16211 Lektürekurs

Sophokles, Die Trachinierinnen

Sandra Erker

Hinweise für Studierende

In dem Lektürekurs wird ein Fokus auf die Übersetzung des griechischen Originaltextes gelegt werden, wobei die Veranstaltung darüber hinaus an der Tragödie exemplarisch in Grundlagen der griechischen Metrik, des antiken Theaters (mit Schwerpunkt auf Sophokles) und der Tragödientheorie einführt, die für eine verstehende Erschließung der Tragödie relevant sind. Neben Studierenden der Klassischen Philologie, für die die Veranstaltung als Einführung in Sophokles bzw. die attische Tragödie und zur Vervollkommnung der eigenen Übersetzungstechniken konzipiert ist, ist die Lektüre für interessierte Studierende aus benachbarten Fächern und Gasthörer/innen mit und ohne Kenntnisse des Altgriechischen geöffnet (s. unten Hinweise zu Ausgaben und geeigneten Übersetzungen). Bitte verschaffen Sie sich vor Beginn der ersten Sitzung einen Überblick über den Aufbau der Tragödie. Schließen

Kommentar

Neben Aischylos und Euripides zählt Sophokles zu den wichtigsten Vertretern der attischen Tragödie, der mit der Aufführung seiner Tragödien, von denen uns heute 7 erhalten sind, stets so erfolgreich gewesen sein soll, dass er im Agon der Dionysien in Athen immer mindestens den 2. Rang belegt habe. Aristoteles zieht die Tragödien des Sophokles im Rahmen seiner Tragödientheorie, die er in der Poetik entwickelt, als glänzendes (Tragödien-)Beispiel für eine eindringliche Charakterzeichnung, die kunstvolle Komposition einer tragischen Handlung und die gelungene Einbindung des Chores heran, der bei Sophokles im Unterschied zu Euripides wie ein Schauspieler auftrete und so ganz organisch an der Handlung mitwirke. Neu eingeführt habe Sophokles in der Aufführungspraxis den dritten Schauspieler und die Bühnenmalerei.

Zu den bekanntesten Stücken des Sophokles, die bereits Aristoteles für ihre Qualität lobt und die bis heute Einzug in das Theaterrepertoire erhalten haben, zählen freilich u.a. die Antigone oder König Ödipus. Ein Schattendasein scheinen hingegen im Vergleich zu Sophokles‘ berühmten Tragödien lange Zeit die Trachinierinnen gefristet zu haben (obwohl sie nach den Testimonien, die überliefern, dass Sophokles nie den dritten Rang belegt habe, wohl vermutlich ebenfalls mindestens den 2. Platz belegt haben müssten). Geteilt (ist und) war in der Forschung das Urteil über Qualität und Schaffensperiode, in die dieses Werk des Sophokles fällt, dessen genaues Aufführungsdatum heute unbekannt ist. Aus stilistischen und strukturellen Gründen und besonders mit Blick auf die Charakterzeichnung der Deianeira werden die Trachinierinnen meist zu den frühen Stücken des Sophokles gerechnet (ca. 450 v. Chr.): In ihnen habe Sophokles noch nicht das volle Potential seiner Tragödienkunst entfaltet, die Tragödie gestalte sich strukturell weniger komplex als bei Sophokles üblich und im Vergleich zu der eindringlichen Charakterzeichnung der zornigen und stürmischen Klytaimnestra in Sophokles‘ Elektra mache Deianeiras Charakter einen eher blassen Eindruck. Andere Argumentationen zu der relativen Chronologie des Stückes, die sich auf sprachliche und strukturelle Vergleiche beziehen oder für eine qualitativ höhere Einschätzung der kompositorischen Gestaltung des (oft unterschätzten) Stückes plädieren, scheinen hingegen auch spätere Datierungen zu erlauben – oder zumindest aus Qualitätsgründen keine eindeutig frühe Datierung der Trachinierinnen im Sinne einer künstlerischen Entwicklung des Sophokles zu garantieren. Unter diesen Gesichtspunkten bietet die Lektüre und Analyse der Trachinierinnen des Sophokles gerade im Vergleich zu seinen berühmteren Stücken einen interessanten Einstieg in die attische Tragödie und die Tragödienkunst des Sophokles.

In dem Lektürekurs wird ein Fokus auf die Übersetzung des griechischen Originaltextes gelegt werden, wobei die Veranstaltung darüber hinaus an der Tragödie exemplarisch in Grundlagen der griechischen Metrik, des antiken Theaters (mit Schwerpunkt auf Sophokles) und der Tragödientheorie einführt, die für eine verstehende Erschließung der Tragödie relevant sind. Wir werden dabei die Gesamtkomposition der Tragödie in den Blick nehmen und auch einen Vergleich zu anderen Tragödien des Sophokles unter kompositorischen Gesichtspunkten ziehen. In der ersten Sitzung erhalten Sie das Semesterprogramm, eine erste Einführung in Sophokles und die attische Tragödie sowie weiterführende Literaturhinweise, die wie üblich durch weiteres Material im Blackboard semesterbegleitend komplettiert werden. Bitte verschaffen Sie sich vor Beginn der ersten Sitzung einen Überblick über den genauen Aufbau der Tragödie, so dass wir darauf in der einführenden Sitzung und bei der kontextualisierenden Lektüre im Semester aufbauen können. Schließen

Literaturhinweise

[1] Textkritische Ausgabe (für Studierende mit Griechischkenntnissen):
-- Sophoclis fabulae, recognoverunt brevique adnotatione critica instruxerunt H. Loyd-Jones et N.G. Wilson, Oxford 1990 (Oxford Classical Texts).
-- Sophoclis tragoediae, tertium edidit R. D. Dawe, Stuttgart/Leipzig 1996 (Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana) [Hinweis: Die Tragödien sind als Einzelausgaben erhältlich; der Band zu den Trachinierinnen ist über VPN bzw. im Netz der Freien Universität als Online-Ressource verfügbar (DeGruyter)].

[2] Übersetzung (für Gasthörer/innen und interessierte Studierende ohne Sprachkenntnisse):
-- Sophokles, Die Trachinierinnen. Die Heimkehr des Herakles, Übers. und Nachw. von Walther Kraus, Stuttgart 1989 (Reclams Universal-Bibliothek, 670).
-- Sophokles, Dramen, Griechisch und deutsch, hg. und übers. von Wilhelm Willige, überarb. von Karl Bayer, mit Anmerkungen und einer Einführung von B. Zimmermann, Düsseldorf / Zürich 2003.

[3] Allgemein zur Einführung in die Aufführungspraxis der griechischen Tragödie empfohlen:
-- Bernd Seidensticker, Das antike Theater, München 2010.

Weitere Literaturhinweise erhalten Sie in der ersten Sitzung und wie üblich semesterbegleitend im Blackboard. Schließen

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