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Wachtmeister der VP Heinz Janello

Sie gehörten zu den ersten von der SED-Propaganda zu Helden erklärten Todesopfern an der DDR-Grenze. Wachtmeister Werner Schmidt und sein Kollege Heinz Janello wurden am 2. März 1951 auf westdeutschem Gebiet von einer amerikanischen Militärstreife erschossen. Die FDJ-Zeitung Junge Welt behauptete noch 1981 unter der Überschrift „Gefallen für den Frieden“ anlässlich des 20. Jahrestages „der Maßnahmen vom 13. August 1961“, Schmidt sei seinerzeit überfallen und „auf westdeutsches Territorium verschleppt“ worden, wo man ihn „bestialisch ermordet“ habe.

Heinz Janello
Bildquelle: BStU

geboren am 21. Dezember 1931 in Rogainen (heute: Rogajny, Polen)

erschossen am 2. März 1951

Ort des Zwischenfalls: Obersuhl (Hessen)

Wachtmeister Janello entstammte einer kinderreichen Landarbeiterfamilie, die nach Kriegsende aus Ostpreußen geflüchtet war und sich in Mühlhausen niedergelassen hatte. Er war Mitglied der FDJ und der Deutsch Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft (DSF). Bis zum Eintritt in die Volkspolizei im Jahr 1950 hatte er bei einem Bauern gearbeitet, um zum Lebensunterhalt seiner Familie beizutragen. Erst bei der Volkspolizei erhielt er eine politische Schulung. „Seine Einstellung zur neuen demokratischen Ordnung war stets positiv“, hieß es in einem dienstlichen Nachruf.

Über das, was am Abend des 2. März 1951 an der innerdeutschen Grenze bei Obersuhl geschah, sind verschiedene Versionen überliefert. Nach der ersten „Spitzenmeldung“ der Volkspolizeigrenzkompanie Gerstungen wurden die beiden Streifenposten Wachtmeister Werner Schmidt und Wachtmeister Heinz Janello am 2. März 1951 gegen 20.30 Uhr von amerikanischen Soldaten erschossen. Die beiden Volkspolizisten gehörten zur Streife IV des Kommandos Untersuhl. Sie hatten sich in das erste Haus in Obersuhl begeben, das auf der westlichen Seite der innerdeutschen Grenze lag. Das hätten amerikanische Soldaten beobachtet, die sie daraufhin aus dem Haus holten. Weiter hieß es in der Volkspolizeimeldung: „Vor dem Haus soll sich angeblich einer der VP-Angehörigen, VP.-Wm. Janello zur Wehr gesetzt haben. Daraufhin wurde von den Amerikanern geschossen. VP.-Wm. Schmidt wurde sofort durch Kopfschuß getötet. VP.-Wm. Janello durch Brustschuß schwer verletzt und zum Bürgermeisteramt in Obersuhl gebracht, wo er verschied.“ Diese Information stammte von einem westdeutschen Zollbeamten, mit dem Volkspolizeikommandoleiter Kunze aus Untersuhl am Morgen nach dem Zwischenfall Kontakt aufgenommen hatte. Dieser Zöllner zeigte ihm eine abgeschossene Gewehrhülse als Beweis, dass auch durch einen der beiden Volkspolizisten geschossen worden sei. Die Eintragung der beiden Todesfälle in das Standesamtsregister Obersuhl wurde von George P. Moore, US Squadron Hersfeld, 24. Constabulary, unterzeichnet.

Während die DDR-Medien das Geschehene als Mord anprangerten, berichtete die Cuxhavener Zeitung am 15. März 1951: „Die US-Armee in Frankfurt gab folgendes Untersuchungsergebnis über den Zwischenfall bekannt: Danach stellte eine Patrouille der amerikanischen Grenzpolizei am 2.3. zwei Volkspolizisten in der Stadt Obersuhl. Als der eine Volkspolizist seine Waffe zog, wurde er von einem amerikanischen Grenzpolizisten erschossen, der andere wurde beim Fluchtversuch schwer verwundet. Seine Leiche wurde später von einer Patrouille auf hessischem Gebiet entdeckt.“ Das Informationsamt der Sowjetzone habe hingegen behauptet, „daß in beiden Fällen die Volkspolizisten auf dem Gebiet der Sowjetzone beschossen und dann auf hessisches Gebiet geschleppt worden seien.“ Über zehn Jahre nach dem Vorfall wurde zwischen dem 13. und 16. September 1963 an der DDR-Grenze bei Untersuhl ein nach Westen ausgerichtetes Propagandaschild aufgestellt, auf dem es zu den Todesfällen Schmidt und Janello hieß, diese seien von „amerikanischen Söldnern“ ermordet worden und: „Die Mörder werden ihrer gerechten Strafe nicht entgehen.“ Die Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main hielt es daraufhin für angebracht, ihre Grenzaufsichtsbeamten über den „tatsächlichen Sachverhalt“ zu informieren, damit Fragen von Grenzbesuchern „richtig beantwortet werden können“. In dem Schreiben der Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main wurde zu dem Zwischenfall vom März 1951 erklärt, Schmidt und Janello hätten häufiger eine Telefonistin in einem grenznahen Gebäude besucht. Dort gab es eine alte Telefonverbindung nach Obersuhl (Westdeutschland). Als eine Streife der US-Constabulary das Haus betrat um einen dort wohnenden Mann, der der Spionage verdächtig war festzunehmen, hätten die beiden Grenzer zu ihren abgelegten Waffen gegriffen, „worauf die US-Constabulary sofort das Feuer eröffnete“.

Zwei weitere Versionen des Zwischenfalls verbreitete die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine (HNA) in ihrer Ausgabe vom 4. März 2011. Der damalige Mieter einer Wohnung in dem Obersuhler Haus an der Grenze, Erich Eisenberg, habe im Dezember 1989 bei einer Befragung durch den Obersuhler Bürgermeister zu Protokoll gegeben, „die Vopos seien nur dieses eine Mal bei ihm aufgetaucht, hätten sich aufwärmen und eine Zigarette rauchen wollen. Sie seien kaum in der Wohnung gewesen, da hätten die Amerikaner die Tür eingetreten und sie gefangen nehmen wollen. Die Vopos hätten versucht zu fliehen, da sei geschossen worden. Ein Vopo sei im Hausflur gestorben, der andere auf der Straße. Vorher sei nie ein Soldat der DDR oder der US-Truppen in seiner Wohnung gewesen.“ In der gleichen Ausgabe wird von den Erinnerungen des damaligen DDR-Kriminalpolizisten Erich Timm berichtet, dem damals die Ermittlungen auf höhere Anweisung entzogen worden waren. Der Besitzer des Hauses Auweg 43 mit Namen Gliem habe sich im Obergeschoss des Hauses aufgehalten, als er gegen 20.00 Uhr erst einen Schuss im Hausflur, danach mehrere Schüsse auf der Straße hörte. „Als er dann nachgesehen habe, habe er einen der Vopos tot im Hausflur liegen sehen, der andere sei draußen angeschossen worden und weitergelaufen. Er habe sich noch in Richtung der Dorfmitte bis vor das Bürgermeisteramt geschleppt, wo er trotz erster Hilfe durch einen dort wohnenden Arzt verstarb.“ Wer auf amerikanischer Seite geschossen hatte, habe Gliem nicht gesehen. Jedoch seien weder die Anwesenheit von Volkspolizisten noch von Amerikanern in dem Haus „ungewöhnlich gewesen. Gliem habe vermutet, sie hätten dort eine Art von Handel betrieben.“

Übergabe der Leichen von Werner Schmidt und Heinz Janello durch die US-Constabluary
an ein sowjetisches Kommando. Die DDR-Grenzpolizisten stehen im Vordergrund Spalier. Bildquelle: BStU

Am 3. März 1951 um 16.00 Uhr wurden die beiden Leichen an der Grenze von einem amerikanischen Kommando der Volkspolizei übergeben. Die am 4. März in Eisenach angefertigten Obduktionsprotokolle enthielten die Angaben, dass Heinz Janello von einem Geschoss getötet wurde, dessen Kaliber zwischen sieben und acht Millimeter gelegen hat. Es habe in der linken Rückenseite den Körper getroffen und sei in der linken vorderen Brustseite wieder ausgetreten. Eine zweite Verletzung rührte von einem Streifschuss her, der Janello in der linken Lendengegend getroffen hatte. (Recherchen: jos., MP, St.A.; Autor: jos.)