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Digital*Humanities im Gespräch im Sommersemester 2019

Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem CeDiS (Center für Digitale Systeme). Das Gesamtprogramm finden Sie hier.

11. April 2019: Oliver Janz: "1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War"

In der Öffentlichkeit wie in der Geschichtswissenschaft dominiert bis heute ein auf Mittel- und Westeuropa konzentriertes Bild vom Ersten Weltkrieg. Er war jedoch ein gesamteuropäischer Krieg, der Ost- und Südosteuropa noch stärker in Mitleidenschaft gezogen hat als den Rest des Kontinents. Der Erste Weltkrieg war überdies der erste wirklich globale Krieg der Weltgeschichte: als weltumspannender Wirtschaftskrieg und durch die Teilnahme zahlreicher außereuropäischer Staaten, aber auch dadurch, dass die europäischen Mächte in großem Umfang die Ressourcen ihrer kolonialen Imperien mobilisierten. Und er war ein langer Krieg, der in vielen Regionen über 1918 hinausreichte. Diese Perspektiven stehen im Mittelpunkt von „1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War“. Das englischsprachige, von namhaften Wissenschaftlern geschriebene virtuelle Handbuch mit Lexikonteil spiegelt die sich zunehmend internationalisierende Forschung zum Ersten Weltkrieg nicht nur wider, sondern treibt sie durch Identifizierung von Lücken und Desiderata auch entscheidend voran.

Die im Open Access publizierte Enzyklopädie „1914-1918-online“ setzt auch für die E-Humanities Maßstäbe. Das Projekt entwickelt und erprobt modellhafte Navigationsverfahren für thematische Wissensräume, die dem Nutzer die Orientierung in komplexen, nicht-linearen Textkonvoluten erleichtern. Darüber hinaus bindet „1914-1918-online“ einschlägige virtuelle Fachbibliotheken und andere Informationssysteme ein.

Seit März 2016 wird „1914-1918-online“ im Rahmen des DFG-Projekts „Open Encyclopedia System“, das gemeinsam mit dem Center für Digitale Systeme, dem Centrum Modernes Griechenland und der Bayerischen Staatsbibliothek durchgeführt wird, weiter ausgebaut und um neue Funktionalitäten ergänzt. Die Kernbereiche der Weiterentwicklung umfassen unter anderem die Versionierung elektronischer Publikationen sowie die explorative Entwicklung von Funktionalitäten zur Nutzerbeteiligung.

9. Mai 2019: Burkhard Meyer-Sickendiek: "Prosodieanalyse zwischen Sprachsignalverarbeitung und Lyriktheorie"

Das Projekt „Rhythmicalizer” erprobt die Anwendbarkeit „tiefer Lerntechniken” für die Literaturwissenschaften bzw. die Gedichtanalyse. Wie lassen sich prosodische bzw. rhythmische Muster in moderner und postmoderner Lyrik mittels neuronaler Netztechniken auf der Grundlage von „embeddings” realisieren? Für diese Klassifikation prosodischer Klassen der Lyrik haben wir merkmalsbasierte Verfahren und Techniken tiefen Lernens vergleichend untersucht, also einem merkmalsbasierten Ansatz, der auf Lyriktheorien im Bereich der freien Versprosodie basiert, einen Ansatz gegenübergestellt, der über eine Integration von höherem Wissen in ein neuronales Netzwerk funktioniert. Unser Projekt arbeitet mit character embeddings auf der Grundlage bidirektionaler, rekurrenter neuronaler Netzwerke, die die Sequenz von Zeichen in eine mehrdimensionale Darstellung überführen. Mit dieser Technik ist es uns gelungen, Hörgedichte des online-Portals „lyrikline” auf unterschiedliche prosodische Formen hin zu klassifizieren und somit die alte Theorie der Metrik um vollkommen neue rhythmische Muster zu erweitern.

6. Juni 2019: Barbara Flückiger: "Digital-Humanities-Tools für die ästhetische Filmanalyse"

Zwischen dem Anspruch ästhetische Phänomene detailliert zu analysieren und dem Einsatz von computer-gestützten Verfahren scheint es eine grundlegende Diskrepanz zu geben. Denn subtile Details der Gestaltung erfordern die Kontextualisierung und Differenzierung durch ein menschliches Subjekt, während digitale Systeme streng formalisierte Verfahren der Erfassung und Prozessierung von Daten verlangen.

Genau in diesem Spannungsfeld ist die ästhetische Analyse von Filmfarben angesiedelt, für die im Rahmen des Forschungsprojekts ERC Advanced Grant FilmColors komplexe Tools zur Video-Annotation, Analyse und Visualisierung entwickelt werden. Ansätze und Probleme dieser Werkzeuge stehen im Zentrum der Präsentation und Diskussion im Rahmen der Reihe ‘Digital Humanities im Gespräch’.

4. Juli 2019: Germaine Götzelmann, Philipp Hegel und Michael Krewet: 'Wissensgeschichten, Wissenstransfers: Digitale Methoden im SFB980 "Episteme in Bewegung"'

Der an der Freien Universität Berlin angesiedelte Sonderforschungsbereich "Episteme in Bewegung - Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die frühe Neuzeit" entwickelt digitale Werkzeuge und Infrastrukturen, um die Erforschung wissensgeschichtlicher Zusammenhänge computerbasiert zu unterstützen.

Anhand von Forschungsfragen aus der Altphilologie und Ägyptologie zeigen wir, wie mithilfe digitaler Werkzeuge der raumzeitliche Transfer von Wissensobjekten und -gegenständen umfassender, komfortabler und auf der Grundlage größerer Materialmengen als bislang nachvollzogen werden kann. Bewegungen und Veränderungen innerhalb von Wissensobjekten und -gegenständen können so auf vielfältige Weise rekonstruiert und dargestellt werden. Die digitale Analyse und Auswertung vereinfacht die Erforschung komplexer Wissenstransferprozesse: So ermöglicht etwa eine automatisierte Layoutanalyse das Aufspüren von Anmerkungen auf Manuskript- und Druckseiten, und mithilfe digitaler Verfahren können diese Funde mehrfach, auch kollaborativ annotiert und textkritisch ausgewertet werden. Wissensbewegungen, auch multidirektionale, werden mithilfe solcher Informationstechnologien leichter nachvollziehbar und präsentierbar.