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Über den Umgang mit Menschen

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Interdisziplinäre Ringvorlesung WS 2019/20


Über den Umgang mit Menschen ist der Titel eines Buches, das heute kaum noch Leser*innen zu finden scheint, dessen Verfasser aber nachgerade zu einer Marke geworden ist: Der Name des Freiherrn Knigge steht als Chiffre für gutes Benehmen, für tadellose Manieren – kurz: für das Beherrschen der gesellschaftlichen Codes, nicht zuletzt mit Blick auf ein berufliches und gesellschaftliches Fortkommen. Wer allerdings in seinem Buch nach einem Crashkurs in guter Kinderstube oder gar urbaner Eleganz sucht, wird enttäuscht. Anders als moderne Ableger wie www.knigge.de bietet Knigge alles andere als „Manieren per Mausklick“. Der Text ist vielmehr eine Anleitung zur Selbsterziehung: der Bürger möge sich selbst zu einem angenehmen Gesellschafter und zu einer redlichen, aufrichtigen Person erziehen. So verstanden, empfiehlt uns Knigge gerade nicht, wie man am leichtesten in der Gesellschaft aufsteigt und welche Tricks diesen Aufstieg erleichtern. Statt eines Regelkatalogs findet sich in Über den Umgang mit Menschen der aufklärerische Aufruf zur Eigenverantwortlichkeit, und damit zu einer neuen Form gesellschaftlicher Selbstbestim­mung und Freiheit.

Was bedeutet das heute? Ausgehend von Knigges Betrachtungen von 1788 wurde in der Vorlesung ergründet, was in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kon­texten als ein guter Umgang miteinander gesehen wurde und wie sich darüber hinaus Kategorien wie ‚der gute Ton‘, ‚Höflichkeit‘ oder ‚Anstand‘ für die Gegenwart fruchtbar bestimmen lassen. Nicht zuletzt wurde Knigges Rezeptionsschicksal, das ihn zum Synonym für starre Benimmregeln hat werden lassen, einer kritischen Revision unterzogen. Dabei spielten literarische Vermittlungen ebenso eine Rolle wie aktuelle Debatten etwa um geschlechter­gerechte Sprache, die Streit- und Kommentarkultur der Sozialen Medien, sprachliche und gesellschaftliche Repräsentation und deren politische Implikationen sowie die diskursiven und sozialen Mechanismen von Inklusion und Distinktion im sozialen Umgang.

Die Ringvorlesung war Teil des Projekts #kniggegehtum, mit dem das Dahlem Humanities Center bei dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Eine Uni – Ein Buch“ des Stifterverbands und der Klaus Tschira Stiftung erfolgreich war. Die Auseinandersetzung mit Knigges Text an der Freien Universität beinhaltete hauptsächlich drei Formate, die miteinander verknüpft waren. Den Auftakt bildete die Lange Nacht der Wissenschaften am 15. Juni  2019, der Tag der offenen Tür der Berliner Hochschulen, bei der Knigge und seine Aktualität mit Vorträgen, Lesungen, einer Videoinstallation und Mitmachaktionen einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht wurde. Die Ringvorlesung im Rahmen des Offenen Hörsaals im WS 2019/20 verbindete dann wissenschaftliche Reflexion und öffentliche Diskussion. Schließlich hielt die Social Media-Aktion #kniggegehtum auf Twitter, Instagram und Facebook das Thema das akademische Jahr hindurch präsent.

Konzeption: Dahlem Humanities Center, Prof. Dr. Anita Traninger, Simon Godart

Presseecho zur Ringvorlesung:

Erfahren Sie mehr zur Ringvorlesung WS 2019/20 im Kurzinterview mit Simon Godart auf rbb-online.

Radiobeitrag zur Ringvorlesung mit Prof. Dr. Anita Traninger, Simon Godart, Prof. Dr. Horst Simon und Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch im Deutschlandfunk.

Artikel zu Knigge von Barbara Saur im Campusmagazin FURIOS.

Interview über "Über den Umgang mit Menschen" mit Simon Godart auf rbb Kultur.

Vortrag über den "Umgang mit Frauenzimmern" von Dr. Lily Tonger-Erk im Deutschlandfunk Nova.

Programm

16.10.2019
Eröffnung und Einführung

Grußwort | Prof. Dr. Klaus Mühlhahn, Vizepräsident der Freien Universität Berlin
Einführung | Prof. Dr. Anita Traninger / Simon Godart

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier


23.10.
Filmvorführung: Knigge geht um – Der Film

Deutschland 2019, 79 Min.
Regie und Schnitt: Johannes Sima
Konzept und Produktion: Simon Godart, Katja Heinrich, Anita Traninger und Isabelle Wagner

Den Film finden Sie hier, sowie auf dem YouTube-Kanal der Freien Universität

 

30.10.
Prof. Dr. Eun-Jeung Lee (Freie Universität Berlin)
„Bloß nicht übertreiben“ – Höflichkeit nach der konfuzianischen Lehre

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

6.11.
Dr. Tanja Ackermann (Freie Universität Berlin)
Höflichkeit aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Entwicklungen und regionale Unterschiede im deutschsprachigen Raum

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

13.11.
Prof. Dr. Horst Simon (Freie Universität Berlin)
Höflichkeit in der Grammatik  in den Sprachen der Welt und in der Geschichte des Deutschen

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

20.11.
Keine Vorlesung


27.11. (Programmänderung)
Nina Tolksdorf (Freie Universität Berlin)
Performative Höflichkeit

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

4.12.
Dr. Lily Tonger-Erk (Eberhard Karls-Universität Tübingen)
Umgang mit Frauenzimmern. Anstand und Geschlecht um 1800

 

11.12.
Prof. Dr. Andreas Kraß (Humboldt-Universität zu Berlin)
Höfliche Liebe: Vom Umgang der Geschlechter in der höfischen Kultur des Mittelalters

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

18.12.
PD Dr. Gunhild Berg (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Kulturelle Vielfalt in einer Gesellschaft im Wandel. Knigges Ratgeber für Herausforderungen im geselligen Umgang seiner Zeit

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

8.1.2020
Prof. Dr. Anne Eusterschulte (Freie Universität Berlin)
Umgang und Architektur

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

15.1.
Prof. Dr. Karl-Heinz Göttert (Universität zu Köln)
Knigge: Werk und Autor

Die Videoaufzeichnung zu dieser Vorlesung finden Sie hier

 

22.1. 
Prof. Dr. Matthias Pohlig (Humboldt-Universität zu Berlin)
Politik und Höflichkeit. Überlegungen zum diplomatischen Zeremoniell in der Frühen Neuzeit.


29.1.
Prof. Dr. Ulrike Schneider (Freie Universität Berlin)
Galanterie. Zu Geschichte und Aktualität eines Ideals der Geselligkeit zwischen den Geschlechtern

 

5.2.
Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann (Universität Konstanz)
Anstand und Gemeinsinn

 

12.2.
Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch (Freie Universität Berlin)
Über den sprachlichen Umgang mit Menschen: Gerechte Sprache als moralische Pflicht


Veranstaltungsreihe im Rahmen des Programms des Offenen Hörsaals