Freiheit im Sammelbegriff auf die Möglichkeit machtkritischer, hierarchieärmerer, kollektiver Arbeitsweisen. Nicht selten erwachsen daraus ästhetische Innovationen, werden neue Formen und Formate entwickelt oder gesellschaftspolitische Diskurse angestoßen. Die Schattenseite jener Freiheit im Sinne einer potentiellen institutionellen Unabhängigkeit ist die Verstrickung von Akteur*innen der Freien Szene in neoliberale Projekt-Logiken und toxische Selbstausbeutungsmechanismen, die ihrerseits Gegenstand kritischer Reflexion sind. 

      Das Seminar setzt historisch bei der Herausbildung der Freien Szene im deutschsprachigen Raum seit den sechziger Jahren in der BRD wie auch DDR an und zeichnet entlang ausgewählter Institutionen, Künstler*innen-Gruppen und Kollektive wesentliche Ziele alternativer Arbeitsweisen und Lebensformen im Feld ‚freier‘ ästhetischer Kunstproduktion nach. Es macht Halt in den achtziger und neunziger Jahren, um einen Blick auf den Zusammenhang der Institutionalisierung angewandter Theaterwissenschaft und einer neuen Generation von Performancekollektiven wie z. B. She She Pop, Gob Squad oder Rimini Protokoll zu werfen, die mit ihren Produktionen bis heute das Gegenwartstheater prägen. Der Schwerpunkt des Seminars liegt dann auf dem Kennen- und Verstehen-Lernen der aktuellen „Freie Szene“ Berlins, ihrer Förderstrukturen, Netzwerke und Bündnisse, Institutionen, Künstler*innen, prägnantesten Ästhetiken und Diskursstränge sowie kulturpolitischen Ziele – und damit zum einen auf dem gemeinsamen Besuch zahlreicher Häuser und Aufführungen und zum anderen auf dem Austausch mit Akteuren aus der Szene, die ins Seminar eingeladen werden.

      Zur Vorbereitung empfiehlt sich ein Blick in: Henning Fülle: Freies Theater. Die Modernisierung der deutschen Theaterlandschaft. Berlin 2016 sowie Openings. Sophiensæle 2011-2021. Berlin 2021.

  • Vertiefungsmodul Theater, andere Künste und Medien

    0051dC4.1
    • 16336 Praxisseminar
      Figurennetzwerke digital analysiert (Frank Fischer)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 19.05.2022)
      Ort: JK 31/125 (Habelschwerdter Allee 45)

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorbemerkung: Die Digital-Humanities-Lehrveranstaltungen setzen auch in diesem Semester keine Kenntnisse in diesem Bereich voraus und sind als breite Einführung sowohl für M.A.-Studierende als auch B.A.-Studierende in der Vertiefungsphase gedacht.

      Kommentar

      Das Figurenensemble eines literarischen Texts lässt sich auch als soziales Netzwerk verstehen, das sich mit den Mitteln der sozialen Netzwerkanalyse analysieren lässt. Gerade bei komplexeren Texten oder größeren Textkorpora kann eine solche Modellierung dabei helfen, bestimmte Kausalitäten und literaturhistorische Entwicklungen überhaupt erst in den Blick zu bekommen. Das Seminar beschäftigt sich zunächst mit den notwendigen Grundlagen der Netzwerktheorie, um im Hauptteil praktisch in die Netzwerkanalyse einzuführen.

    • 16480 Hauptseminar/Projektseminar
      Digitale Dramenanalyse (Frank Fischer)
      Zeit: Mi 16:00-18:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: KL 29/135 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45)

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorbemerkung: Die Digital-Humanities-Lehrveranstaltungen setzen auch in diesem Semester keine Kenntnisse in diesem Bereich voraus und sind als breite Einführung sowohl für M.A.-Studierende als auch B.A.-Studierende in der Vertiefungsphase gedacht.

      Kommentar

      Dieses Seminar setzt keine Vorkenntnisse im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften voraus. Vielmehr dient die umfassende digitale Analyse dramatischer Texte zu einer breit angelegten Beschäftigung mit neuartigen Methoden in den Literaturwissenschaften. Damit zielt die Veranstaltung auch auf die Vermittlung grundlegender digitaler Fertigkeiten, die für das gesamte Studium und darüber hinaus vonnutzen sein können. Der Fokus liegt dabei auf dem deutschsprachigen Drama von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, bezieht aber die Dramenproduktion anderer europäischer Literaturen seit der Antike mit ein. Untersucht werden nicht nur Volltexte, sondern auch die Vernetzung dramatischer Werke mit der digitalen Umgebung (Enzyklopädien, Faktendatenbanken, digitalisierte Aufführungszeugnisse). Dabei wird auch das Verhältnis zwischen den Ergebnissen digitaler Ansätze und denen traditionellerer Interpretationsmodelle kritisch diskutiert.

    • 17145 Praxisseminar
      Digitale Stilometrie (Frank Fischer)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 05.05.2022)
      Ort: JK 31/125 (Habelschwerdter Allee 45)

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorbemerkung: Die Digital-Humanities-Lehrveranstaltungen setzen auch in diesem Semester keine Kenntnisse in diesem Bereich voraus und sind als breite Einführung sowohl für M.A.-Studierende als auch B.A.-Studierende in der Vertiefungsphase gedacht.

      Kommentar

      Die digitale Stilometrie gehört zu den etablierten Praktiken des Distant Reading. Mit ihrer Hilfe können große Textmengen auf statistisch auffällige Stilmerkmale hin befragt werden. Sie hilft bei der Autorschaftsattribution, wenn anonym publizierte Texte oder eine nicht gesicherte Verfasserschaft vorliegen. Auch bei der Stilanalyse einzelner Autor*innen oder innerhalb bestimmter Genres oder Epochen kommt sie zum Einsatz. Nach der Vermittlung der zugrundeliegenden Algorithmen liegt der Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem praktischen Einsatz stilometrischer Tools anhand vorgegebener oder eigener literaturwissenschaftlicher Szenarios. Dabei werden auch Grundlagen der Datenaufbereitung vermittelt, die zum Handwerkszeug gehören, wenn mit digitalen Objekten gearbeitet wird.

    • 17430 Vorlesung
      Einführung in die digitalen Geisteswissenschaften (Frank Fischer)
      Zeit: Mi 12:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: J 32/102 (Habelschwerdter Allee 45)

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorbemerkung: Die Digital-Humanities-Lehrveranstaltungen setzen auch in diesem Semester keine Kenntnisse in diesem Bereich voraus und sind als breite Einführung sowohl für M.A.-Studierende als auch B.A.-Studierende in der Vertiefungsphase gedacht.

      Kommentar

      Immer mehr Informationen liegen digital vor und sind online verfügbar. Doch was stellt man etwa mit einer Million Bücher an, wie Gregory Crane einmal rhetorisch gefragt hat. Um diese Datenmengen zu verarbeiten, sind spezielle und sich stetig weiterentwickelnde Methoden vonnöten. Auch in den Geisteswissenschaften hat sich eine digitale Praxis entwickelt, um historische, kulturelle oder mediale Phänomene breiter erforschen zu können. Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Entwicklung des komputationellen Denkens in den Geisteswissenschaften seit Beginn des 19. Jahrhunderts und stellt die wichtigsten Standards vor: Methoden, Formate, Tools und Software. Da uns durch die Digitalisierung der Gegenstände auch andere epistemische Dingen vorliegen, wird immer auch kritisch gefragt, welche Folgen dies für die Interpretierbarkeit hat.

    • 17500 Vorlesung
      Formwandel des Theaters im 20. Jahrhundert (Matthias Warstat)
      Zeit: Di 14:00-16:00 (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Online (Hörsaal)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet online statt, der angegebene Raum (Angabe der Raumnummer) steht für diese Veranstaltung dennoch zur Verfügung. In diesem Raum haben Studierende vor Ort die Möglichkeit, an der digital stattfindenden Veranstaltung teilzunehmen, unter der Voraussetzung, dass jede/r ein Smartphone, Tablet oder Laptop mit Kopfhörer mitbringt, über das er/sie sich in die Veranstaltung einloggen und teilnehmen kann.

      Kommentar

      Was ist eine Theaterform, und wie kommt es, dass Theaterformen sich im Laufe der Zeit verändern? Diese theoretische Frage soll im Mittelpunkt der Vorlesung stehen und auf wichtige Phasen der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts bezogen werden. Da Theateraufführungen wie auch Performances in der Regel als etwas Dynamisches, Veränderliches und Vergängliches aufgefasst werden, sind sie mit (statischer konnotierten) Vorstellungen von Form auf den ersten Blick nicht leicht in Beziehung zu setzen. Wenn es darum geht, den Formaspekt von Theater auszuloten, sind benachbarte Begriffe wie Gattung, Genre, Dispositiv oder Institution in Erwägung zu ziehen. Interessant sind auch Konzepte aus Philosophie und Kunstwissenschaften, die – wie etwa die Idee der „generischen Form“ – den Formbegriff dynamisch, beweglich bzw. „performativ“ zu fassen versuchen. Die Vorlesung wird keinen chronologisch geordneten Überblick über den Wandel von Theaterformen seit 1900 bieten können. Stattdessen sollen einzelne Formen exemplarisch beleuchtet und diskutiert werden, die für den theatergeschichtlichen Wandel unterschiedlicher Phasen besonders signifikant erscheinen, darunter z.B. die lebende Statue, der Massenchor, das Lehrstück, die autobiographische Performance, die Theaterinstallation oder die Wutrede. Anhand solcher Beispiele sollen verschiedene theoretische Ansätze einer Erklärung des historischen Formwandels diskutiert werden.

    • 17501 Vorlesung
      Neue Forschungsansätze zur Tanzmoderne (Lucia Ruprecht)
      Zeit: Mo 10:00-12:00 (Erster Termin: 25.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Zusätzl. Angaben / Voraussetzungen

      Vorlesungssprachen sind Deutsch und Englisch.

      Kommentar

      Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts beginnende globale Tanzmoderne stellt einen der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Theatertanzes dar. Während der moderne Tanz nach wie vor oft zuallererst als ein Bruch mit der Ästhetik des klassischen westlichen Theatertanzes charakterisiert wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein vielfältiges und differenziertes Forschungsfeld zum Thema etabliert, das mittlerweile eigene Genealogien aufweist. Diese Genealogien bis hin zu den neuesten zeitgenössischen Ansätzen zu verfolgen ist Ziel der sowohl überblickshaften als auch ins Detail gehenden Vorlesung. Wir werden uns insbesondere mit den Denklinien befassen, die sich vom Feminismus bis zu queeren Relektüren ziehen; von der Beschreibung von Orientalismen bis zu dekolonisierenden Neuinterpretationen; von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Ideologisierung des sogenannten „neuen deutschen Tanzes“ bis zur tanzwissenschaftlich reflektierten politischen Theorie; von der Diskussion gestischer Archive zur Geste als theoretisch-kritischer, alternativer Form von Handeln. In der Vorlesung geht es somit sowohl darum, an ausgewählten Beispielen in die Tanzmoderne einzuführen, als auch Möglichkeiten von Tanzgeschichtsschreibung vorzustellen, die nicht zu trennen sind von immer auch historisch situierten theoretischen Denkmodellen.

    • 17502 Vorlesung
      Theater als Hörraum (Doris Kolesch)
      Zeit: Do 10:00-12:00 (Erster Termin: 21.04.2022)
      Ort: Hörsaal (Theaterwiss.) (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Diese Lehrveranstaltung findet in Präsenz im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft statt.

      Kommentar

      Die Vorlesung thematisiert, dass Theater entgegen seiner Etymologie niemals nur einen Schauraum, ein theatron (griech. für Ort, von dem aus man schaut) darstellt, sondern immer auch einen Hörraum, ein auditorium. In theatralen Aufführungen erklingen singende, sprechende, klagende, deklamierende, schreiende, stöhnende, flüsternde etc. Stimmen, ebenso wie diverse musikalische Klänge und unterschiedlichste Geräusche sowie seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auch elektronische Sounds. In einem breiten historischen Bogen von den antiken griechischen Anfängen bis zur Gegenwart werden wir uns u.a. mit verschiedenen theatralen Klangwelten, mit den akustischen Dimensionen historischer wie zeitgenössischer Theateranlagen, Theatergebäuden und Bühnensituationen, mit Techniken und Technologien der Klang-, Geräusch- und Stimmerzeugung sowie mit dem Zusammenspiel und der Hierarchie von Klängen und Sinneswahrnehmungen in den performativen Künsten beschäftigen.

    • 17503 Vorlesung
      Vernetzen und Zerstreuen? Die Zukunft akademischer Lehre (Jan Lazardzig, Thekla Neuß)
      Zeit: Mi 18:00-20:00 (Erster Termin: 27.04.2022)
      Ort: Hs 2 Hörsaal (Habelschwerdter Allee 45)

      Hinweise für Studierende

      ACHTUNG: Die Vorlesung wird auch als Livestream angeboten. Zu Programm und Live-Stream siehe

      https://www.fu-berlin.de/sites/offenerhoersaal/vernetzen-und-zerstreuen/index.html 

      Kommentar

      Die Vorlesungsreihe soll zum Nachdenken einladen über die universitäre Lehre der Zukunft. Die letzten zwei Jahre haben – mehr oder weniger notgedrungen – für einen gewaltigen Wissens- und Kompetenzzuwachs in der akademischen Lehre gesorgt. Buchstäblich über Nacht sind neue Formate, Programme, Denk- und Verhaltensweisen in den universitären Alltag eingeführt worden. Kein Bereich der Universität, so scheint es, hat sich so umfassend und einschneidend verändert, wie die Lehre. Und nirgendwo liegen Verheißungen neuer technischer und pädagogischer Möglichkeiten und mentale und physische Erschöpfung so nah beieinander. Nun, da die Rückkehr in die Seminarräume und Vorlesungssäle eingeläutet ist, stellt sich die Frage, was tun, mit der mühsam erworbenen Kompetenz, zeitlich und räumlich auf Distanz gehen zu können? Was passiert mit der pandemischen Expertise einer auf Distanzmedien basierten Lehre? Kann die Universität durch sie inklusiver und nachhaltiger werden? Oder eröffnen sich durch sie neue Formen der Verwertung und Finanzialisierung? Wie ändert sich die Universität als gebauter und sozialer Ort? Wie kann sich das Miteinander von Forschenden und Lernenden in Zukunft gestalten? Welche Rolle wird der Ort und die Ortsgebundenheit des Studiums spielen? Welche Konsequenzen ergeben sich für die seminarbasierten Erkenntnistechniken der Diskussion, des Fragens, des gemeinsamen Lesens?

      Die Vorlesungsreihe diskutiert das Thema aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln: pädagogisch, psychologisch, soziologisch, geschlechtertheoretisch und architekturhistorisch ebenso wie aus der Sicht der Kultur- und Medienwissenschaften, der Digital Humanities und der Philosophie. Ziel ist es, gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, um den Effizienz- und Rentabilitätsphantasien der unternehmerischen Universität mit eigener Sprache zu begegnen. Und zwar zum einen im Sinne einer Standortbestimmung der Universität im Zeitalter des Plattformkapitalismus. Und zum anderen mit Blick auf mögliche Zukünfte.

    • 17541 Hauptseminar
      Der Zauber der Maske. Zur Rezeption der Commedia dell’arte im europäischen Theater der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts (Swetlana Lukanitschewa)
      Zeit: Fr 14:00-18:00 (Erster Termin: 29.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Die LV findet 14-tägig statt.

      Kommentar

      Vsevolod Meyerhold und Aleksandr Tairov, Nikolai Evreinov und Jacques Copeau, Gordon Craig und Evgenij Vachtangov – erwa¨hnt sind nur einige und bedeutendste aus der ganzen Reihe der Theatermacher, die sich in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach einer neuen Theatersprache einiger Elemente, Motive und Figuren der italienischen Stegreifkomödie bedient haben. Die Grundzüge der Commedia dell’arte schienen den Programmen der Theaterreformer, die trotz inhaltlicher Differenzen alle auf die Entliterarisierung der szenischen Handlung und die Entwicklung der Strategien der Überwindung der Rampe zielten, entgegenzukommen: Wichtiger Bestandteil der Aufführungen der Commedia war die Pantomime, die den Blick auf die performative Dynamik sowie auf die enorm hohe gestische und mimische Ausdruckskraft des Körpers der Schauspieler öffnete. Den Aufführungen lagen keine geschriebenen Stücke zugrunde. Zu dem besonderen Reiz, den die Commedia dell’arte in der Zeit um die Jahrhundertwende ausübte, trug auch die Tatsache bei, dass die Maskenkomo¨die mit ihren endlosen Verwechselungen und Verkleidungen dem Lebensgefühl der Menschen der Jahrhundertwende entgegenkam. Das Seminar ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil soll ein detaillierter Blick in die Entstehungszeit der Commedia dell’arte – Mitte des 16. Jahrhunderts – geworfen werden. Im Fokus der Diskussion stehen Charakteristiken der Maskenfiguren und die bis zu einer Vollkommenheit gebrachten Kunstfertigkeiten, die für Mitglieder der wandernden Commedia dell’arte-Truppen obligatorisch waren. In den Fokus des zweiten Teils rückt das Phänomen der Wiederentdeckung der Commedia dell’arte im europäischen Theater der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts, das anhand theoretischer Schriften von Gordon Craig, Vsevolod Meyerhold, Nikolai Evreinov, Aleksandr Tairov, Evgenij Vachtangov sowie Theaterstücke von Arthur Schnitzler, Rudolf Lothar, Aleksandr Blok u. a. diskutiert werden soll.

    • 17542 Hauptseminar
      Positionen des zeitgenössischen Musiktheaters. Seminar mit Exkursion zur Münchner Biennale für Musiktheater 10.-15.5 2022 (Camilla Bork)
      Zeit: Di 16:00-18:00, zusätzliche Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 26.04.2022)
      Ort: SR I Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Hinweise für Studierende

      Aufgrund der geplanten Exkursion vom 10.-15. Mai 2022 müssen verbindliche Anmeldungen bereits zur ersten Seminarsitzung am 26.04.2022 erfolgen. Bitte senden Sie Ihren Anmeldewunsch zur Lehrveranstaltung an Frau Aubram (Sekretariat Prof. Bork, simone.aubram@fu-berlin.de). Eine Anmeldung via CampusManagement oder eine spätere Anmeldung sind aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

      Kommentar

      Das Seminar führt in Positionen des zeitgenössischen Musiktheaters ein. Anhand von Fallbeispielen wollen wir uns einen Überblick verschaffen über ästhetische Strategien in Komposition und Inszenierung, verschiedene Formen der Zusammenarbeit beteiligter KünstlerInnen sowie über aktuelle Debatten zu möglichen gesellschaftlichen Funktionen und Bedeutungen des Musiktheaters. Im Zentrum steht dabei eine Exkursion zur Münchener Biennale für zeitgenössisches Musiktheater. Die Biennale ist eines der weltweit führenden Uraufführungsfestivals. Sie bietet einen idealen Ort, um sich einen Überblick über gegenwärtige Tendenzen im Musiktheater zu verschaffen und zugleich Theorien und Analysemethoden zu erproben. Gemeinsam mit Studierenden der Kompositionsklassen der UdK Berlin und der Musikhochschule Dresden sowie Studierenden der Theaterwissenschaft der LMU München nehmen die Studierenden dieses Seminars an einem fünftägigen Campusprogramm teil, das von den Dozierenden aller beteiligten Hochschulen gemeinsam entwickelt wurde. Täglich finden mehrstündige Seminarveranstaltungen und Impulsvorträge statt zu aktuellen Themen des Musiktheaters sowie vor- und nachbereitende Sitzungen zu den Aufführungsbesuchen. Darüber hinaus stehen Diskussionen mit beteiligten KünstlerInnen, KuratorInnen und DramaturgInnen auf dem Programm sowie mit den beiden Intendanten. Die Exkursion wird flankiert durch vor- und nachbereitende Seminarsitzungen. Diese führen ein in Methoden der Musiktheateranalyse sowie in unterschiedliche theoretische Auffassungen von Musiktheater. Kenntnisse im Notenlesen sind nicht erforderlich.

    • 17544 Hauptseminar
      Zum 'non-human turn': Objekte und Apparaturen im Zirkus (Franziska Trapp)
      Zeit: Termine siehe LV-Details (Erster Termin: 19.04.2022)
      Ort: Di Online, Fr SR IV Seminarraum (Grunewaldstr. 35), Sa KL 32/102 Übungsraum (Habelschwerdter Allee 45)

      Kommentar

      The force of art is precisely that it is more than human. (Manning 2015, S. 65)

      In den letzten Jahrzehnten hat der non-human turn Einzug in die Geisteswissenschaften gehalten. Er wird „als neue[s] Paradigma abendländischen Denkens“ (Folkers 2013, S. 17) verhandelt und umfasst eine Vielzahl an Strömungen. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Zirkusszene, wird deutlich, dass dieses Umdenken keineswegs auf die akademische Welt beschränkt ist, sondern auch in (Interaktion mit) der künstlerischen Welt stattfindet – so auch in (Interaktion mit) der Welt des Zirkus.

      Was aber unterscheidet ein nicht-anthropozentrisches Stück von anthropozentrischen Aufführungen? Obwohl im Zirkus die Interaktion von menschlichen und nicht-menschlichen Handlungsträgern grundlegend ist, kann der Traditionelle Zirkus, der u.a. mithilfe einer babylonischen Programmstruktur, die die Elemente nach Schwierigkeitsgrad staffelt, und der Unterstreichung der Ästhetik des Risikos durch Trommelwirbel und das dreimalige Misslingen von Tricks die außergewöhnlichen, heroischen Fähigkeiten des Menschen propagiert, als Sinnbild für den Anthropozentrismus gesehen werden. Er stellt also geradezu den Gegenpol zum beschriebenen non-human turn dar. Im Zeitgenössischen Zirkus, der seit Ende der neunziger Jahre Einzug in die internationale Kunst- und Theaterlandschaft hält, sind wir in diesem Zusammenhang mit dem Paradox konfrontiert, dass die Beherrschung der Apparaturen die Voraussetzung ist, um eben jene Beherrschung zu problematisieren. Wenn wir also davon ausgehen, dass ein zeitgenössisches Zirkusstück als Stück des non-human turn klassifiziert werden kann, steht nicht die tatsächliche Veränderung der Relation von menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten im Vergleich zum Traditionellen Zirkus im Fokus, sondern vielmehr die Veränderung der Inszenierung dieser Relation, die die Rezipient*innen zu einem Perspektivwechsel einlädt.

      In Kooperation mit Partner*innen aus der Praxis wagen wir im Seminar ein heuristisches Experiment: Wie verändert sich unser Blick und zu welchen neuen Resultaten gelangen wir bei der Analyse von Aufführungen, wenn wir von einer agency der Objekte und Apparaturen ausgehen?

      Am 05.05.2022 findet ein gemeinsamer Besuch der Aufführung „The Elephant in the Room“ im Chamäleon Theater statt. Für die Seminargruppe wurden bereits Karten reserviert. 

      Lektüreliste (Auswahl):

      Folkers, Andreas: „Was ist neu am neuen Materialismus? Von der Praxis zum Ereignis“. in: Goll, Tobias/ Keil, Daniel/ Telios, Thomas (Hg.): Critical Matter. Diskussionen eines neuen Materialismus. Münster 2013. S. 17-35.

      Grusin, Richard A. (Hg.): The nonhuman turn. Minneapolis 2015.

      Lavers, Katie/ Leroux, Louis Patrick/ Burtt John (Hg.): Contemporary circus. Abingdon 2019.

      Manning, Erin: „Artfulness“, in: Grusin, Richard A. (Hg): The nonhuman turn. Minneapolis 2015, S. 65.

      Tait, Peta: „Risk, Danger and Other Paradoxes in Circus and Circus Oz Parody“. in: Tait, Peta/ Lavers, Katie (Hg.): The Routledge Circus Studies Reader. New York, London 2016. S. 528-545.

      Trapp, Franziska: Lektüren des Zeitgenössischen Zirkus. Berlin/Boston, 2020.

    • 17545 Hauptseminar
      Freie Szene: Geschichte(n), Institutionen, Strukturen und Ästhetiken (Theresa Schütz)
      Zeit: Mi 12:00-14:00 (Erster Termin: 20.04.2022)
      Ort: SR III Seminarraum (Grunewaldstr. 35)

      Kommentar

      Die Bezeichnung „Freie Szene“ verweist auf die Gesamtheit „frei produzierender Künstler*innen, Ensembles, Einrichtungen und Strukturen in freier Trägerschaft aus allen Bereichen, einschließlich Bildende Kunst, Tanz, Schauspiel, Performance, Neue Medien [...] bis zur Neuen Musik, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater, Literatur sowie spartenübergreifender und transdisziplinärer Formate.“ (Koalition der Freien Szene Berlin). Neben der Finanzierung ist es vor allem auch die Struktur der Kunstproduktion, die die Freie Szene (z. B. im Bereich der darstellenden Künste) von den Stadt- und Staatstheatern sowie Privattheatern unterscheidet. Schließlich verweist die Freiheit im Sammelbegriff auf die Möglichkeit machtkritischer, hierarchieärmerer, kollektiver Arbeitsweisen. Nicht selten erwachsen daraus ästhetische Innovationen, werden neue Formen und Formate entwickelt oder gesellschaftspolitische Diskurse angestoßen. Die Schattenseite jener Freiheit im Sinne einer potentiellen institutionellen Unabhängigkeit ist die Verstrickung von Akteur*innen der Freien Szene in neoliberale Projekt-Logiken und toxische Selbstausbeutungsmechanismen, die ihrerseits Gegenstand kritischer Reflexion sind. 

      Das Seminar setzt historisch bei der Herausbildung der Freien Szene im deutschsprachigen Raum seit den sechziger Jahren in der BRD wie auch DDR an und zeichnet entlang ausgewählter Institutionen, Künstler*innen-Gruppen und Kollektive wesentliche Ziele alternativer Arbeitsweisen und Lebensformen im Feld ‚freier‘ ästhetischer Kunstproduktion nach. Es macht Halt in den achtziger und neunziger Jahren, um einen Blick auf den Zusammenhang der Institutionalisierung angewandter Theaterwissenschaft und einer neuen Generation von Performancekollektiven wie z. B. She She Pop, Gob Squad oder Rimini Protokoll zu werfen, die mit ihren Produktionen bis heute das Gegenwartstheater prägen. Der Schwerpunkt des Seminars liegt dann auf dem Kennen- und Verstehen-Lernen der aktuellen „Freie Szene“ Berlins, ihrer Förderstrukturen, Netzwerke und Bündnisse, Institutionen, Künstler*innen, prägnantesten Ästhetiken und Diskursstränge sowie kulturpolitischen Ziele – und damit zum einen auf dem gemeinsamen Besuch zahlreicher Häuser und Aufführungen und zum anderen auf dem Austausch mit Akteuren aus der Szene, die ins Seminar eingeladen werden.

      Zur Vorbereitung empfiehlt sich ein Blick in: Henning Fülle: Freies Theater. Die Modernisierung der deutschen Theaterlandschaft. Berlin 2016 sowie Openings. Sophiensæle 2011-2021. Berlin 2021.