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Maria Ganten

Ich möchte die gesellschaftliche Verantwortung des Lehramts mit Leben füllen.

Maria Ganten

Maria Ganten

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in der U-Bahn darüber ins Gespräch, was Sie an der Freien Universität in der Lehrkräftebildung tun. Was erzählen Sie zwischen zwei Stationen?

Es ist Montag und ich stehe am Thielplatz am U-Bahn Gleis. Ich komme aus einem Seminar, dass ich für mein Englisch-Studium belege und fahre zu meinem SHK-Job am Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte. Unterwegs komme ich mit einer Kommilitonin ins Gespräch – wir sind auf dem Weg vom Seminar zum U-Bahnhof ins Gespräch gekommen. Sie weiß noch nicht, dass ich Lehramt studiere. Ich lasse den Knoten platzen und erzähle, dass ich mit Lehramtsoption studiere. Es stimmt leider, dass Lehramt nach wie vor nicht das hippeste Image Berlins hat – also ist man als Überzeugungsstudentin immer wieder in der Position zu erklären, warum es eine super Wahl ist, Lehramt zu studieren. 

Meistens läuft es ja so ab: „Wow, das ist so ehrenhaft. Ich könnte das nicht. Zu dir werden dann später meine Kinder gehen, haha.“ Ok, warte mal eben, warum, habe ich immer das Gefühl, dass Lehramt ein so öder Job ist, dass neben diesen oberflächlichen Aussagen noch nicht mal eine Frage gestellt wird? So ein Smalltalk zwischen zwei Stationen ist also immer auch die Herausforderung sein Gegenüber davon zu überzeugen, dass Lehramt mehr ist, als das, was er/sie* sich darunter vorstellt; dass ich dieses Fach so lange studiere, um mit neuen Erkenntnissen in die Schulen zu gehen. Vielleicht um irgendwann mal Menschen aus der Schule zu entlassen die über ein „Das könnte ich ja nicht“, hinauskommen.

Warum tun Sie, was Sie tun?

Ich habe mich entschieden Lehramt zu studieren, weil ich die große gesellschaftliche Verantwortung dieses Berufes mit Leben füllen möchte. Oder wie mal ein Professor gesagt hat: „Schule ist der einzige Ort in Deutschland, wo man vom Staat hin gezwungen wird. Die Kinder und Jugendlichen suchen sich diesen Ort nicht aus und deshalb sind wir dazu verpflichtet ‚Schule’ gut zu machen“. Solche Impulse sind für mich Anstöße, mir darüber Gedanken zu machen, was ‚Gute Schule’ eigentlich bedeuten kann.

Was ist das Wichtigste, Spannendste oder Unerwartetste, was Sie an der Freien Universität gelernt haben?

Mir ist zwar nicht ganz klar, wie ein Studium mit 30 Leistungspunkten im Bachelor diese Frage tatsächlich beantworten soll, aber ich habe das Privileg über die Regelstudienzeit hinaus zu studieren und mir das Wissen, was mir wichtig ist auch an anderen Stellen zu suchen. Unter anderem bei meiner Arbeit im AB Geschichtsdidaktik, an dem ich mit meinen Kolleg*innen die Möglichkeit habe intensiver zu verstehen, wie komplex die Frage ist, welche Themen in die Lehre gelangen. Hier hatte ich die Möglichkeit, mit Adrian Lehne und Veronika Springmann ein Seminar zu Sexualitäten zu entwickeln. Außerdem kann ich mich intensiv mit Themen beschäftigen, die ich auch selbst in meinem Unterricht verorten möchte.

Maria Ganten studiert Geschichte und Englisch.