
Lost in Space – Handlungsräume in alten Kulturen
Schmieden eines Nagels bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2010 Quelle: A. Melzer, FU-Berlin
Exzellenzcluster TOPOI: The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations
(Freie Universität: altertums-, sprach-, rechts- und geowissenschaftliche Fächer / Deutsches Archäologisches Institut)
Wir kaufen ein im Supermarkt, wir gehen unserem Beruf am Arbeitsplatz nach und wir entspannen uns im heimischen Wohnzimmer: Tagtäglich agieren wir an ganz unterschiedlichen Orten und üben dort verschiedene Tätigkeiten aus. Von diesen Räumen besitzen wir eine gute Kenntnis. Wenn wir uns dagegen an einem fremden Ort befinden, benötigen wir Hilfsmittel wie Karten, um uns zurecht zu finden und nicht verloren zu gehen.
Auch in den alten Kulturen gab es ganz unterschiedliche Handlungsräume. Auf dem Gelände des Exzellenzclusters Topoi in Berlin-Dahlem laden einige der in Topoi tätigen Fächer der Freien Universität und das Deutsche Archäologische Institut Sie ein, eine Reise an verschiedene Schauplätze und in unterschiedlichste historische Zeiten zu unternehmen. Lernen Sie kennen, wie Wohnhäuser im Zweistromland aufgebaut waren und welche rituellen Handlungen in einer ägyptischen Grabkammer stattfanden. Waren Straßen mehr als simple Verbindungen von A nach B? Wie wurde Eisen an einem Werkplatz verhüttet – und war die Toilette schon immer ein „stilles Örtchen“?
Kleine Entdecker sind uns wieder ganz besonders willkommene Gäste. Sie erfahren durch viele Mitmachaktivitäten spielerisch mehr über die alten Kulturen. Daneben findet eine Vortragsreihe zu aktuellen Forschungen statt und auch kulinarisch werden Sie bestens versorgt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Institut für Altorientalistik, Ägyptologisches Seminar und Institut für Griechische und Lateinische Philologie
Schreiben und Lesen in alten Zeiten (17.00–23.00 Uhr, im Gebäude, für Kinder geeignet)
Am Ende des vierten Jahrtausends v. Chr. erfanden die Sumerer im heutigen Südirak die Keilschrift. Sie blieb über dreitausend Jahre das wichtigste vorderasiatische Schriftsystem und diente zur Aufzeichnung von Verwaltungsdokumenten, Mythen, Epen, wissenschaftlichen Texten und mehr. In der Schreibwerkstatt erfahren Sie, wie Tontafeln gefertigt wurden und können nach authentischen Vorlagen Schreibübungen absolvieren oder Ihren Namen in Keilschrift verfassen. Ihre selbst gemachten Tontafeln können Sie selbstverständlich mit nach Hause nehmen. Oder interessiert es Sie, wie man im Alten Ägypten schrieb? Lernen Sie mehr über altägyptische Hieroglyphen und die Sprache der Pharaonen. Sie können erfahren, wie, wo und wann die ägyptische Schrift verwendet wurde und wie der Beruf des Schreibers aussah. Und die alten Römer? Woher haben wir die Texte von Cäsar, Cicero oder Augustinus? Im Mittelalter wurden in den Schreibwerkstätten der Klöster, den Scriptorien, die lateinischen und griechischen Texte abgeschrieben und dadurch verbreitet. Nicht immer waren die Mönche dabei genau – so manche „Fehla“, Verzeihung: Fehler, haben sich beim Abschreiben eingeschlichen und sind bis heute erhalten. Doch wie lautet dann der richtige Text? Wer mag, kann das Lesen von Handschriften üben, Fehler im Text suchen oder eine eigene „Papyrusrolle“ erstellen.
Ägyptologisches Seminar
1000 Biere und Brot – Ritualhandlungen im Alten Ägypten (17.00–23.30 Uhr, im Gebäude, für Kinder geeignet)
Geheimnisvolle Orte und Winkel waren oft die Schauplätze, an denen im Alten Ägypten die Priester ihre Rituale vollzogen. Unzugänglich und im Verborgenen oder offen und im Mittelpunkt der Ereignisse wurden viele Rituale durchgeführt. Ob in Tempeln, Gräbern oder mitten in der Stadt, für Jubel oder Trauer, Götter oder Menschen – für jede Gelegenheit gab es eigene Rituale und Gesetze. Wir wollen Sie an einen dieser Orte entführen und Ihnen altägyptische Ritualhandlungen näherbringen. Wo fanden sie statt, wer führte sie durch und was wurde geopfert? 1000 Biere und Brot und vieles mehr bekamen die Toten, um nach dem Tod versorgt zu sein. Reichte das, um ewiges Leben zu erlangen? Auf diese und viele andere Fragen rund um Ritualhandlungen im Alten Ägypten geben wir eine Antwort.
Institut für Klassische Archäologie
Lost in taste – Gaumenfreuden in der Römerzeit (17.0–1.00 Uhr, im Garten, für Kinder geeignet)
Maßlos sei die Genusssucht der Römer gewesen, liest man oft. Von „spätrömischer Dekadenz“ spricht sogar unser Außenminister. Doch was ist wirklich daran? Durch antike Autoren sind uns Rezepte, Kochtipps und Beschreibungen von üppigen Banketten überliefert. In den römischen Villen können Räume identifiziert werden, die für Gelage gedient haben, und es gibt dort Nachweise für die Lebensmittelproduktion. Außerdem wissen wir, dass Spezialitäten aus den entferntesten Winkeln der Welt beschafft wurden. Wir können Ihnen versprechen, dass auch Ihr Gaumen einige Freuden erleben wird, wenn Sie unsere, nach antiken Rezepten zubereiteten Speisen probieren.
Institut für Geographische Wissenschaften / Geoarchäologie und Institut für Klassische Archäologie
Das „stille Örtchen“ – Ungeahnte Entdeckungen in einem verkannten Kommunikationsraum (17.00–23.00 Uhr, im Garten, für Kinder geeignet)
Sie meinen, dass Kommunikation auf der Toilette nicht funktioniert? Dann sind Sie tatsächlich ein Kind der modernen Zeit. Denn da empfiehlt der „Benimm-Papst“ Moritz Freiherr Knigge für die Benutzung eines Urinals auf dem Herren-WC kurz: „Pinkeln und Mund halten.“ Ein Blick auf die historischen Quellen und die archäologischen Zeugnisse zeigt jedoch, dass die Funktion von Aborten und Latrinen, wie diese Orte früher hießen, einst weit darüber hinausging – man konnte dort sogar im wahrsten Sinne des Wortes Geschäfte machen. Wenn heute eine Latrine ausgegraben wird, zeigt uns der Inhalt bei starker Vergrößerung unter dem Mikroskop so manche überraschende Einsicht in die Essgewohnheiten und den Gesundheitszustand der damaligen Menschen. Entdecken Sie bei uns die Latrinen als Lebens-, Kommunikations- und Handlungsräume!
Deutsches Archäologisches Institut (DAI)
Auf den Spuren antiker Straßen (17.00–1.00 Uhr, DAI-Straße im Garten, für Kinder geeignet)
Ohne Flugzeug, Internet und Telefon waren Straßen in der Antike die einzige Verbindung für Kommunikation, Wissenstransfer, Handel und Ausbreitung von Kulturen. Entdecken Sie an zahlreichen Stationen entlang der DAI-Straße berühmte Handelsrouten wie die Weihrauchstraße oder sehen Sie, wie Wasserwege große Gebiete erschlossen. So gelangte Pfeffer aus Indien entlang der „Seidenstraße des Meeres“ bis in römische Kastelle in Germanien. Straßen schaffen aber auch die Voraussetzung für Kriegszüge, wie eine 3-D-Rekonstruktion des Eroberungszugs Alexander des Großen anschaulich zeigt. Schon antike Straßen waren befestigt: Das gilt für Rundstraßen um eisenzeitliche Kurgane (Grabhügel) in Kasachstan, aber auch für das römische Fernstraßennetz, das insgesamt 80.000 km umfasste.
Handelsstützpunkt „Düfte des Orients“ (17.00–22.00 Uhr)
Auf der berühmten Weihrauchstraße wurde das kostbare Gut über viele Jahrhunderte verhandelt und transportiert. Genießen Sie an diesem Handelsstützpunkt auf der DAI-Straße den Duft frischen Weihrauchs, erfahren Sie etwas über dessen Ursprung, Herkunft und Verwendung und entdecken Sie dabei den Geschmack frisch gebrühten orientalischen Kardamom-Kaffees oder Nana-Tees.
Herberge für kleine Entdecker (17.00–21.00 Uhr)
Reisen auf antiken Straßen ist anstrengend. Deswegen legt doch eine Rast in einer Herberge ein. Dort wartet die Herausforderung, einen eigenen griechischen Tempel oder die ägyptischen Pyramiden zu basteln, die Ihr anschließend mit nach Hause nehmen könnt. Oder erfahrt anhand verschiedener Malvorlagen mehr über Städte und Denkmäler entlang der Weihrauchstraße.
Brücke zwischen Zeiten und Kulturen – Infostand des DAI (17.00–1.00 Uhr)
Das Deutsche Archäologische Institut wurde 1829 in Rom gegründet und ist heute mit seiner Zentrale in Berlin und 19 festen Einrichtungen im In- und Ausland eine der ältesten und größten Forschungseinrichtungen im Bereich der Archäologie und Altertumswissenschaften. Es betreibt derzeit 100 Grabungen in 36 Ländern von Peru über Äthiopien, Usbekistan und die Mongolei bis nach Kambodscha. Informieren Sie sich über den Beruf des Archäologen, die weltweiten Grabungsprojekte und die Möglichkeiten, auch in Zukunft aktuelle Neuigkeiten aus der Welt der Archäologie zu erfahren.
Institut für Klassische Archäologie
Der Tempel einer unbekannten Göttin – eine Ausgrabung (17.00–22.00 Uhr, im Garten)
Durch Hinweise in alten Schriftstücken und eine intensive oberirdische Untersuchung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass sich im Garten des Topoi-Hauses ein antikes Heiligtum befunden haben muss. Das möchten wir gemeinsam mit Euch ausgraben. Dabei soll allerdings nicht wild nach spektakulären Schätzen gesucht werden; vielmehr wird Schicht für Schicht eine genaue Dokumentation der Befunde vorgenommen. Junge Forscher/-innen können hier als Grabungsleiter/-innen tätig sein und so lernen, wie man beispielsweise Mauern oder Münzen freilegt, zeichnet und restauriert. Nach der Bearbeitung der Funde darf man seine Entdeckungen zur Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Institut für Prähistorische Archäologie
Wie aus Erz Eisen wird (17.00–23.00 Uhr, im Garten)
Mit der Errichtung und dem Betrieb eines sog. Rennfeuerofens wird versucht, die früheste Eisenverhüttung nachzuvollziehen und anschaulich zu machen. Höhepunkt wird das Öffnen des Ofens und die Entnahme des darin erzeugten Eisens sein. Daneben sind Schmiedearbeiten zu sehen, die zeigen, wie das Eisen weiterverarbeitet wurde.
Institut für Vorderasiatische Archäologie
Das altorientalische Haus (17.00–23.00 Uhr, im Gebäude, für Kinder geeignet)
Die Entwicklung der Architektur altorientalischer Häuser und ihrer vielfältigen Nutzungen werden durch bildliche und schriftliche Beiträge erläutert und an Modellen erklärt. Was sind die Besonderheiten altorientalischer Häuser? Woher wissen Archäolog/-innen, in welchem Raum eines ausgegrabenen Hauses welche Vorgänge stattfanden?
Reise durch den Alten Orient: Mythos und archäologische Realität (17.00–23.00 Uhr, im Gebäude, für Kinder geeignet)
Die Teilnehmenden können spielerisch die Spannung zwischen Mythos und archäologischer Realität anhand der großen Zentren der altorientalischen Kulturen wie Babylon, Assur oder Uruk erforschen. Welche Pflanzen blühten in den sagenhaften Gärten der Semiramis? Gab es den „Turm zu Babel“ wirklich? Wo sah Nebukadnezar die „Zeichen an der Wand“?
Institut für Geographische Wissenschaften / Physische Geographie
Geocoaching – Schnitzeljagd nach Geographenart (17.00–21.00 Uhr, Treffpunkt im Garten)
Sucht und findet den Schatz am Topoi-Haus mithilfe von Satellitensignalen. Diese Signale des Globalen Positionierungs-Systems könnt Ihr mit unseren GPS-Geräten empfangen. Dabei erklären wir Euch und Euren Eltern, wie das GPS-Gerät funktioniert.
Das fliegende Auge – Fernerkundung mit einem Octocopter (17.00–21.00 Uhr, Treffpunkt im Garten)
Ein Octocopter ist ein ferngesteuertes, kreiselstabilisiertes Fluggerät mit Kamera. Er ermöglicht Luftbilder in sehr guter Auflösung. Dieses faszinierende Werkzeug trägt dazu bei, Antworten auf unterschiedliche Fragestellungen aus den Geowissenschaften zu finden, so etwa zur Geoarchäologie, zum Erosionsmonitoring oder zum Ressourcenschutz.
GIS-Labor/Topoi Back in Space – Dokumentations- und Vermessungsmethoden in Archäologie und Bauforschung (17.00–1.00 Uhr, Vortrag 17.00, 19.00, 21.00, 23.00 Uhr, im Gebäude [GIS-Labor], für Kinder ab 12 Jahren geeignet)
Mit den modernsten Dokumentations- und Vermessungsmethoden ist man in Archäologie und Bauforschung heutzutage nicht mehr „Lost in Space“, sondern kann im Gegenteil sehr exakte 2- und 3-D-Pläne und darauf aufbauende 3-D-Rekonstruktionen erstellen. Einen seltenen Einblick in die wissenschaftlichen Methoden der Altertumswissenschaftler/-innen des Exzellenzclusters Topoi, die unabhängig vom Tageslicht angewandt werden können, bietet Ihnen diese „Lange Nacht“, wobei Sie selbst mit Hand anlegen können!
Back in Space – praktische Vermessungsübung (17.00–1.00 Uhr, im Garten, Dokumentation 3-D-Scanner um 20.00, 22.00, 0.00 Uhr, für Kinder geeignet)
Bei der Ausgrabung eines Tempels werden praktische Vermessungsübungen durchgeführt, an denen sich die Besucher/-innen beteiligen können. Zudem wird ein moderner 3-D-Laserscanner vorgestellt, mit dessen Hilfe archäologische und baugeschichtliche Überreste dokumentiert werden.
Interdisziplinäres Zentrum Alte Welt
Haben Sie sich schon immer für Altertumswissenschaften interessiert? (17.00–1.00 Uhr, im Garten )
Wir informieren Sie auch über die Studienfächer aus dem Bereich der Alten Welt an der Freien Universität. Was unterscheidet beispielsweise die Altorientalistik von der Vorderasiatischen Archäologie? Was macht ein Philologe im Unterschied zu einem Historiker? Für diese und viele weitere Fragen stehen wir gern zu Ihrer Verfügung.
PROGRAMM
Vortragsreihe
- 17.30 Uhr Die Weihrauchstraße (Dr. A. Hausleiter, DAI)
- 18.00 Uhr Orte der Erinnerung: Megalithen im Hochland von Sumatra, Indonesien (Dr. M. Lin Tjoa-Bonatz, Vorderasiatische Archäologie)
- 18.30 Uhr Eine andere Art von Public Viewing. Trubel auf dem Augustusforum in Rom (Dr. V. Goldbeck, Klassische Archäologie)
- 19.00 Uhr Carl Richard Lepsius und der Sudan (D. Nickel-Tzschach, lic. phil., Topoi)
- 19.30 Uhr Aktions- und Wohnräume am Kopf des Habur: der Tell Fecheriye (Syrien) (P. Bartl, M.A., Vorderasiatische Archäologie)
- 20.00 Uhr The Lost Roman oder wie der Römer sich im Raum orientierte (Prof. Dr. F. Fless, DAI/Topoi)
- 20.30 Uhr Tomi – hier kommt der Genuss? Das Exil als Ort literarischen Schaffens (Chr. Kreuzwieser, Klassische Philologie)
- 21.00 Uhr Antike Straßen in Griechenland (Prof. Dr. H. R. Goette, DAI)
- 21.30 Uhr Feldzug und Schlachtfeld – Das Militärwesen im Alten Orient (Dr. I. Schrakamp, Altorientalistik)
- 22.00 Uhr Männerdomänen und Frauenenklaven? Die geschlechtliche Strukturierung des Raumes in der griechischen und römischen Kultur (Prof. Dr. J. Fabricius, Klassische Archäologie)
- 22.30 Uhr Wo liegt eigentlich Holland? Topographische Beweisführung bei Cornelius Aurelius (Dr. J.-O. Lindermann, Rechtswissenschaft/Klassische Philologie)
- 23.00 Uhr Der Kaiser und seine Stadt: Maxentius in Rom (306–312 n. Chr.) (Dr. H. Ziemssen, Topoi)
- 23.30 Uhr Bilder im Raum, Raum der Bilder. Die Dekoration der altägyptischen Tempel erschließen (Dr. B. Lurson, Ägyptologie)
Ort:
Hittorfstraße 18
14195 Berlin
Haus 4
Zeit: 17.00–1.00 Uhr
Infos: http://www.topoi.org/
