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Grußwort des Präsidenten der Freie Universität Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

es freut mich sehr, dieses Bildungs- und Vernetzungsforum eröffnen zu dürfen. Seien Sie herzlich willkommen auf dem Campus der Freien Universität Berlin. 

 

Steigende Nahrungsmit­telpreise, Energieengpässe, Hungersnöte, Artensterben, überfischte Meere und andere globale Krisen sind – bedauerlicherweise – fester Bestandteil der medialen Bericht-erstattung. Ohne einen grundsätzlichen Politikwechsel, der die Machtbalance zwischen den Ländern des globalen Nordens und Südens ebenso betrifft wie wirtschaftliche und soziale Grundfragen in den Industriegesellschaften, werden diese Probleme nicht zu bewältigen sein.

Nachhaltige Entwicklung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für zukünftige Generationen und für das Zusammenleben in „einer“ globalen Welt.

Bildung ist dabei ein wichtiger Schlüssel und Katalysator. Bildung sorgt dafür, dassNachhaltigkeit zum Orientierungspunkt für das Handeln jedes Individuums wird. Und: Bildung schafft das notwendige Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Wandels.

Wir alle sind gefordert: als Institutionen, Individuen, Familien, als Politiker, Manager, Unternehmer, als Experten und als Wissen-schaftler. Forschungs- und Bildungseinrichtungen können mit neuen Erkenntnissen, Ideen und Visionen neue Lernkulturen und
-umgebungen schaffen. Sie können so gesellschaftliche Teilhabe und Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung ermöglichen.

Unter dem Motto „Lernen für eine zukunftsfähige Welt“ zeigt die SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz seit nunmehr zehn Jahren, dass Wissenschaft und Universität einen wirkungsvollen Beitrag in Kooperation mit der Zivilgesellschaft leisten können. Zweimal im Jahr öffnen wir unseren Campus für Berliner Schulen.  Immer in der vorlesungsfreien Zeit im Frühjahr und Herbst bietet das Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität einwöchige Schüler-Programme und begleitende Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an. Bis heute haben 20.000 Schülerinnen und Schüler und 2.500 Lehrkräfte in diesem Rahmen die Freie Universität besucht.

Die SchülerUni steht ganz im Zeichen der Erlebnisorientierung: Sie macht mit allen Sinnen erfahrbar, was hinter den Begriffen Nachhaltigkeit und Klimaschutz steckt. An sechs verschiedenen Lernorten bietet das Forschungszentrum für Umweltpolitik rund 80 Mitmachworkshops zu den Schlüsselthemen einer nachhaltigen Entwicklung an.

Die Hörsäle und Seminarräume, die Wetterstation, die Solardächer, die Mensa und der Botanische Garten werden in Mitmachlabore und Kreativwerkstätten für Fünft- und Sechstklässler verwandelt. Schülerinnen und Schüler haben Gelegenheit, zu tüfteln, zu spielen, zu erkennen und zu diskutieren. Sie entwickeln gemeinsam Handlungsalternativen für den Alltag und tragen ihre Erlebnisse und ihr Wissen nach Hause. Nicht selten animieren sie so auch ihre Eltern zu einem nachhaltigen und klimafreundlichen Lebensstil.

Von den Berliner Schulen und vom Berliner Senat wird unser Angebot als verlässlicher außerschulischer Lernort „Nachhaltigkeit Lernen“ geschätzt. Dank der Unterstützung und Förderung durch die Europäische Union, das Land Berlin und mehrere Unternehmen hat sich das Angebot von einem innovativen Pilotprojekt zu einem stark nachgefragten regionalen Bildungs-format entwickelt: Unsere Programme und Fortbildungen sind konstant ausgebucht.

Mit der SchülerUni hat das Forschungszentrum für Umweltpolitik eindrucksvoll gezeigt, wie man aus einer vermeintlichen Nische heraus Strukturen verändern und Menschen bewegen kann. Nicht nur deshalb ist die SchülerUni auch Bestandteil der Klimaschutzvereinbarung des Landes Berlin und der Freien Universität (im Jahr 2010 unterzeichnet).

Die Freie Universität ist die erste Berliner Universität, die eine solche Klimaschutzvereinbarung abgeschlossen hat. Zukünftig möchten wir der Bildung für Nachhaltige Entwicklung noch mehr Spiel- und Handlungsräume geben.

Erst vor wenigen Wochen haben wir im Präsidium ein Nachhaltigkeitsleitbild für unsere Universität verabschiedet (Präsidiumsbeschluss vom 14. März 2016).

Wir haben uns zu einem gesamtinstitutionellen Ansatz verpflichtet, der Forschung, Lehre und Campus-Management verbindet. Ziel ist es, eine nachhaltige Wissenschaft zu fördern, die sich den globalen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Zukunftsfragen widmet. Zugleich möchten wir eine breite Integration von Nachhaltigkeitsinhalten in das universitäre Curriculum unterstützen.

Lehren und Lernen soll künftig noch stärker von Handlungsorientierung, Partizipation, Interdisziplinarität und neuen Formen des Wissenstransfers geprägt sein. Wenn die SchülerUni in zehn Jahren ihr nächstes Jubiläum begeht, wird sie vielleicht schon zum Mainstream gehören.

Der runde Geburtstag heute ist ein guter Anlass, über konkrete Transformationen im Berliner Bildungssystem zu diskutieren. Es freut mich, dass sich so viele Bildungsinteressierte aus Schulen, Hochschulen, Wirtschaft und Gesellschaft zu dieser Tagung angemeldet haben, um sich zu vernetzen und gemeinsam zu überlegen, wie die vielfältigen Projekte, Ansätze und Initiativen künftig noch besser strategisch verknüpft werden können.

Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse, anregende Diskussionen und inspirierende Gespräche.