„Wir haben alles richtig gemacht“

Das erste Mal bei den Olympischen Spielen und prompt erfolgreich: Die FU-Studentin Badri Latif holte eine Goldmedaille in Athen

Sternenklarer Himmel über dem imposanten Stadion. Drinnen eine aufwendige, bunte Show. Der Jubel von 74 000 Zuschauern. Und noch einmal 3,8 Milliarden Menschen sind am Fernseher dabei. Für einen Sportler gibt es kaum einen Moment, der so erhaben ist wie der Einzug der Athleten zu Beginn der Olympischen Spiele. Jener zauberhafte Moment, wenn die „Jugend der Welt“ willkommen geheißen und das olympische Feuer vom Fackelläufer entzündet wird. Die deutsche Hockeyspielerin Badri Latif hat ihn nicht erlebt. Sie und ihre Mannschaftskameradinnen blieben am Eröffnungsabend der Spiele von Athen im Olympischen Dorf. Zu wichtig war das erste Spiel am nächsten Tag. Die Gegnerinnen aus Australien galten als Favoriten.

Hockey ist ein Sport, bei dem sich jeder auf den anderen verlassen muss – eben ein Mannschaftssport. Um fit zu sein, wird da schon mal auf die eine oder andere Feier verzichtet. Die 26-jährige Medizin-Studentin Badri Latif begann schon im Kindergarten, Hockey zu spielen. Ihre gesamte Schulzeit über blieb sie dabei, während des Studiums an der Freien Universität genauso. Sie spielte in der Bundesliga für den Berliner Hockey Club (BHC) und war über hundert Mal für die Nationalmannschaft im Einsatz. Zwei Mal wurde sie Hallen-Weltmeisterin. Doch mit den Olympischen Spielen hatte es bisher nicht geklappt: Im Jahr 2000 wurde sie kurz vor der Abreise nach Sidney aus dem Kader gestrichen. „Es ist hart“, sagt sie, „wenn man sich vorbereitetet hat wie alle anderen und dann doch nicht zur Auswahl gehört.“ Ernsthaft aufhören wollte sie mit dem Hockeyspielen trotzdem nicht.

Unterstützung bekam Badri Latif auch von Dozenten und Kommilitonen, selbst wenn sie mal Vorlesungen ausfallen lassen musste. „Das Verständnis war groß“, sagt sie, „auch wenn ich nicht zu den allerbesten Studenten gehöre.“

Während des ganzen letzten Jahres bestimmte das tägliche Training ihr Leben. Für die Uni blieb da kaum noch Zeit. Zwar hatte Badri Latif schon alle Scheine gemacht, doch die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen stand noch an – das musste warten. „Das kommt jetzt“, sagt sie. Selbst zur Champions Trophy, dem Turnier der sechs besten Teams der Welt, fährt sie im November nicht mit. „Diesmal geht das Lernen vor.“ Denn: Selbst als Bundesliga-Spielerin, die zu den elegantesten Technikerinnen in Deutschland zählt, kann sie vom Hockey-Spielen allein nicht leben.

Die angehende Ärztin will in die Orthopädie oder in die Sportmedizin; ihre Doktorarbeit dreht sich um Handchirurgie. Ein Blick auf ihre Hände verrät, dass sie damit praktische Erfahrung hat – auch als Patientin. Der linke Daumen brach während eines Qualifikationsturniers im März. Fast hätte Badri Latif wieder nicht mit zu den Spielen gekonnt. Doch nach einer komplizierten Operation war der Daumen zumindest wieder spielfähig. Ganz gesund sieht er nicht aus. „Vielleicht wird er noch mal operiert“, sagt sie beiläufig. Über Entbehrungen und Verletzungen will sie nicht so gern sprechen, lieber über Erfolge.

Den größten Erfolg, den Triumph von Athen, hat sie bis heute nicht ganz realisiert. Aber ihr ganzes Gesicht strahlt, wenn sie vom Olympischen Gold erzählt. Davon, wie sie und ihr Team die Holländerinnen im Finale schlugen und davon, wie sehr sich das Training gelohnt hat. Die Verleihung der Goldmedaille ist ein um Längen erhabenerer Moment als der Einlauf ins Stadion. Keine Sekunde hat sie bereut, nicht bei der Eröffnung gewesen zu sein. „Im Nachhinein“, sagt sie, „haben wir alles richtig gemacht.“