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Klimawandel im Hochland von Lesotho: Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Ein Bericht von Prof. Dr. Frank Riedel vom Institut für Geologische Wissenschaften.

30.06.2020

Senqu Orange River

Senqu Orange River
Bildquelle: Frank Riedel

Mit Unterstützung des FU Berlin Center for International Cooperation konnte eine DFG-Forschungsförderung eingeworben werden. Das Hochland von Lesotho fungiert als bedeutendster „Wasserturm“ für das weitgehend semi-aride südliche Afrika. Ein prognostizierter Temperaturanstieg hat, in Klimamodellen, eine signifikante Abnahme der Niederschläge zur Folge, mit weitreichenden sozio-ökonomischen Folgen. Interessanterweise soll das Klima auch während des Letztglazialen Maximums (LGM), vor ca. 24000-18000 Jahren, unter, aus Geoarchiven abgeleiteten, deutlich niedrigeren Temperaturen als heute, sehr trocken gewesen sein. Führt dort also Temperaturänderung in beide Richtungen zu mehr Trockenheit? Archäologische Studien zeigen, dass Menschen während des LGM im Hochland lebten und u.a. Fische fingen. Es war also Wasser vorhanden. Aber wie viel? Ganzjährig oder nur saisonal? Und welche Temperaturen herrschten?

Über molekulargenetische Analysen an aquatischen Schnecken soll deren Besiedlungsgeschichte der Hochlandflüsse nachgezeichnet werden. War es zu trocken, konnten die Schnecken dort nicht leben und müssen die Flüsse später neu besiedelt haben. War es jedoch durchgehend humid, können die Schnecken auch während des LGM im Hochland gelebt haben. Die damals vorherrschenden Temperaturen sollen mit Hilfe von Isotopen-Verhältnissen fossiler Fischknochen rekonstruiert werden. War es z.B. feucht und kalt, sollten sich Gletscher gebildet haben, deren Landschaftsrelikten mit Satelliten und Drohnen nachgespürt wird. Eine Simulation des regionalen LGM-Klimas kann nicht nur helfen, die Klimadynamik im Hochland von Lesotho besser zu verstehen, sondern auch Fernbeziehungen (Nord- versus Süd-Hemisphäre) im globalen Klimawandel zu erkennen.

Das multi-disziplinäre Projekt erfordert eine enge Zusammenarbeit der FU-Wissenschaftler Kai Hartmann (Geographie), Frank Riedel (Paläontologie) und Stephan Pfahl (Meteorologie) mit Ulrich Struck (Berliner Museum für Naturkunde, Isotopenchemie) und Christian Albrecht (Universität Gießen, Molekulare Biologie) und Partnern aus Botsuana (Elisha Shemang, Geophysik) und Lesotho (Joalane Marunye, Klimatologie).