Solarzellen aus Früchtetee und Zahnpasta

Bei der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz lernen Kinder, wie Rohstoffe sinnvoll genutzt werden können

17.04.2015

Schüler planen ein grüneres Berlin.
Schüler planen ein grüneres Berlin. Bildquelle: Annika Middeldorf

„Die Ressourcen, die wir heute weltweit nutzen, sind begrenzt und werden uns nicht ewig zur Verfügung stehen. Wie soll in Zukunft, wenn es auf der Erde immer mehr Menschen gibt, der Hunger nach Energie, Wasser und Nahrung gestillt werden?“, fragt Karola Braun-Wanke vom Forschungszentrum für Umweltpolitik und schaut sich fragend im Hörsaal um. Die Antwort kommt prompt: „Wir könnten ins Weltall fliegen und einen Planeten finden, der genauso wie die Erde ist!“

An diesem Morgen sitzen nicht etwa Wissenschaftler oder Studenten im Hörsaal der Freien Universität, sondern Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse der Giesensdorfer Grundschule in Berlin-Steglitz. Sie gehören zu den rund 1400 zehn- bis dreizehnjährigen Teilnehmern, die zum Frühjahrsdurchgang der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz nach Dahlem gekommen sind.

Hier lernen sie, dass die Menschheit nicht unbedingt neue Planeten entdecken muss, wenn sie überleben will, sondern auch verantwortungsbewusst mit den Rohstoffen der Erde wirtschaften kann. Karola Braun-Wanke leitet die SchülerUni und erklärt: „Nachhaltigkeit heißt, die Welt im Gleichgewicht zu halten und dass wir von der Erde nur so viel nehmen, wie wir wirklich benötigen.“ Lernen für eine zukunftsfähige Welt ist das Motto der SchülerUni, bei der zweimal jährlich an fünf Tagen 70Workshops und Mitmach-Aktionen, naturwissenschaftliche Experimente sowie Kunst und Theateraktionen angeboten werden.

Wie man aus Zwiebeln, Rotkohl oder Stockrosen prächtige Naturfarben mischen kann, lernen die Schüler in der Färberwerkstatt von Anna Maria Mintsi-Scholze und Isabella Smolin. Gleich gegenüber baut eine Schulklasse aus Früchtetee und Zahnpaste Solarzellen. In einem anderen Kurs erstellen Schüler Kurzfilme zum Thema „Wasser ist Leben“.

„Für die Schüler sind gerade diese Workshops, in denen sie selbst experimentieren können, wunderbar“, sagt Uwe Keller, Lehrer für Naturwissenschaften an der Giesensdorfer Grundschule, der seit Jahren mit seinen Klassen zur SchülerUni kommt. Wie sich nachhaltige Entwicklung im Unterricht praktisch vermitteln lässt, ist auch Gegenstand der Lehrerfortbildungen, die bei der Schüler-Uni in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft angeboten werden.

2006 fand an der Freien Universität die erste SchülerUni statt, die sich mit dem Thema Energie und Klima auseinandersetzte. Anlasswarder20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Nachfrage war so groß, dass zunächst ein europäisches Projekt und schließlich die SchülerUni Nachhaltigkeit +Klimaschutz daraus entstand. Auch in diesem Frühjahr übertrifft die Nachfrage die zur Verfügung stehender Plätze.

Deshalb ist Ulrike Martin-Pack von der Zeppelin-Grundschule in Berlin-Spandau froh, mit ihrer Klasse noch einen Workshop ergattert zu haben. Jetzt schrauben die Sechstklässler an mit Akkus betriebenen Modellautos. „Vorfahren – Aus was besteht ein Auto?“ heißt der Kreativ-Workshop, der in Kooperation mit dem Junior-Campus des Deutschen Technikmuseums stattfindet. Die Schüler und Schülerinnenwerden dabei spielerisch an das Thema Mobilität und Energie herangeführt. „Ich finde es ganzwichtig, dass Kinder auch Lernorte außerhalb der Schule besuchen“, sagt die Lehrerin. „Hier gibt es so viele Möglichkeiten, die wir in den Schulen nicht haben.“

Karola Braun-Wanke sieht genau darin das Potenzial der SchülerUni: „Wo einer Schule Platz oder Mittel fehlen, Projekte zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz umzusetzen, vermitteln wir Kontakte zu regionalen Projektpartnern, die darauf spezialisiert sind.“ Auch hier ist es eben wichtig, Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Weitere Informationen

www.fu-berlin.de/schueleruni

Ausgezeichnet

Das Bildungsformat der SchülerUni ist 2005 vom Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität entwickelt worden. Von der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ wurde es 2009/2010, 2011/2012 und 2013/2014 als vorbildliches Projekt ausgezeichnet.

Seit 2012 ist die SchülerUni offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. 2013 hat der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung die SchülerUni als innovatives Bildungsformat mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ ausgezeichnet.

Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Freien Universität Berlin, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) und der GASAG Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft.