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Wissenspraktiken in antiken Kulturen und Gemeinschaften erforschen

Eröffnungsfeier für das Institut für Wissensgeschichte des Altertums und „ZODIAC – Ancient Astral Science in Transformation“ am 17. Juni 2022

Nr. 096/2022 vom 16.06.2022

Die Wissenspraktiken in antiken Kulturen und Gemeinschaften und die damit verbundenen Wissensarchive werden an der Freien Universität Berlin künftig in einer neu gegründeten Einrichtung erforscht. Das Institut für die Wissensgeschichte des Altertums wird am Freitag, dem 17. Juni von 11 Uhr an mit einem Festakt eröffnet. Geleitet wird das Institut in der Arnimallee 10 in Berlin-Dahlem von Prof. Dr. J. Cale Johnson; angesiedelt ist es am Fachbereich für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin.

Mit der Eröffnung des Instituts nimmt das Forschungsprojekt ZODIAC – Ancient Astral Science in Transformation (Zodiac steht das lateinische Zodiacus – Tierkreis) unter Leitung von Dr. Dr. Mathieu Ossendrijver seine Arbeit auf; es wird mit einem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) gefördert. Nach einem Grußwort vom Präsidenten der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Günter M. Ziegler bilden die Festvorträge von Francesca Rochberg (Assyriologie, UC Berkeley, USA) und Daryn Lehoux (Ancient Sciences, History and Philosophy of Science, Queen’s University, Kanada) den akademischen Auftakt. Im Anschluss findet ein Gartenfest in der Institutsvilla, Arnimallee 10, Berlin-Dahlem statt. Die Feier ist öffentlich, um Anmeldung wird gebeten unter: wissensgeschichte@geschkult.fu-berlin.de

Bereits im Pandemie-Jahr 2020 trat J. Cale Johnson die Professur für Wissensgeschichte des Altertums an. Er studierte Assyriologie, Vergleichende Semiotik, Linguistik und Linguistische Anthropologie an der UCLA – University of California und an der Universität Kyoto. Zahlreiche Aufenthalte führten in an die Freie Universität Berlin; so forschte er am Institut für Altorientalistik, am Exzellenzcluster TOPOI sowie am SonderforschungsbereichEpisteme in Bewegung zudem war er stellvertretender Leiter des ERC-Forschungsprojektes BabMed – Babylonian Medicine. J. Cale Johnson lehrte im Fach Assyriologie an der Universiteit Leiden und an der University of Birmingham. Neben den Forschungsschwerpunkten Proto-Keilschrift und der Ursprung der Schrift, sumerische Literatur und Grammatik arbeitet er unter anderem zur babylonischen Medizin sowie zur Wirtschafts- und vorderasiatischen Rechtsgeschichte. Seit Kurzem gehört Prof. Johnson auch zur „Principal Teaching Faculty“, dem Leitungsgremium der IMPRS-KIR – der Internationalen Max Planck Research School „Knowledge and Its Resources: Historical Reciprocities“.

Wissensgeschichte des Altertums zielt auf eine fächerübergreifende Anschauung von Wissenspraktiken in antiken Kulturen und Gemeinschaften sowie der damit verbundenen Wissensarchive. Die Geschichte des Wissens beginnt mit der Entstehung von Wissenspraktiken, die in Artefakten verkörpert sind, insbesondere in Notationssystemen und in Schriftsystemen. „Also schließt die Wissensgeschichte des Altertums neben den traditionellen wissenschaftshistorischen Bereichen wie Medizin und Astronomie alle Formen praktischen und theoretischen Wissens mit ein, darunter Schriftentwicklung, Divination, Astrologie, und die Herstellung von Artefakten“, betont Cale Johnson. Daneben seien weitere „informelle“ Wissensformen zu berücksichtigen und die Belege für deren Praxis oder Konzeptualisierung in der Antike zu analysieren. Der Fokus des neuen Instituts liegt auf dem Mittelmeerraum und den Bezügen in den Nahen Osten bis nach Asien; erforscht wird der Zeitraum von den frühesten Phasen menschlicher Aktivität bis zum ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung.

Die Einrichtung des englischsprachigen Master-Studiengangs „Wissensgeschichte“ ist derzeit in der Planungs- und Genehmigungsphase und soll voraussichtlich zum Sommersemester 2023 angeboten werden können. Das Institut am Fachbereich für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin soll in Forschung und Lehre als Bindeglied neue Aspekte für die „Kleinen Fächer“ aktivieren: Sowohl die Zusammenschau der Inhalte wie auch ein international ausgelegtes Curriculum bieten eine attraktive Perspektive für das Studium der Altertumswissenschaften. Mit seinen 21 Einzel-Instituten ist der Fachbereich für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin eines der deutschlandweit führenden Standorte für die Altertumswissenschaften, Studierende und Forschende profitieren gleichermaßen vom Angebot der Berliner Schwesternuniversitäten sowie zahlreicher außeruniversitärer Einrichtungen, etwa dem nahegelegenen Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte oder der Museumslandschaft Berlin.

Zugleich mit der Institutseinweihung wird die Eröffnung des Forschungsprojektes „ZODIAC – Ancient Astral Science in Transformation“ gefeiert. Das Projekt begann im April 2021 und wird über eine Laufzeit von fünf Jahren mit einem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates und einer Fördersumme von knapp 2.5 Millionen Euro gefördert. Das international besetzte interdisziplinäre ZODIAC-Team untersucht textliche und ikonographische Quellen über den Tierkreis und die darauf basierenden astronomischen, astrologischen und sozialen Praktiken aus Babylonien, Ägypten und der griechisch-römischen Welt und darüber hinaus. Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der Tierkreis und die damit zusammenhängenden Praktiken, wie Horoskopie und mathematische Astronomie sich in der Antike entwickelten und wie diese sich kulturübergreifend verbreiten konnten. ZODIAC steht exemplarisch für die Anliegen des neuen Instituts: Der interdisziplinäre Ansatz begreift Astralwissenschaft als eine Zusammenschau eng miteinander verbundener astronomischer, astrologischer, mathematischer, religiöser und sozialer Praktiken.

Mathieu Ossendrijver ist Principal Investigator des ZODIAC-Forschungsprojekts; er ist Wissenschaftshistoriker des Altertums, Assyriologe und Astrophysiker. Von 2013 bis 2018 lehrte er als Professor für Wissenschaftsgeschichte der Antike an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsinteressen umfassen babylonische Astralwissenschaft (Astronomie, Astrologie) und Mathematik, institutionelle, soziale und andere kontextuelle Aspekte babylonischer Wissenschaft sowie interkulturelle Wissenstransformationen zwischen Babylonien und benachbarten Kulturen, etwa die Ägyptens und der griechisch-römischen Welt.

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