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Antrittsvorlesung Édouard Louis

02.07.2018 | 18:00

Übernahme der Samuel-Fischer-Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft im Sommersemester 2018 / öffentliche Antrittsvorlesung am 18. Juni

Der französische Schriftsteller Édouard Louis hat im Sommersemester 2018 die 39. Samuel-Fischer-Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin inne. Das Thema seiner Lehrveranstaltung lautet „History of literature, history of violence“ (Geschichte der Literatur, Geschichte der Gewalt). Édouard Louis ist Autor von zwei Romanen und mehreren Essays sowie Herausgeber von zwei Bänden über den Philosophen Michel Foucault und den Soziologen Pierre Bourdieu. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er insbesondere für sein politisches Engagement bekannt. Seit 2016 lehrt Édouard Louis als Fellow am Dartmouth College in den USA. Sein Debütroman En finir avec Eddy Bellegueule (Seuil 2014, dt. Das Ende von Eddy, Fischer 2015) wurde im Erscheinungsjahr für den renommierten Prix Goncourt du premier roman nominiert und wurde mit dem Prix Pierre Guénin contre l’homophobie ausgezeichnet, einen Preis, der das Engagement gegen die Herabsetzung Homosexueller ehrt. Die Antrittsvorlesung findet am 18. Juni um 18 Uhr statt. Das Thema lautet: What literature can do? On shame, arts, and politics (Was Literatur ausrichten kann? Über Scham, Kunst und Politik). Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.

Als 39. Samuel Fischer-Gastprofessor wird Édouard Louis sich in seinem Seminar damit auseinandersetzen, inwiefern Autoren und Autorinnen wie Marguerite Duras, Michel Foucault, Toni Morrison, Swetlana Alexijewitsch und andere den Begriff der Gewalt definieren und ihn literarisch verarbeiten. Dabei soll untersucht werden, inwiefern unterschiedliche Formen von Gewalt die Welt prägen und die Wahrnehmung dieser beeinflussen. Die Frage danach, ob Literatur eine spezifische Art von Gewalt schafft, soll ebenfalls diskutiert werden. Das Seminar findet jeweils dienstags von 14-16 Uhr in englischer Sprache statt.

Édouard Louis wurde 1992 in Hallencourt geboren, einem französischen Dorf in der Picardie. Seinen Geburtsnamen Eddy Bellegueule legte er mit der Veröffentlichung seines ersten Romans ab. Er studierte Philosophie und Soziologie an der École Normale Supérieure, der École des Hautes Études et Science Sociales und an der University of Picardy. Édouard Louis‘ politische Artikel und Essays erscheinen unter anderem in The Guardian und der New York Times. Édouard Louis ist Herausgeber der sozialwissenschaftlichen Bände Pierre Bourdieu. L'insoumission en héritage (PUF 2013) und Foucault contre lui-même (PUF 2014). Er lebt in Paris, wo er hauptberuflich als Schriftsteller arbeitet.

Édouard Louis‘ literarisches Werk setzt sich mit sozialer und struktureller Gewalt auseinander. Seine autobiografischen Romane En finir avec Eddy Bellegueule und Histoire de la violence (Seuil 2016, dt. Im Herzen der Gewalt, Fischer 2016) betrachtet Louis nach eigenen Worten als „Teil desselben politischen Projektes“. Beide Romane wurden bereits in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. In En finir avec Eddy Bellegueule schildert Louis die Leiden eines homosexuellen Kindes mit dem Namen Eddy Bellegueule, das täglich mit Gewalt in Form von Rassismus, Sexismus und Diskriminierung konfrontiert wird und schließlich aus seiner Heimat flieht. Der Roman gilt als Milieuporträt der rechtsgerichteten und inzwischen umbenannten Partei „Front National“, der in Louis‘ Geburtsort Hallencourt, in dem auch der Roman spielt, mehrheitlich gewählt wird. Der autofiktionale Charakter des Romans sowie seine sozialkritische Perspektive, die sich aus Theorien Pierre Bourdieus speist, wurden in der Kritik besonders gewürdigt. Der Schriftsteller und Soziologe Didier Eribon bezeichnet den Debütroman als einen „literarischen Schock“ und seinen Autor als „einen der bemerkenswertesten Schriftsteller seiner Generation“. Auch innerhalb der politischen Welt Frankreichs erregte der Roman Aufsehen: Er wurde als höchst relevant für den politischen Diskurs angesehen und gewann den Prix Pierre Guénin contre l’homophobie. En finir avec Eddy Bellegueule wurde bereits in mehreren Theatern inszeniert, eine Adaption ist auch an der Berliner Schaubühne zu sehen.

Auch Louis‘ zweiter Roman steht in der Nähe zu sozialphilosophischen Theorien: Das Werk Histoire de la violence verweist in seinem Titel auf die Schriften Michel Foucaults, in dessen Werk institutionelle Konfigurationen von Macht und Gewalt im Zentrum stehen. Im Roman beschreibt Louis die Ereignisse um eine erlittene Vergewaltigung. Louis‘ Anliegen war es nach eigenen Worten, mit dem Roman „aus der Gewalt einen literarischen Ort zu machen“. Im Mai 2018 erschien ein weiterer Roman mit dem Titel Qui a tué mon père (Wer hat meinen Vater getötet?) bei Édition du Seuil. Überdies erscheint eine Veröffentlichung des Austauschs mit dem Philosophen und Soziologen Geoffroy de Lagasnerie mit dem Titel Conversation avec Geoffroy de Lagasnerie im Verlag Presses Universitaires de France.

Im Rahmen seines politischen Engagements veröffentlichte Louis im Jahr 2015 zusammen mit dem Philosophen und Soziologen Geoffroy de Lagasnerie ein „Manifest für eine intellektuelle politische Gegenoffensive“, in dem beide den Einsatz der Intellektuellen gegen politisch rechte Parteien fordern. Im Jahr 2016 schrieben Louis und de Lagasnerie einen offenen Brief an den damaligen französischen Premierminister Manuel Valls, in dem sie der Politik Untätigkeit angesichts einer ihrer Ansicht nach bestehenden terroristischen Bedrohung attestierten.

Zeit & Ort

02.07.2018 | 18:00

Freie Universität Berlin, Raum KL 32/123, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin-Dahlem

Weitere Informationen

Prof. Dr. Claudia Olk: claudia.olk@fu-berlin.de