Freiheitspreis

Bild: Carla Del Ponte ist 2014 Trägerin des Freiheitspreises der Freien Universität Berlin
Bild: Carla Del Ponte ist 2014 Trägerin des Freiheitspreises der Freien Universität Berlin Bildquelle: picture alliance/Gaetan Bally

Am 20. Oktober 2014 erhielt die Schweizer Juristin Carla Del Ponte den Freiheitspreis der Freien Universität Berlin. Carla Del Ponte wurde bereits als Staatsanwältin in den 1980er Jahren für ihren resoluten und kompromisslosen Einsatz gegen das Verbrechen bekannt.

Den Kampf gegen Geldwäsche, Waffenhandel, Korruption und organisiertes Verbrechen setzte Carla del Ponte ab 1994 als Bundesanwältin der Schweizerischen Eidgenossenschaft fort, bevor sie 1999 auf Vorschlag des UN-Generalsekretärs Kofi Annan vom UN-Sicherheitsrat zur Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (1999-2007) sowie des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda (1999-2003) in Den Haag ernannt wurde.

Während ihrer achtjährigen Amtszeit waren von den 161 Personen, gegen die das Kriegsverbrechertribunal seit seiner Gründung 1993 Anklage erhoben hatte, 91 festgenommen worden oder hatten sich freiwillig gestellt. 63 davon - darunter militärische Befehlshaber, Soldaten und Lokalpolitiker - waren vom Gericht zu Haftstrafen verurteilt worden. Für großes internationales Aufsehen sorgte die Auslieferung des gestürzten jugoslawischen Diktators Slobodan Milošević an das Tribunal im Jahr 2001. Milošević verstarb jedoch nach vierjähriger Prozesszeit in Haft, ohne zuvor für seine Straftaten verurteilt worden zu sein.

Del Ponte wies beharrlich darauf hin, dass Gerechtigkeit für die Opfer nur mittels umfassender internationaler und nationaler Anstrengungen möglich sei. So forderte sie bei ihrem Abschied aus Den Haag im Jahr 2007 die EU noch einmal eindringlich dazu auf, die Unterschrift unter das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Belgrad von der Festnahme und Auslieferung der Kriegsverbrecher Mladić und Karadžić abhängig zu machen.

Obwohl es zahlreiche Versuche gab, ihre Untersuchungen zu blockieren, ließ sich Del Ponte nie beirren. Mit ihrem couragierten und ausdauernden Eintreten dafür, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bestrafen, hat sie den Opfern Gehör verschafft und sich um Gerechtigkeit und die Etablierung eines internationalen Rechtssystems verdient gemacht.

Seit September 2012 setzt Carla Del Ponte ihr unermüdliches Engagement als Mitglied der unabhängigen Syrien-Kommission der Vereinten Nationen fort und untersucht Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen im syrischen Bürgerkrieg.

Über den Freiheitspreis

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Die Freie Universität Berlin steht durch ihre Geschichte, aber auch durch ihre aktuelle Arbeit wie kaum eine andere Institution in Deutschland für den Begriff der politischen und wissenschaftlichen Freiheit.

Diesem Leitbild fühlt sich die Universität seit ihrer Gründung im Jahr 1948 verpflichtet.

In Zeiten der zunehmenden Globalisierung muss auch der Begriff der Freiheit immer wieder neu besetzt und das Eintreten für Freiheit bekräftigt werden. Dem wird die Freie Universität zum einen durch ihre internationale Vernetzung gerecht, zum anderen durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Freiheit durch das Center for Area Studies, das die herausragende geistes- und sozialwissenschaftliche Regionalkompetenz der Freien Universität bündelt.

Zurückgehend auf die Initiative dieses Centers zeichnet die Freie Universität mit dem internationalen Freiheitspreis Persönlichkeiten von weltweiter Bedeutung aus, die sich im politischen, gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Kontext um Freiheit verdient gemacht haben.

Der Freiheitspreis würdigt damit auf internationaler Ebene das Eintreten für einen der weltweit wichtigsten Werte und reiht sich ein in einen Kanon renommierter Preise.