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Die Architektur der Freien Universität

Der Henry-Ford-Bau wurde 1954 fertiggestellt und 2007 nach zweijähriger Renovierungsphase wiedereröffnet.

Der Henry-Ford-Bau wurde 1954 fertiggestellt und 2007 nach zweijähriger Renovierungsphase wiedereröffnet.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Edwin Redslob, zweiter Rektor der Freien Universität schrieb 1963 dazu: „Spezialisierung auf der einen, Gruppierung auf der anderen Seite folgen daraus für die architektonische Anlage, die eine Fülle von Einzelbauten zusammenfasst und in sich eine großerschaute Einheit bildet.“ Dies war für Deutschland eine Novität. Bisher dominierte die Konzentration auf monumentale Hauptgebäude möglichst im Stadtzentrum.

Der Dahlemer Campus mit seinen Gründerzeitvillen, früheren Instituten der Kaiser-Wilhelms-Universität und ehemaligen Forschungsgebäuden der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft erhielt in den 50er Jahren sein räumliches Zentrum mit dem Henry-Ford-Bau und der Bibliothek. Hinzu kam die Mensa I und die Baugruppe der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, alle errichtet in einem zeitgemäßen sachlich-eleganten Baustil. In den folgenden Jahren entstanden weitere Neubauten, das Dahlemer Universitätsareal weitete sich aus. Bereits Anfang der 50er Jahre kam der Standort in Düppel für die Veterinärmedizin sowie 1980 das Gelände der ehemaligen Pädagogischen Hochschule in Lankwitz für die Geowissenschaften und die Kommunikationswissenschaft hinzu.

Traditionsreiche Gebäude

Der Breitenbachplatz mit dem ehemaligen Reichsknappschaftsgebäude, heute Sitz der Technischen Abteilung der Freien Universität und des Lateinamerika-Instituts, Mai 1978.

Der Breitenbachplatz mit dem ehemaligen Reichsknappschaftsgebäude, heute Sitz der Technischen Abteilung der Freien Universität und des Lateinamerika-Instituts, Mai 1978.
Bildquelle: Klaus Lehnartz / Landesarchiv Berlin

Einige der von der Freien Universität genutzten Altbauten sind sowohl architekturhistorisch als auch kultur- und zeithistorisch von Interesse. Mehrere Gebäude der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wurden von Ernst von Ihne, dem Architekten der Staatsbibliothek Unter den Linden und des Bodemuseums, errichtet; weitere stammen von dem Münchener Architekten Carl Sattler. Andere Bauten dienten als Verwaltungsgebäude verschiedener Sozietäten, wie beispielsweise das der Reichsknappschaft von Max Taut und Franz Hoffmann. Viele der baugeschichtlich interessantesten Gebäude liegen in einem Umkreis von kaum einem Quadratkilometer.

Das erste Hauptgebäude der Freien Universität wurde 1948 in dem 1916 erbauten Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Biologie in der Boltzmannstraße 3 eingerichtet. Es wird heute weitgehend vom Fachbereich Rechtswissenschaft genutzt. Weitere Altbauten kamen hinzu, darunter das ehemalige KWI für Chemie, eng verbunden mit den Namen von Lise Meitner und Otto Hahn, aber auch Häuser mit einer schwierigen Geschichte wie das KWI für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Heute beherbergt dieser Bau einen Teil des Otto-Suhr-Instituts. Das rasche Anwachsen der Anzahl der Studierenden und damit die Ausweitung des Lehrbetriebs machten bereits nach kurzer Zeit die Planung von Neubauten notwendig.

Henry-Ford-Bau

Blick auf den Henry-Ford-Bau von der Boltzmannstrasse aus. Um 1959.

Blick auf den Henry-Ford-Bau von der Boltzmannstrasse aus. Um 1959.
Bildquelle: Reinhard Friedrich / Universitätsarchiv der Freien Universität

Der chronische Geldmangel der jungen Universität veranlasste Edwin Redslob, den zweiten Rektor der Freien Universität, 1950 um eine Verdoppelung der amerikanischen Zuschüsse zu bitten. Unterstützung fanden derartige Hilfeersuchen auch bei amerikanischen Gastprofessoren an der Freien Universität wie Fritz Epstein sowie hohen Beamten der amerikanischen Militärregierung, denn die durchaus großzügigen amerikanischen Subventionen deckten nicht die Sonderaufgaben wie den dringend benötigten Bau eines zentralen Vorlesungs- und Bibliotheksgebäudes.

Frank Howley, Kommandant des amerikanischen Sektors, stellte 1949 den Kontakt zur Ford Foundation her. Hochkommissar John J. McCloy nutzte derweil seine Bekanntschaft mit Paul G. Hoffman, dem Präsidenten der Ford Foundation. 1951 besuchten Henry Ford II., Enkel des Gründers der Ford-Werke, und Paul Hoffman Berlin und die Freie Universität. Noch im selben Jahr erfolgte die Zusage über eine Unterstützung mit der enormen Summe von 1.309.500 Dollar. Ein Großteil des Geldes war für Bauvorhaben bestimmt. Damit konnte die Realisierung der Universitätsbibliothek, des Lehrgebäudes mit dem Auditorium Maximum (Henry-Ford-Bau) und der neuen Mensa in Angriff genommen werden.

Der Henry-Ford-Bau wurde 1954 fertiggestellt und in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer eingeweiht.

Berühmte Gäste

Ein Meilenstein in der Geschichte der jungen Freien Universität war der Besuch des Präsidenten der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, der 1963 die Ehrenbürgerwürde der Freien Universität erhielt. Seine Rede am 26. Juni 1963 vor dem Henry-Ford-Bau war programmatisch.

Wiedereröffnung des Henry-Ford-Baus

Mit einem Tag der offenen Tür feierte die Freie Universität Berlin am 16. April 2007 die Wiedereröffnung des Henry-Ford-Baus. Nach knapp zweijähriger Pause wurde mit dem Beginn des Sommersemesters der Vorlesungsbetrieb wieder aufgenommen. Umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen wurden ausgeführt; sie lassen die architektonische Perle der Fünfzigerjahre in neuem Glanz erscheinen.

Moderne Architektur

Die Philologische Bibliothek von Lord Norman Foster wird von der Rost- und Silberlaube umschlossen

Die Philologische Bibliothek von Lord Norman Foster wird von der Rost- und Silberlaube umschlossen
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Das Philosophische Institut wurde in den frühen Achtziger Jahren erbaut

Das Philosophische Institut wurde in den frühen Achtziger Jahren erbaut
Bildquelle: Reinhard Görner

Ein großer Teil der Neubauten der Freien Universität zeichnet sich durch architektonische Qualität und zeitgemäßen Baustil aus. Die frühen ambitionierten Bauwerke wie der Komplex von Henry-Ford-Bau (1951-54) und Universitätsbibliothek von Gustav Müller und Franz Heinrich Sobotka (1954), und auch das Universitätsklinikum Benjamin Franklin (1968) konnten nur mit großzügiger amerikanischer Hilfe realisiert werden.

Namhafte Architekten waren für die Freie Universität tätig. So entwarf Wassili Luckhardt die ehemalige Veterinärmedizinische Vorklinik in der Koserstraße (1968) und das Pflanzenphysiologische Institut (1970) und von Lord Norman Foster stammt der Plan für den Neubau der Philologischen Bibliothek (2005).

Die "Rostlaube", das geistes- und sozialwissenschaftliche Zentrum der Freien Universität, ist nach Ansicht von Bauhistorikern auf ihre Art ein Stück Weltarchitektur. Der Bau der geisteswissenschaftlichen Institute der Freien Universität Berlin wurde 1967 von drei namhaften Architekten in Angriff genommen: Georg Candilis, Alexis Josik und Shadrach Woods. Alle drei standen unter dem künstlerischen Einfluss von Le Corbusier. Der Name Rostlaube ist auf das Material Cor-Ten zurückzuführen, einen kontrolliert rostenden Stahl. Der Rostprozess an dem Gebäude kam aber nicht wie geplant nach zwei Jahren zum Stillstand: Es bildete sich nicht die erwünschte Schutzschicht, sondern der Stahl rostete an vielen Stellen durch. Der Komplex ist seit 2006 saniert und erstrahlt nun in neuem Glanz.

Die knappen finanziellen Mittel ließen in den 80er und 90er Jahren die Umsetzung großer Bauvorhaben nicht zu. Deshalb entstanden vor allem kleinere, in Eigenregie durchgeführte Neubauten, wie das Philosophische Institut von Hinrich und Inken Baller (1982/83) und das Immatrikulationsbüro in der Iltisstraße von Doris und Ralph Thut (1995/96).

Philologische Bibliothek

Moderne Arbeitsplätze und innovative Architektur: die Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin.

Moderne Arbeitsplätze und innovative Architektur: die Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin.

Berlin ist seit 2005 um ein architektonisches Wahrzeichen reicher: die Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin, entworfen vom renommierten britischen Architekten Lord Norman Foster. Die neue Philologische Bibliothek bietet Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen sowie Studierenden moderne Arbeitsplätze: 650 WLAN-fähige Leseplätze auf 5 Ebenen inkl. 100 Internet-Rechercheterminals und 14 Workstations. Ein innovatives Umweltkonzept senkt dank natürlicher Belüftung und Wärmerückgewinnung den Energiebedarf des Neubaus. Die Philologische Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek mit überwiegend frei zugänglichen Beständen, die rund 700.000 Bücher und 800 Zeitschriftenabonnements umfassen. Gleichzeitig stellt die Bibliothek mit Veranstaltungen und Ausstellungen einen öffentlichen Raum des Austausches, der Diskussion und Information dar.