Wege in die Wirtschaftswissenschaft

Asylsuchende konnten sich in einer Veranstaltung von Rudi K. F. Bresser, Professor am Institut für Management der Freien Universität, über Studienmöglichkeiten am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft informieren

14.02.2017

Rudi Bresser kümmerte sich schon nach dem Fall der Mauer um die Integration von Studierenden.

Rudi Bresser kümmerte sich schon nach dem Fall der Mauer um die Integration von Studierenden.
Bildquelle: Marina Kosmalla

Bis auf einen irakischen Teilnehmer kamen an diesem Abend alle Interessierten aus Syrien. Gemein war ihnen außerdem, dass sie in ihrer Heimat entweder ein Bachelor-Studium im Bereich Wirtschaftswissenschaft begonnen oder schon abgeschlossen hatten. Hier in Berlin möchten sie nun ihr Studium fortsetzen. Welche Möglichkeiten ihnen an der Freien Universität offenstehen, erklärte Professor Bresser in einer englischsprachigen Einführungsveranstaltung in die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge der Hochschule.

Yazan Abo Alnaaj (l.) und Basel Balid (r.) wollen in Berlin ihr Studium fortsetzen.

Yazan Abo Alnaaj (l.) und Basel Balid (r.) wollen in Berlin ihr Studium fortsetzen.
Bildquelle: Marina Kosmalla

Unter den Zuhörern waren auch Basel Balid und Yazan Abo Alnaaj. Die beiden Syrer, die vor eineinhalb und zwei Jahren aus ihrer Heimat geflohen sind, haben sich im Studienkolleg der Freien Universität kennengelernt. Seit dem Sommersemester 2016 bietet das Studienkolleg spezielle Kurse für Flüchtlinge als Teil des Welcome@FUBerlin-Programms an. Mit Deutschunterricht und fachspezifischen Kursen soll studieninteressierten Flüchtlingen so der Einstieg ins Studium an deutschen Universitäten erleichtert werden.

Deutsch und Mathe sind Voraussetzung

„Mittlerweile spreche ich lieber Deutsch als Englisch“, sagte Basel Balid, der froh war, seine Fragen an Rudi Bresser auf Deutsch stellen zu können. Was dem 28-Jährigen mit einem Bachelor in Business Administration jedoch Probleme bereitet, sind seine Mathekenntnisse. „Hier wird schon wesentlich mehr erwartet als an meiner alten Uni.“ Damit sei er nicht allein, sagte Bresser. Der Wirtschaftsprofessor erläuterte den Geflüchteten deshalb auch Alternativen zu einem Universitätsstudium. An Fachhochschulen würden in dem Bereich beispielsweise weniger Kenntnisse vorausgesetzt.

Weitere Fragen bezogen sich darauf, ob an anderen Universitäten erbrachte Studienleistungen an der Freien Universität anerkannt würden. „Viele Geflüchtete nutzen die Zeit, in der sie auf die Entscheidung ihres Asylantrags warten, um sich weiter zu qualifizieren, etwa über Online-Kurse“, sagt Bresser. Prinzipiell könnten diese anerkannt werden, das erfordere aber eine genaue Prüfung des jeweiligen Studiengangkoordinators.

Engagement als Tradition

Unterstützt wurde Rudi Bresser bei der Informationsaktion durch Kolleginnen und Kollegen, studentische Hilfskräfte sowie den WiWiss-Alumni-Verein – eine Abteilung der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität Berlin e.V. – der für die Informationsveranstaltung Getränke und Pfannkuchen spendiert hat. Er selbst habe sich schon immer um die Integration von Studierenden gekümmert, sagte Bresser, etwa nach dem Fall der Mauer. „Bevor ich an die Freie Universität kam, habe ich an der City University of New York gelehrt. Sie ist bekannt für ihre Tradition, Einwanderer beim Studium zu unterstützen. Diese Einstellung habe ich praktisch aufgesogen und hier fortgeführt.“

Basel Balid und Yazan Abo Alnaaj fanden die Veranstaltung sehr hilfreich. Sie wissen jetzt genauer, welche Voraussetzungen sie für ihr gewünschtes Master-Programm brauchen und auch, wo sie weitere Informationen und Ansprechpartner finden können. Bis sie hoffentlich ihr Studium in Deutschland fortsetzen können, wollen sie auf jeden Fall noch besser Deutsch lernen.