Unterricht im Fokus

Mehr als nur ein neuer Name: Aus dem Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der Freien Universität wird die Dahlem School of Education (DSE).

15.04.2016

Kamera läuft: Mit Videos aus dem Unterricht lernen Studierende, Situationen in der Klasse richtig einzuschätzen.
Kamera läuft: Mit Videos aus dem Unterricht lernen Studierende, Situationen in der Klasse richtig einzuschätzen. Bildquelle: CCby SA: Istock/thelinke

Ein Gespräch mit Florian Hoch vom ZfL und Volkhard Nordmeier, Gründungsdirektor der DSE und Professor der Didaktik der Physik.

Herr Professor Nordmeier, Herr Hoch, was verbessert sich mit der Gründung der Dahlem School of Education?

HOCH: Mit dem neuen Zentralinstitut machen wir die Lehrkräftebildung an der Freien Universität zukunftsfähig. Lehrkräftebildung muss immer ein gemeinsames Projekt der beteiligten Fächer, der Fachdidaktiken und der Erziehungswissenschaft sein. Durch die DSE als Dach der Lehrkräftebildung sichern wir diesen Zusammenhalt und können auf neue Herausforderungen schnell reagieren.

NORDMEIER: Außerdem stärken wir in der neuen Struktur die Forschung und stellen sicher, dass die Lehrkräftebildung kontinuierlich weiterentwickelt werden kann. Bisher war die Forschung vor allem bei den einzelnen Arbeitsgruppen an den verschiedenen Fachbereichen angesiedelt, und so sind bislang eher zufällig gewachsene Kooperationen entstanden.

Was sind das für neue Herausforderungen, denen die Universität gegenübersteht?

HOCH: Zum einen müssen wir zunehmend auf veränderte Bedarfe reagieren. Aktuell werden viele Grundschullehrerinnen- und -lehrer benötigt. In ein paar Jahren sind die Kinder herangewachsen, sodass wir dann einen erhöhten Bedarf bei integrierten Sekundarschulen oder Gymnasien erwarten. Durch die engere Zusammenarbeit unter dem Dach der Dahlem School of Education gelingt es uns viel besser, flexibel darauf zu reagieren. Zum anderen ist das Lehramtsstudium nicht mehr wie früher auf zwei Fächer beschränkt. Nach dem neuen Berliner Lehrkräftebildungsgesetz müssen die Grundschullehrerinnen und -lehrer nun drei Fächer belegen, darunter Deutsch und Mathematik und als drittes Fach etwa Sachunterricht. Hinzu kommen Querschnittsaufgaben wie Inklusion oder Deutsch als Zweitsprache. Durch die neue Struktur der Lehrkräftebildung können wir diese Aufgaben fächerübergreifend angehen.

NORDMEIER: Die Ansprüche an Lehrkräfte verändern sich durch neue Herausforderungen wie Inklusion und die wachsende Heterogenität der Lerngruppen. Lehrer müssen sich auf Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernhintergründen einstellen können, um diese nach ihren speziellen Bedürfnissen und Fähigkeiten bestmöglich zu fördern. Die DSE bietet ein Forum zur Diskussion zentraler Entwicklungen durch die Kolleginnen und Kollegen aus den Fächern, den Fachdidaktiken und der Erziehungswissenschaft mit der Möglichkeit, verschiedene Perspektiven zusammenzuführen.

Was verbessert sich für die Studierenden durch die Eröffnung der DSE?

HOCH: Sie werden passgenau und praxisnäher ausgebildet. Unter anderem starten wir gerade im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung das Projekt "K2teach", in dem die Studierenden beispielsweise mit kleinen Schülergruppen erste Unterrichtserfahrung direkt an der Universität sammeln können, und sie lernen mithilfe von Videos, die an Schulen gedreht werden, Situationen in den Klassen richtig einzuschätzen. Durch die Verzahnung von Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Fach können wir die Studierenden effektiver auf neue Anforderungen vorbereiten.

NORDMEIER: Außerdem wird das neu eingeführte Praxissemester unmittelbar durch die DSE unterstützt. Sie koordiniert Begleit- und Nachbereitungsseminare. Auch die Platzvergabe funktioniert viel besser, wenn alle Bereiche zusammenarbeiten und unsere mehr als 100 Schulkooperationen unter einem Dach gebündelt sind.

Wie wird der Erfolg des Praxissemesters gewährleistet?

HOCH: Wichtig ist die Abstimmung und Vorbereitung. Das klappt bereits sehr gut: Jedem der berlinweit 650 Masterstudierenden, die im kommenden Herbst in ihr Praxissemester starten, steht ein Platz zur Verfügung, und sie können jetzt bereits aus mehreren Schulen eine Auswahl treffen – was bundesweit etwas Besonderes ist. An der Freien Universität haben wir zudem ein sehr entgegenkommendes Wahlverfahren, indem wir schon im Vorfeld zeigen, wie nachgefragt bestimmte Schulen sind. So können sich die Studierenden gleich eine Schule aussuchen, die weniger nachgefragt ist, um auch einen Platz an ihrer Wunsch-Schule zu erhalten. Außerdem bieten wir online eine Tauschbörse für Praktikumsplätze an.

NORDMEIER: Um Studierende mit Kind zu unterstützen, haben wir beispielsweise die Möglichkeit geschaffen, das Praxissemester in Teilzeit zu absolvieren. Und es gibt sogar ein Pilotprojekt, durch das Studierende das Semester im Ausland absolvieren können – das stärkt gleichzeitig die Internationalisierung der Hochschule.

Die Studierenden sollen im Praxissemester durch Mentoren an den Schulen unterstützt werden. Wie ist die Freie Universität an deren Qualifizierung beteiligt?

HOCH: Momentan läuft bereits das Pilotprojekt "Freie Universität – Mentorenqualifizierung". Es ist ein Fortbildungsangebot für Lehrkräfte, die interessiert sind, sich mit Inhalten und Fragen der Lehrkräftebildung sowie des Unterrichtscoachings zu beschäftigen und sich in ihrer Mentoren-Tätigkeit weiterzuentwickeln. Mehr als 200 Lehrerinnen und Lehrer haben dieses Angebot bereits in Anspruch genommen. Gemeinsam mit den anderen Berliner Universitäten sind wir dabei, das Angebot zu überarbeiten und so die Qualifikation der Mentoren für das Praxissemester auch künftig sicherzustellen.

Berlin fehlen 1000 Grundschullehrer. Jetzt sollen die Universitäten die Zahl ihrer Ausbildungsplätze erhöhen. Ist das leistbar?

HOCH: Es ist sicher eine Herkulesaufgabe. Die Universitäten nehmen diese Herausforderung aber an und erhöhen die Anzahl der Studierenden in deutlichem Umfang.

NORDMEIER: Die Freie Universität Berlin hat in den vergangenen beiden Jahren bereits von sich aus enorme Anstrengungen unternommen, um mehr Grundschullehrer auszubilden. Sie hat die Zahl der Studierenden im ersten Semester schon verdreifacht – das ist im Berliner Vergleich die größte Steigerung. Im vergangenen Wintersemester haben wir fast 200 Studierende für das Grundschullehramt neu aufgenommen, obwohl die Studienplätze bei Weitem nicht alle durch den Senat ausfinanziert waren. Da hat die Universität aus eigener Tasche zugezahlt.

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Florian Hoch ist Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) der Freien Universität Berlin.
Florian Hoch ist Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) der Freien Universität Berlin. Bildquelle: Helene Hoch-Wagner
Volkhard Nordmeier ist Gründungsdirektor der Dahlem School of Education (DSE) und Professor der Didaktik der Physik.
Volkhard Nordmeier ist Gründungsdirektor der Dahlem School of Education (DSE) und Professor der Didaktik der Physik. Bildquelle: Andreas Meichsner

Was verbessert sich für die Studierenden durch die Eröffnung der DSE?

HOCH: Sie werden passgenau und praxisnäher ausgebildet. Unter anderem starten wir gerade im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung das Projekt "K2teach", in dem die Studierenden beispielsweise mit kleinen Schülergruppen erste Unterrichtserfahrung direkt an der Universität sammeln können, und sie lernen mithilfe von Videos, die an Schulen gedreht werden, Situationen in den Klassen richtig einzuschätzen. Durch die Verzahnung von Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Fach können wir die Studierenden effektiver auf neue Anforderungen vorbereiten.

NORDMEIER: Außerdem wird das neu eingeführte Praxissemester unmittelbar durch die DSE unterstützt. Sie koordiniert Begleit- und Nachbereitungsseminare. Auch die Platzvergabe funktioniert viel besser, wenn alle Bereiche zusammenarbeiten und unsere mehr als 100 Schulkooperationen unter einem Dach gebündelt sind.

Wie wird der Erfolg des Praxissemesters gewährleistet?

HOCH: Wichtig ist die Abstimmung und Vorbereitung. Das klappt bereits sehr gut: Jedem der berlinweit 650 Masterstudierenden, die im kommenden Herbst in ihr Praxissemester starten, steht ein Platz zur Verfügung, und sie können jetzt bereits aus mehreren Schulen eine Auswahl treffen – was bundesweit etwas Besonderes ist. An der Freien Universität haben wir zudem ein sehr entgegenkommendes Wahlverfahren, indem wir schon im Vorfeld zeigen, wie nachgefragt bestimmte Schulen sind. So können sich die Studierenden gleich eine Schule aussuchen, die weniger nachgefragt ist, um auch einen Platz an ihrer Wunsch-Schule zu erhalten. Außerdem bieten wir online eine Tauschbörse für Praktikumsplätze an.

NORDMEIER: Um Studierende mit Kind zu unterstützen, haben wir beispielsweise die Möglichkeit geschaffen, das Praxissemester in Teilzeit zu absolvieren. Und es gibt sogar ein Pilotprojekt, durch das Studierende das Semester im Ausland absolvieren können – das stärkt gleichzeitig die Internationalisierung der Hochschule.

Die Studierenden sollen im Praxissemester durch Mentoren an den Schulen unterstützt werden. Wie ist die Freie Universität an deren Qualifizierung beteiligt?

HOCH: Momentan läuft bereits das Pilotprojekt "Freie Universität – Mentorenqualifizierung". Es ist ein Fortbildungsangebot für Lehrkräfte, die interessiert sind, sich mit Inhalten und Fragen der Lehrkräftebildung sowie des Unterrichtscoachings zu beschäftigen und sich in ihrer Mentoren-Tätigkeit weiterzuentwickeln. Mehr als 200 Lehrerinnen und Lehrer haben dieses Angebot bereits in Anspruch genommen. Gemeinsam mit den anderen Berliner Universitäten sind wir dabei, das Angebot zu überarbeiten und so die Qualifikation der Mentoren für das Praxissemester auch künftig sicherzustellen.

Berlin fehlen 1000 Grundschullehrer. Jetzt sollen die Universitäten die Zahl ihrer Ausbildungsplätze erhöhen. Ist das leistbar?

HOCH: Es ist sicher eine Herkulesaufgabe. Die Universitäten nehmen diese Herausforderung aber an und erhöhen die Anzahl der Studierenden in deutlichem Umfang.

NORDMEIER: Die Freie Universität Berlin hat in den vergangenen beiden Jahren bereits von sich aus enorme Anstrengungen unternommen, um mehr Grundschullehrer auszubilden. Sie hat die Zahl der Studierenden im ersten Semester schon verdreifacht – das ist im Berliner Vergleich die größte Steigerung. Im vergangenen Wintersemester haben wir fast 200 Studierende für das Grundschullehramt neu aufgenommen, obwohl die Studienplätze bei Weitem nicht alle durch den Senat ausfinanziert waren. Da hat die Universität aus eigener Tasche zugezahlt.

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