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Fremdes in fremden Sprachen

Tagung an der FU Berlin vom 25. bis 27. März

Nr. 17/1999 vom 26.01.1999

In einem von der Volkswagen-Stiftung finanzierten Forschungsprojekt an der Freien Universität wird unter Leitung von Prof. Jürgen Trabant der Frage nach dem Fremden in Sprachen und Texten systematisch nachgegangen. Zu der vom 25. bis zum 27. März veranstalteten Tagung "Fremdes in fremden Sprachen" kommen Experten zusammen, um dem Fremden in ausgesprochen fremden Sprachen wie etwa Japanisch, Baskisch, Romani und Arabisch nachzuspüren. Behandelt werden auch weitgehend unbekannte Texttraditionen, wie etwa afrikanische Sprichwörter oder die Tradition des Barbarenmotivs in den Schriften der Humanisten des 16. Jahrhunderts.

In Deutschland haben das "Fremde" und "Fremdheit" in den Geistes- und Sozialwissenschaften Hochkonjunktur. Immer wieder wird darauf verwiesen, welche Probleme das mehrdeutige Wort "fremd" den Übersetzern bereitet: So kann im Deutschen etwas als "fremd" bezeichnet werden, das nicht das Eigene ist, etwa das "Fremdkapital". Als "fremd" kann auch bezeichnet werden, was jemandem nicht bekannt und vertraut ist, etwa all die fremden Länder, in die man reist, um fremde Menschen und Sitten kennenzulernen. Auch wenn diese beiden Bedeutungen getrennt auftauchen können – vielen Menschen ist Fremdkapital mitnichten fremd – stehen sie doch in einer nachvollziehbaren Relation zueinander: Häufig geht das Nicht-Eigene mit einer Unvertrautheit einher und wird gar noch als seltsam oder absonderlich empfunden. Diese geläufigen Reaktionen auf das Nicht-Eigene bescherten dem Wort "fremd" – aus der Perspektive der historischen Semantik – seine Bedeutungsvielfalt.

Andere Reaktionen auf das Nicht-Eigene oder das Andere sind denkbar und werden ebenfalls in Bedeutungsentwicklungen von Wörtern gespiegelt: So bezeichnete das lateinische Wort "hostis" zunächst den Gast, dann den Fremden und später gar den Feind. Bezeichnete das griechische Wort "Barbar" anfänglich ohne abwertenden Beigeschmack einfach denjenigen, der unverständlich sprach, wurde es später zur Bezeichnung der – nach Meinung der Griechen – kulturlosen Völker und Menschen verwendet. Fremd ist auch das, worüber man sich wundert; und so wird im Russischen – aufgrund lautlicher Ähnlichkeit – ein Wort für "fremd" mit dem Wort für "Wunder" in Verbindung gebracht.

Aber nicht nur einzelne Wörter können unter die sprachwissenschaftliche Lupe genommen, um die Vielfalt menschlicher Reaktionen auf Fremdes aufzuzeigen, auch Texte und ihre Traditionen sind Gegenstand sprachwissenschaftlicher Annäherungen an diese Thematik. Die Assoziationen, die im Kontext der deutschen Debatte um den Zuzug von Ausländern durch den Satz "Das Boot ist voll" ausgelöst werden, sind ein gutes Beispiel hierfür: Dieser kurze Text hat seine eigene fremdenfeindliche Geschichte.

Weitere Informationen

Brigitte Jostes, Institut für Romanische Philologie, Tel.: 030 / 838 2598, Fax: 030 / 838 2235, E-Mail: jostes@zedat.fu-berlin.de

Das ausführliche Tagungsprogramm mit Zusammenfassungen der Beiträge kann im Internet unter http://www.fu-berlin.de/romphil eingesehen werden.