Freie Universität Berlin


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Mehr Arbeit für weniger Lohn

News vom 03.04.2013

Als studentische*r Beschäftigte*r an der Freien Universität Berlin liegt dein Nettoverdienst bei einem Arbeitsvertrag mit 40 Stunden pro Monat momentan bei 422,07 Euro. Bei einem Vertrag mit 41 Stunden pro Monat, der vom Präsidium für alle neu eingestellten Beschäftigten und für alle Verlängerungen seit dem 01.01.2013 angestrebt wird, bekommst du bei entsprechendem vollen Rentenanspruch nur noch 407,64 Euro ausgezahlt. Knapp 15 Euro weniger Verdienst für eine zusätzliche Stunde monatlicher Arbeitszeit ... das erscheint absurd?!

Neue gesetzliche Grundlagen

Im nun nicht mehr ganz neuen Jahr 2013 gab bzw. gibt es einige neue Gesetze und Regelungen im Arbeits-, Sozial-, Steuer- und Verbraucherrecht (vgl. DGB Jugend: Neue Gesetze und Regelungen). Seit dem 01. Januar etwa ist die Verdienstgrenze für Minijobs auf 450 Euro pro Monat gestiegen und der Beitragssatz zur Rentenversicherung von 19,6 Prozent auf 18,9 Prozent gesunken. Minijobber*innen müssen seitdem einen Eigenbeitrag von 3,9 Prozent zum pauschalen Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent hinzuzahlen, kommen dadurch aber in den vollen Schutz der Rentenversicherung. Eine Befreiung  von der Rentenversicherungspflicht ist auf Antrag möglich, bis zum 01.01.2013 war es genau umgekehrt. Für bereits bestehende Minijobverhältnisse gelten Bestandsschutz- und Übergangsregelungen.

Auswirkungen der neuen Gesetze und Regelungen

Wesentliche Auswirkungen haben die neuen Gesetze und Regelungen, wie oben kurz angerissen, auf Jobs mit einem monatlichen Umfang um die 40 Stunden herum. Denn bei 40 Stunden pro Monat erhaltet ihr einen Bruttolohn in Höhe von 439,20 Euro und seid somit Minijobber*innen (natürlich auch bei weniger Monatsstunden), mit 41 Stunden pro Monat erhaltet ihr 450,18 Euro und seid ab diesem monatlichen Stundenumfang demzufolge Midijobber*innen (bis zu einem monatlichen Bruttolohn in Höhe von 850 Euro). Welche Auswirkungen die jeweiligen Gesetze und Regelungen für dich haben ist in der folgenden Tabelle veranschaulicht.

40 Stunden pro Monat 41 Stunden pro Monat
entsprechen einem Bruttolohn von 40 Stunden x 10,98 Euro = 439,20 Euro. entsprechen einem Bruttolohn von 41 Stunden x 10,98 Euro = 450,18 Euro.
Daraus folgt die Minijobregelung für Rentenversicherungsbeiträge Daraus folgt die Midijobregelung für Rentenversicherungsbeiträge und ergibt
  ohne Anwendung der Gleitzonenregelung¹ mit Anwendung der Gleitzonenregelung¹
mit einem Gesamtbeitrag von 18,9 Prozent = 439,20 Euro x 18,9 Prozent = 83,01 Euro. einen Gesamtbeitrag von 18,9 Prozent des Bruttoverdienstes = 450,18 Euro x 18,9 Prozent = 85,08 Euro. einen Gesamtbeitrag von 18,9 Prozent des Fiktivverdienstes³ von 1,2694375 x 450,18 Euro - 229,021875 = 342,45 Euro x 18,9 Prozent = 64,72 Euro.
Dein Arbeitnehmer*innenanteil beträgt 3,9 Prozent des Bruttolohnes =  439,20 Euro x 3,9 Prozent = 17,13 Euro. Dein Arbeitnehmer*innenanteil beträgt 50 Prozent von den 18,9 Prozent Rentenversicherungsbeitrag des Bruttolohnes =  450,18 Euro x 18,9 Prozent x 0,5 = 42,54 Euro. Abzüglich des Arbeitgeber*innenanteils von 50 Prozent der 18,9 Prozent des Rentenversicherungsbeitrages des Bruttolohnes =  450,18 Eruo x 18,9 Prozent x 0,5 = 42,54 Euro ergibt sich daraus ein Arbeitnehmer*innenanteil von 64,72 Euro - 42,54 Euro = 22,18 Euro.
Ausgezahlt bekommst du dementsprechend 439,20 Euro - 17,13 Euro = 422,07 Euro Ausgezahlt bekommst du dementsprechend 450,18 Euro - 42,54 Euro = 407,64 Euro. Ausgezahlt bekommst du dementsprechend 450,18 Euro - 22,18 Euro = 428 Euro, der "reduzierte Verdienst" führt allerdings zu geminderten Rentenansprüchen.

(1)  Die Regelung des Midijobs ermöglicht die Anwendung einer Gleitzonenregelung, für die du dich allerdings bei deiner Einstellung entscheiden musst und die während der Laufzeit des Arbeitsvertrages nicht widerrufen werden kann. Für weitere Informationen zur Gleitzonenregelung vgl. Deutsche Rentenversicherung - Gleitzone.

(2) Wie oben erwähnt, kannst du dich nach der neuen Minijob-Regelung vom 01.01.2013 von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, so dass du die 439,20 Euro vollständig ausgezahlt bekommst; allerdings folgen daraus geminderte Rentenansprüche.

(3) Der Fiktivverdienst berechnet sich durch eine vom Gesetzgeber vorgegebene und recht komplizierte Rechnung. Die hier verwendete Formel ist eine verdichtete Zusammenfassung der Berechnung, für weitere Informationen siehe auch Deutsche Rentenversicherung - Anwendung der Gleitzone.

P.S.: Weitere Informationen zum Thema Mini-/Midijob und Rentenversicherung findest du in dieser Broschüre der Deutschen Rentenversicherung und auf der Internetpräsenz der Minijob-Zentrale.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass du mit einem Arbeitsvertrag mit 40 Monatstunden im Regelfall wesentlich besser davon kommst als mit einem Vertrag mit 41 Stunden im Monat. Wenn du dich zudem über BAföG finanzierst, wirst du sehr wahrscheinlich einen Vertrag mit maximal 36 Stunden pro Monat bevorzugen, um knapp unter der Bemessungsgrenze von 400 Euro zu bleiben. Deshalb solltest du in Verhandlungen mit der Freien Universität Berlin immer versuchen, die für dich beste Möglichkeit durchzusetzen. Dabei kannst du dich gerne von uns unterstützen lassen, siehe auch: Kontakt zum PRstudB. Da es für Verhandlungen immer gut ist, die Interessen der Gegenseite zu kennen, sollen sie im Folgenden kurz dargestellt werden.

Auswirkungen der neuen Gesetze und Regelungen aus der Perspektive der Freien Universität Berlin als Arbeitgeber*innen

Vereinfacht lässt sich festhalten, dass dein Verlust als Gewinn für die Freie Universität umverteilt wird. Denn durch die neuen Gesetze und Regelungen kann die FU Berlin bei einer Stelle mit 41 Stunden pro Monat gegenüber einer Stelle mit 40 Stunden pro Monat bis zu 69,64 Euro sparen. Das berechnet sich wie folgt:

Bei einem Arbeitsvertrag mit 40 Monatsstunden muss die FU Berlin 15 Prozent der Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, das heisst 439,20 Euro multipliziert mit 15 Prozent ergibt 65,88 Euro. Dazu kommen bei Mini-Jobs Beiträge für die Krankenversicherung in Höhe von 13 Prozent des Bruttolohnes, folglich 439,20 Euro mal 13 Prozent gleich 57,10 Euro. Daraus ergeben sich Gesamtkosten von 562,18 Euro (439,20 Euro plus 65,88 Euro [für die Rentenversicherung] plus 57,10 Euro [für deine Krankenversicherung]) für einen Arbeitsvertrag mit 40 Stunden pro Monat für die FU Berlin.

Im Gegensatz dazu kostet ein Arbeitsvertrag mit 41 Stunden pro Monat 492,72 Euro für die Universität. Denn einerseits entfallen bei 41 Stunden pro Monat die Abgaben für deine Krankenversicherung für die FU Berlin (zumindest vorerst, denn nach Auskunft von der Personalstelle ist das aktuell im Verhandlungsprozess) und andererseits muss von der Arbeitgeber*innenseite nur ein Anteil von 9,45 Prozent (18,9 Prozent mal 0,5, vgl. Tabelle) gleich 42,54 Euro für die Rentenversicherung getragen werden.

Aus dieser ökonomischen Perspektive heraus ist es nachvollziehbar, dass die Freie Universität kein Interesse an Arbeitsverträgen mit 40 Stunden pro Monat hat, sondern Stellen mit 41 Stunden pro Monat bevorzugt. Aber die Universität als Institution, die dem Allgemeinwohl dienen sollte und einen dementsprechenden gesellschaftlichen Anspruch verfolgt, sollte nicht aus profitorientierter Logik die Kosten auf dich als studentische*r Beschäftigte*r abwälzen. Diesen Angriff sollten wir uns nicht gefallen lassen, sondern dafür streiten, unsere Rechte und den Lohn, der in langjährigen (Tarif-)Verhandlungen erkämpft wurde, durchzusetzen. Wende dich bei etwaigen Probleme an uns und informiere dich und deine Arbeitskolleg*innen über deine und unsere Möglichkeiten.

Eine kleine Ergänzung: Wirkt sich die Erhöhung der Stundenzahl auf die Familienversicherung aus?

Auch mit 41 Monatsstunden ist eine Mitversicherung in der Familienversicherung möglich. Dies ist durch die Anwendung der Werbungskostenpauschale von 1000 Euro monatlich für Arbeitnehmer*innen gegeben (§9a EstG).

Nach § 10 SGB V können Studierende unter 25 Jahren in der Familienversicherung mitversichert sein, wenn ihr Einkommen 450 Euro (die Minijobgrenze) nicht übersteigt oder sie monatlich ein Gesamteinkommen von weniger als 1/7 einer bestimmten monatlichen Bezugsgröße haben. Auf diese Bezugsgröße wird die Werbungskostenpauschale angewandt:

Bezugsgröße Sozialversicherung West 2013

2695 € x 1/7 = 385 Euro.

 10,98 Euro x 41 h = 450,18 Euro/Monat x 12 Monate = 5402,16 Euro - Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro = 4402,16 Euro : 12 Monate = 366,85 Euro < 385 Euro

Für studentische Beschäftigte an der FU gilt das Tarifgebiet West. Die Immatrikulation außerhalb der FU ist an dieser Stelle nicht wichtig.

 

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