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Hitzewelle und die Freie Universität

News vom 07.08.2018

Seit Wochen stöhnen viele FU-Kolleginnen und -Kollegen über Hitze am Arbeitsplatz. Draußen meist über 30° C, aber auch in den Büros nicht selten über 26° C oder gar 30° C. Für viele ist das schwer auszuhalten, an ein konzentriertes Arbeiten ist kaum zu denken.

Müssen wir uns das gefallen lassen? Nun, am Wetter kann man nicht viel ändern, aber es gibt Maßnahmen, die man entweder selber ergreifen kann oder die der Arbeitgeber ergreifen soll oder muss (s.a. Merkblatt »Sommerhitze« der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Maßgeblich sind hierbei die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten, ASR 3.5“, die beispielsweise folgende Festlegungen treffen:

  • „Führt die Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände zu einer Erhöhung der Raumtemperatur über +26° C, so sind diese Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen auszurüsten.“
  • Bei einer „Außenlufttemperatur über +26 °C … sollen beim Überschreiten einer Lufttemperatur im Raum von +26 °C zusätzliche Maßnahmen … ergriffen werden“.
  • „Bei Überschreitung der Lufttemperatur im Raum von +30 °C müssen wirksame Maßnahmen gemäß Gefährdungsbeurteilung (siehe Tabelle 4) ergriffen werden, welche die Beanspruchung der Beschäftigten reduzieren.“

Zu den erwähnten Maßnahmen können z.B. gehören:

  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung
  • Bereitstellung geeigneter Getränke (z.B. Trinkwasser)

Konkret heißt das leider, dass der Arbeitgeber zwischen 26° und 30° C Maßnahmen ergreifen soll, aber nicht muss. Aber bei Raumtemperaturen über 30° C muss er aktiv werden. Leider war an der FU in vielen Bereichen von solchen Maßnahmen wenig bis nichts zu merken, auch nicht, als in vielen Räumen bereits mind. 30° C erreicht waren.

Die einzige zentrale „Maßnahme“ bestand in einer Mail der Kanzlerin an die Beschäftigten, die nach mehreren Wochen der Hitzewelle am Montag, den 30. Juli 2018, verschickt wurde. Sie enthielt die Empfehlung „Aufgrund der hohen Temperaturen am heutigen Tage möchte ich anregen, schon ab Mittag großzügig Überstunden abbauen zu lassen.“ Dumm nur, dass diese Mail die meisten Beschäftigten erst kurz vor 15 Uhr erreichte, also nach dem Ende der Kernzeit.

Leider zeigte sich auch die Unzulänglichkeit der bisherigen Regelung für den Bereich Dahlem (s. Schreiben vom 05.08.2016), die unter anderem eine Verkürzung der Kernzeit (von 14:30 auf 14:00, also lediglich 30 Minuten!) vorsieht. Als Voraussetzung wird verlangt, dass die Außen(!)temperatur mindestens drei Tage über 30° C beträgt und in den Nächten nicht unter 20° C abkühlt. In den ersten Wochen der Hitzewelle war nachts aber oft eine Tiefsttemperatur von 19° oder 18° C, so dass die Regelung schlicht nicht griff!

Völlig unklar ist auch die Lage für die Kolleginnen und Kollegen mit Behinderung. Im Schreiben der Abt. I an die Bereiche steht zwar: „In diesem Zusammenhang machen wir auf Ziffer 11.2 der Verwaltungsvorschriften über die gleichberechtigte Teilhabe der behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen in der Berliner Verwaltung (VV Integration beh. Menschen) aufmerksam und bitten um Beachtung.“

In der erwähnten Berliner Verwaltungsvorschrift steht:

„11.2 Dienstbefreiung bei extremen Wetterlagen
An Tagen mit extremen Wetterlagen (z.B. große Hitze, große Kälte, Schnee- oder Eisglätte) soll schwerbehinderten Beschäftigten, denen die jeweilige Wetterlage besondere Erschwernisse verursacht, in erforderlichem Umfang Dienstbefreiung unter Fortzahlung der Bezüge gewährt werden. Die Entscheidung darüber liegt in dezentraler Verantwortung der Dienststellen und ist mit der Schwerbehindertenvertretung zu erörtern.“

Unklar bleibt somit, wer die Entscheidung trifft. Können Bereiche nun eigenverantwortlich Dienstbefreiung erteilen oder nicht?

Keine Berücksichtigung finden bei den aktuellen Regelungen außerdem die Kolleginnen und Kollegen (einschließlich der SHKs), die nach Dienstplan arbeiten bzw. diejenigen, die nicht an der gleitenden Arbeitszeit teilnehmen.

Wichtig erscheint uns ebenfalls, für Schwangere und stillende Mütter im Sinne der Mutterschutzarbeitsverordnung weitergehende Regelungen zu treffen.

Der Gesamtpersonalrat sieht die Notwendigkeit, sich für die kommenden Jahre und Hitzewellen für klarere und verbindlichere Regelungen einzusetzen und möchte dazu die Diskussion eröffnen. Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen und Vorschläge mit: gpr@fu-berlin.de!

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