Schillernde Helden, finstere Schurken

Die Shakespeare- Gesellschaft tagt unter Leitung ihrer neuen Präsidentin Claudia Olk an der Freien Universität Berlin

17.04.2015

Shakespeares Werke gehören an deutschen Theatern zum festen Repertoire.
Shakespeares Werke gehören an deutschen Theatern zum festen Repertoire. Bildquelle: Promo/Lesley Leslie-Spinks

Unterhaltung und Gesellschaftskritik gehen in seinen Stücken Hand in Hand: William Shakespeares Dramen und Gedichte faszinieren auch heute noch. Neben dem hohen Unterhaltungswert der Stücke überzeugen die Protagonisten Hamlet, Kleopatra und Co. durch ihre Vielschichtigkeit und die analytische Präzision der Charakterzeichnung. „Shakespeares Werk weist einen unheimlichen Reichtum auf“, sagt Claudia Olk, Präsidentin der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft und Professorin am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität. „Das zeigt sich unter anderem auch an den shakespeareschen Figuren. Die fundamentalen Ambivalenzen des Heldischen werden auf eindrucksvolle Weise deutlich“, betont Claudia Olk.

Die Komparatistin mit dem Schwerpunkt Anglistik beschäftigt sich bereits seit ihrer frühen Studienzeit intensiv mit dem 1564 im englischen Stratfordupon- Avon geborenen Dramatiker. Dabei fasziniert sie vor allem der thematische Reichtum seinesWerkes, das zugleich unterhalte, Historisches verarbeite und scharfzüngige Gesellschaftskritik mit amüsanten Wortspielen verknüpfe: „Shakespeares Stücke sind zeitlos, was sie so besonders macht, lässt sich kaum auf einen Nenner bringen. Jedes für sich ist etwas ganz Besonderes.“ Ein Merkmal des shakespeareschen Werkes sei, dass derAutor bei aller analytischen Schärfe keine seiner Figuren der Lächerlichkeit preisgebe, sagt Olk. So zeige sich etwa in der Thematisierung von gesellschaftlicher Ausgrenzung in der um 1600 veröffentlichten Komödie „Der Kaufmann von Venedig“ ein großes Bewusstsein für die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit. „Shakespeares Stücke zeigen gesellschaftliche und persönliche Konflikte auf und setzen sich mit diesen auseinander. Mit der inhaltlichen Tiefe dieser Auseinandersetzung können selbst heutige Debatten mitunter nicht Schritt halten.“ Insofern seien seine Werke viel mehr als nur Klassiker, die gepflegt werden müssten.

Dem Werk Shakespeares widmet sich Olk forschend wie lehrend: als Professorin an der Freien Universität und im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Präsidentin der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft. Sie ist die erste Frau, die dem 1864 gegründeten, weltweit ältesten Verein seiner Art vorsteht. Die Zielsetzung des Vereins ist es, die Rezeption von Shakespeares Werken zu fördern. Unter den Mitgliedern sind Literatur- und Theaterfreunde ebenso wie Lehrer, Autoren und Wissenschaftler. „Wir pflegen den Austausch mit herausragenden Wissenschaftlern, Kulturschaffenden und interessierten Laien gleichermaßen. Publikum und Vortragende sind also nicht nur akademisch fokussiert.“ Die Hauptursache dafür, dass uns Shakespeares Dramen heute noch faszinieren, sieht Claudia Olk in deren Komplexität und universaler Bedeutung. „Sie weisen über ihren Entstehungskontext und den Horizont der Epoche hinaus.“ Gleiches soll für das Thema der Tagung gelten, das Claudia Olk und ihr Team gewählt haben – es lautet „Helden und Heldinnen bei Shakespeare“.

Das Motiv dränge sich bei den rund 40 überlieferten Bühnenstücken mit starken Charakteren geradezu auf, sagt dieWissenschaftlerin: „Shakespeare hat einige der schillerndsten literarischen Heldenfiguren geschaffen und unsterblich gemacht. Das Ideal eines Hamlet wird nicht so schnell erreicht werden.“ Besonders das Zwiespältige mache die Figuren so erinnerungswürdig: „Das gilt für Shakespeares Helden und Antihelden gleichermaßen. Richard der Dritte etwa ist ein interessanter Charakter, gerade weil – und nicht obwohl – er so intrigant und blutdurstig ist“, sagt die Wissenschaftlerin. „Den gottähnlichen Heros findet man bei diesem Autor nicht.“ Stattdessen verarbeite Shakespeare die griechischen und christlichen Vorbilder und stelle sie infrage. Für die Tagung, die vom 23. bis 26. April stattfindet, konnte Olk zahlreiche renommierte Gastredner und Kollegen von der Freien Universität gewinnen. „Ich freue mich, die Tradition der Shakespeare- Rezeption an der Freien Universität fortzusetzen“, sagt die Literaturwissenschaftlerin. Nach der Tagung ist vor dem Großereignis: Die Planungen der Shakespeare-Gesellschaft für Veranstaltungen zum 500. Todestag des Dramatikers im kommenden Jahr laufen bereits – dann mit einem Schwerpunkt zum Thema „Shakespeares Gärten“.

Weitere Informationen

  • „Helden und Heldinnen bei Shakespeare“ – Frühjahrstagung in Berlin
  • Zeit, Ort und Anmeldung: 23. bis 26. April 2015 im Harnack-Haus und im Deutschen Theater
  • Auftaktveranstaltung: Donnerstag, 23. April 2015, 16.00 Uhr im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin
  • Tagungsgebühren: Mitglieder 30, ermäßigt 15 Euro, Nichtmitglieder 60, ermäßigt 20 Euro
  • Anmeldung online unter: www.shakespeare-gesellschaft.de