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Digital*Humanities im Gespräch im Wintersemester 2018/19

Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem CeDiS (Center für Digitale Systeme)

8. November 2018: Bart Soethaert: "Digitale Verflechtungen: Bibliographien und Biogramme"

Das Centrum Modernes Griechenland der Freien Universität Berlin versteht sich als Knotenpunkt für die Vernetzung der deutsch-griechischen Forschung. Mit der CeMoG-Wissensbasis, die demnächst unter dem Einsatz des Open Encyclopedia System (OES) online gehen wird, wird Forscher/innen, Studierenden und allgemein Interessierten zum ersten Mal ein Instrument an die Hand gegeben, das den Facettenreichtum der deutsch-griechischen Beziehungen seit dem 18. Jhdt. dokumentiert und die wissenschaftliche Erforschung ihrer Geschichte(n) unterstützt. Der Vortrag geht auf die informationstechnische Konzeption und Umsetzung dieses Repositoriums für bibliographische und prosopographische Angaben ein, worauf weitere digitale Publikationen, wie z.B. das Online-Kompendium der deutsch-griechischen Verflechtungen, aufbauen werden.

30. November 2018: Charlotte Schubert: "Digital Plato"

Veranstaltung des Sonderforschungsbereichs 980 "Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "WissensFragen – Der SFB 980 im Gespräch mit ..."

Das Projekt Digital Plato hat zum Ziel, die Nachwirkung und Rezeption des platonischen Werkes in der antiken griechischen Literatur anhand einer Zusammenstellung der Textstellen zu erschließen, an denen Platon paraphrasiert wird.

Auf der Grundlage existierender Ansätze aus dem Bereich der Paraphrasing Technology und der vielfältigen digital vorliegenden Sekundärmaterialien zu dem Platonischen Werk und der altgriechischen Literatur soll eine Paraphrasensuche entwickelt werden.

Der so erstellte Paraphrasen-Thesaurus wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wodurch eine explorative Analyse der Nachwirkung und Rezeption des Platonischen Werkes in der antiken griechischen Literatur möglich gemacht wird.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem auf andere Fragestellungen aus der Philosophie und Literaturgeschichte übertragbar sein. Weiterhin möchten wir einen Beitrag zur

Differenzierung des Paraphrasenbegriffs in der Informatik und Computerlinguistik leisten, die sich aus der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Funktionen von Paraphrasen in der rhetorischen Tradition von Metaphrase, Paraphrase und Allusion ergibt.

Digital Plato ist ein Verbundprojekt mit Projektpartnern aus der Klassischen Philologie (Prof. Dr. Sier, Universität Leipzig), der Alten Geschichte (Prof. Dr. Schubert, Universität Leipzig), der Korpuslinguistik (Prof. Dr. Scharloth, TU Dresden) und der Informatik (Prof. Dr. Molitor / Dr. Ritter, Universität Halle-Wittenberg). Das Projekt wird im Rahmen der Förderschiene „Offen – für Außergewöhnliches“ der VolkswagenStiftung gefördert. Die Projektlaufzeit beträgt 3 Jahre (2016-2019).

6. Dezember 2018: Manfred Stede: Automatische Sentimentanalyse zwischen Hotel und Parlament

Die automatische Sentimentanalyse versucht, Meinungen und Stimmungen in Texten zu erkennen, zu klassifizieren und gegebenenfalls auch zusammenzufassen. Das kommerzielle Anwendungsfeld reicht von User-Bewertungen für Produkte oder Dienstleistungen (z.B. Hotels) bis hin zur Erfassung von allgemeinen Stimmungen, die dann wiederum der Finanzmarktanalyse zunutze sein sollen. Der Vortrag erläutert zunächst grundsätzliche Begrifflichkeiten und beschreibt unterschiedliche Formulierungen der Aufgabe „Sentimentanalyse“, die mit verschiedenen Textsorten (Zeitungstext, Twitter, etc.) und dann auch mit Unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden einhergehen. Im zweiten Teil fragen wir nach Anwendungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften, insbesondere nach dem Potenzial von Sentimenterkennung in politischen Debatten und in narrativen Texten, wo weniger die Beurteilung von Gegenständen oder Sachverhalten, sondern die Haltungen und Emotionen zwischen den Akteuren von Interesse sind.

10. Januar 2019: Katrin Glinka: "Potenziale von Datenvisualisierung für die geisteswissenschaftliche Forschung und Vermittlung"

Katrin Glinka (Stiftung Preußischer Kulturbesitz | „museum4punkt0“): Der Vortrag illustriert die Potenziale von Visualisierungstechnologien als methodische Ergänzung in geisteswissenschaftlichen Kontexten. Aufbauend auf einer begrifflichen Zuspitzung als Verbildlichung komplexer Daten und Wissenszusammenhänge werden Visualisierungen als „Bilder“ in den Kontext insbesondere kunsthistorischer Methoden und Arbeitsweisen gestellt. In diesem Zusammenhang hebt der Vortrag anhand von Praxisbeispielen die Potenziale einer gegenseitigen Methodenanreicherung hervor. Visualisierungen werden abschließend als interaktive und explorative Präsentationsform kultureller Sammlungen für die Vermittlung wissenschaftlicher Kontexte praxisnah illustriert.

7. Februar 2019: Peer Trilcke: "Digitale Netzwerkanalyse literarischer Texte"

Die Modellierung von (sozialen) Strukturen als Netzwerk hat, zumal in Soziologie und Anthropologie, bereits eine lange Tradition. Mit der Digitalisierung und dem ›Aufstieg der Netzwerkgesellschaft‹ hat dabei nicht nur die Netzwerkmetapher einen beispielslosen Boom erlebt; auch die Methoden der Netzwerkanalyse werden heute auf zahlreiche Phänomenbereiche angewendet, darunter auch die Literatur. Mit der computerbasierten Analyse von Figureninteraktion stellt der Vortrag – in Form von zwei Fallstudien – ein literaturwissenschaftliches Anwendungsszenario der Netzwerkanalyse vor. Gegenstand der Fallstudien, die im Rahmen der dlina-Arbeitsgruppe (https://dlina.github.io/ – https://github.com/dlina) durchgeführt wurden, sind über 450 deutschsprachigen Dramen aus der Zeit 1730 bis 1930.