Gebäude

Institut für Sinologie
Institut für Sinologie Bildquelle: Michael Fahrig
Türschloss
Türschloss Bildquelle: Michael Fahrig

Der Vergleich drängt sich auf, und der Eindruck täuscht nicht: Wie eine Spinne im Netz liegt das Gebäude an der Ecke Ehrenbergstraße und Goßlerstraße. Der Architekt Heinrich Straumer (1876–1937) entwarf das Haus für das Deutsche Entomologische Museum mit seiner bedeutenden Insektensammlung.

Es war der erste Museumsbau in Dahlem überhaupt. Auch heute noch ist an dem zweiflügeligen roten Backsteinbau das ursprüngliche Konzept nachzuvollziehen. Bögen ähneln langen Beinpaaren, die Stützen sind wie Blütenstängel gestaltet, und der Turm, welcher im Winkel der beiden Flügel positioniert ist, erinnert an einen Bienenkorb. Straumer, der in Berlin vor allem als Architekt des Funkturms bekannt ist, errichtete für den Direktor des Museums, Walther Horn (1871–1939), auch das Landhaus auf dem Nachbargrundstück in der Goßlerstraße.

Das Museum selbst geht auf die Sammlung und Stiftung von Gustav Kraatz (1831–1909) zurück. Dieser erwarb 1909 das Grundstück vom Domänenrat; er verstarb nach kurzer Zeit. Schon während der Bauarbeiten am Museum entbrannte ein Streit über seinen künftigen Status. Der Direktor des Königlichen Zoologischen Museums der Berliner Universität, Professor August Brauer, sprach sich gegen eine Eigenständigkeit aus, während die Leitung der Stiftung von Gustav Kraatz für die Unabhängigkeit des Museums eintrat.

Schließlich nahm die Stadt Berlin das Erbe Kraatz’ mit all seinen Verpflichtungen an. Im November 1912 konnte das Haus eingeweiht werden. Träger der Einrichtung war formal der Verein zur Förderung des Deutschen Entomologischen Museums. Die Sammlung umfasste weit mehr als eine Million Insekten, darunter 6 000 Arten, die in Schränken untergebracht waren; darüber hinaus gab es 343 Standgefäße, in denen Insekten unter Alkohol konserviert wurden.

Der Leiter der Kraatzschen Stiftung, der Mediziner Walther Horn, meldete sich 1915 freiwillig zum Kriegsdienst. Als er gegen Kriegsende zurückkehrte, war das Museum in einem desolaten Zustand. Die nachfolgende Wirtschaftskrise zehrte sehr am Stiftungsvermögen. Es erwies sich zusehends, dass die Bezeichnung „Museum“ missverständlich, wenn nicht hinderlich war, denn im Haus wurde geforscht, nicht allein bewahrt und präsentiert.

Insektenforschung wurde in jenen Jahren immer wichtiger: für die Landwirtschaft mit dem Ziel der Bekämpfung sogenannter Schädlinge, in der Medizin wegen der Übertragung von Krankheitserregern. Im Jahr 1920 wurde daher das Museum in „Deutsches Entomologisches Institut“ umbenannt. Seine Verbindung zur Biologischen Reichsanstalt in Dahlem wurde intensiviert. Mit der Integration in die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften war 1922 auch der Fortbestand des Instituts gesichert. Die Liegenschaft, die Sammlungsbestände und das verbliebene Kapital gingen in die Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft über, die Kraatzsche Stiftung erlosch.

Nach 1933 wurde das Institut der Arbeitgemeinschaft der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft angegliedert. Nach dem Tod Walther Horns im Jahre 1939 trat der Zoologe Hans Sachtleben (1893–1967) die Nachfolge an. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Institut nach Mecklenburg ausgelagert. Nach Kriegsende verständigten sich die Alliierten darüber, dass die Bestände im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands verbleiben, aber nicht in das Naturkundemuseum integriert werden sollten.

1950 wurde das Institut, das immer noch unter der Leitung von Hans Sachtleben stand, in einer Villa in Friedrichshagen wiedereröffnet, bis es schließlich 1952 von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin übernommen wurde. Nach wechselvollen Jahren ist das Deutsche Entomologische Institut heute Bestandteil des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg Frankfurt am Main, mit Sitz am Standort Müncheberg.

Das Gebäude, vom Architekten Straumer gestalterisch planvoll in die Dahlemer Park- und Wissenschaftslandschaft integriert, wurde schließlich von der Max-Planck- Gesellschaft, Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, genutzt; es wurde 1970 an das Land Berlin abgegeben. Seit den 1970er Jahren forschten hier Molekularbiologen der Freien Universität Berlin; zu diesem Zweck war ein besonders gesicherter Laborraum eingerichtet worden. Im Jahr 2005 bezog das Fach Sinologie Räume im Gebäude.