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Expertentreffen "Colloidal Drug Carriers" vom 3.-5. Juni 1999

Pharmazeuten und Humanmediziner diskutieren die Wechselwirkungen von Arzneistoffträgern mit dem Organismus

Nr. 108/1999 vom 31.05.1999

Vom 3.-5. Juni 1999 findet zum vierten Mal das Expertentreffen über kolloidale Arzneistoff-träger in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt. Die Veranstal-tung wird vom Fachbereich Pharmazie der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (Teltow-Seehof) mit Unterstüt-zung der Arbeitsgemeinschaft für Pharmazeutische Verfahrenstechnik (APV) und dem Local Chapter der Controlled Release Society Germany durchgeführt. Thema des diesjährigen Ex-pertentreffens sind die Interaktionen von Arzneistoffträgern mit der "biologischen Umgebung".

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat 1994 eine Forschergruppe für kolloidale Arzneistoffträgersysteme im Fach Pharmazie an der FU eingerichtet. Es handelt sich um eine multidisziplinäre Forschergruppe, an der neben weiteren FU-Instituten auch das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung beteiligt sind. Die Forscher wollen die Therapie durch gewebsspezifische Arzneistoffapplikationen, d.h. Applikationen bzw. Freisetzungen des Arzneistoffs aus der Darreichungsform am Wirkort erzielen. Das ausgewählte Arzneistoffträgersystem sind Partikel aus festen Lipiden, sog. Feste Lipid-Nanopartikel. Die Gewebsspezifität wird durch Modifikation der Oberflächeneigenschaften der Partikel angestrebt.

Die Wechselwirkungen mit dem Organismus bestimmen sowohl Verträglichkeit als auch Effizienz der Arzneiform. Das Verständnis dieser Interaktionen und ihre Auswirkungen ist daher eine unerläßliche Voraussetzung für das optimale Design von Arzneistoffträgern. Das Vortragsprogramm gibt einen Überblick über sehr unterschiedliche Wechselwirkungen von Arzneistoffträgern mit dem Organismus, d. h. von Membraninteraktion bis hin zur Adsorption von körpereigenen Proteinen auf Partikeloberflächen. Die vorgestellten Arzneiformen reichen von Partikeln zur oralen Applikation und Resorption aus dem Gastrointestinaltrakt bis hin zu parenteral (d.h. nicht oral) applizierbaren Systemen (z. B. Nanopartikel zur intravenösen Injektion). Die Referenten kommen von Universitätsinstituten, klinischen Einheiten und aus der pharmazeutischen Industrie. Zusätzlich zum Hauptthema der "Interaction of colloidal drug carriers with the biological environment" finden noch zwei Workshops statt. Im Workshop "Partikelcharakterisierung" werden unterschiedliche Analysetechniken zur Partikelgrößen- und Ladungsmessung präsentiert, d. h. von automatischen digitalen Bildverarbeitungssystemen bis hin zu Meßinstrumenten auf der Basis der Lasertechnologie. Im Workshop Dispergiertechnik werden unterschiedliche Verfahren zur effizienten Dispergierung (Herstellung von Dispersionen) vorgestellt, die Referenten kommen aus der Industrie. Beide Workshops werden von Geräteausstellungen und Gerätedemonstrationen begleitet. Zu dieser Tagung werden 180 Teilnehmer erwartet. Sie kommen überwiegend aus der pharmazeutischen Industrie.

Die Firmen Beiersdorf AG (Hamburg), dds - drug delivery services GmbH (Kronshagen), medac GmbH (Hamburg), NanoTec Pharmaceuticals (Berlin) und Schering AG (Berlin) unterstützen finanziell das Expertentreffen. Die Firma dds GmbH stiftet das Preisgeld für den "cdc Research Award", die Firma Schering AG die Posterpreise.

Wie bereits im Jahr 1997 wird wieder der "cdc Forschungspreis" für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet kolloidaler Arzneistoffträger vergeben. Der Preis ist mit 5000 DM dotiert, bewertet werden die vorgeschlagenen Kandidaten von einem internationalen Gutachtergremium mit Gutachtern aus verschiedenen europäischen Ländern.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rainer Müller, Institut für Pharmazie der FU, 77000478